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Mi, 13:54 Uhr
23.03.2011

Andert in Artern

Nächsten Dienstag gibt es eine interessante Buchlesung in Artern. Der bekannte Lidermacher und Autor, Reinhold Andert stellt sich in Artern vor...

Die Buchlesung findet am Dienstag, den 29. März 2011, um 19.00 Uhr in der Stadtbibliothek auf dem Königstuhl statt.

Sie kennen Reinhold Andert noch nicht? Hier einige Hintergrund Informationen:

Der Autor und Liedermacher wurde 1944 in Teplitz (heute Tschechien) geboren. Nach der Vertreibung 1945 gelangte seine Familie nach Sömmerda. Hier ging er zur Grundschule und war in dieser Zeit Oberministrant sowie Gruppenratsvorsitzender der Jungen Pioniere. Der Ministrant bestimmte den Berufswunsch: von 1958 bis 1962 besuchte er das Bischöfliche Vorseminar in Schöneiche bei Berlin, um katholischer Priester zu werden. Er beendete diese Laufbahn und absolvierte bis 1964 in Gotha eine Orgelbauerlehre mit Abitur. 1963 trat er der SED bei. Von 1964 bis 1969 studierte er Philosophie und Geschichte an der Humboldt-Universität Berlin und schloss beide Fächer mit einem Diplom ab. Bis 1972 war er Assistent für Philosophie an der Hochschule für Musik "Hanns Eisler" Berlin und danach freischaffender Liedermacher und Autor zahlreicher Bücher.

Von 1966 bis 1973 war er Mitglied des Berliner Oktoberklubs. Bis 1980 trat er beim Berliner Festival des politischen Liedes auf. In der Auseinandersetzung mit phrasenhaften politischen Texten prägte er das Motto: "DDR konkret". 1980 wurde er aus der SED ausgeschlossen. Die Folge davon war ein Publikations- und Auftrittsverbot bis 1989. Seine Texte wurden kritischer und die wenigen Auftritte beschränkten sich auf evangelische Kirchen sowie Studentenklubs in kulturpolitisch verwahrlosten Gegenden der DDR. Er trat mit Nachdichtungen des russischen Liedermachers Wladimir Wyssotzki hervor. Seit 1980 beschäftigte sich Andert als Historiker intensiv mit der thüringischen Ur- und Frühgeschichte. Die Ergebnisse dieser Arbeit erschienen in den Büchern "Der Thüringer Königshort", "Der fränkische Reiter" und "Die heilige Lanze". Nach der Wende besuchte Reinhold Andert den gestürzten Erich Honecker in seinem Asyl in Lobtetal und in Beelitz-Heilstätten. Dort führte er mit ihm über mehrere Monate hinweg Gespräche, die er später in zwei Büchern veröffentlichte.

Reinhold Andert (Foto: Stadt Artern) Reinhold Andert (Foto: Stadt Artern) Im Jahre 1990 erschien das Buch "Der Sturz. Honecker im Kreuzverhör", 11 Jahre später folgte die Fortsetzung "Nach dem Sturz. Gespräche mit Erich Honecker. Aufgezeichnet von Reinhold Andert".

Reinhold Andert gibt in Zusammenfassungen von Gesprächen mit dem letzten Staatsoberhaupt der DDR in intimer Atmosphäre wieder, wie Honecker sich als heimatloser Privatmann in seinen letzten Lebensjahren zu Fragen aus der Geschichte der DDR sowie zu deren Ende geäußert hat. Diese Aussagen bettet der Autor in eigene Erinnerungen, Reflexionen und Tatsachenberichte ein, so dass ein abgerundetes Bild von einer ganzen Epoche und vom Scheitern eines gesellschaftspolitischen Jahrhundertversuchs entsteht.

Themen sind die Beziehung zwischen Honecker und Mielke, das gestörte Verhältnis Honeckers zur sowjetischen Parteiführung von Anfang an, Honeckers Sehnsucht nach der Einheit Deutschlands in einer antiimperialistischen Welt, Honeckers persönliche Verarbeitung der Ereignisse nach seinem Rücktritt, oder die Rolle Margot Honeckers in der Politik und im Leben ihres Mannes. Aber auch die politischen, ökonomischen und psychologischen Folgen der Angliederung des Gebietes der ehemaligen DDR an das alte Bundesgebiet für die Menschen in den neuen Bundesländern spielt in Anderts Büchern eine Rolle.

Man erfährt in seinen Büchern etwas über charakterschwache Persönlichkeiten, die ihre hohe Position kaltschnäuzig zum eigenen Vorteil ausgenutzt haben; aber man liest auch von der Tragik jener alten und jungen Kader in der SED-Führung, die immer einfach und bescheiden geblieben sind und die subjektiv überzeugt waren, mit ihrem Einsatz dem Sozialismus und dem Volk zu dienen, ohne wirklich erkennen zu können, dass sie ihm objektiv Schaden zufügten.

Und der Leser erfährt auch, dass Erich Honecker vor allen minutiösen Berichten an das Ministerium für Staatssicherheit über Mängel und Unzulänglichkeiten des DDR-Alltags, über die Versorgungsengpässe und die Rechtsbrüche durch Behörden, die Behinderung der Demokratie und die maßlose geheimdienstliche Überwachung von Bürgern und über die wachsende Unzufriedenheit der Menschen stets konsequent und sicher abgeschirmt wurde. Und weil tatsächlich nichts von den wirklichen Stimmungen in großen Teilen der Bevölkerung bis zu Honecker hatte vordringen dürfen und können, glaubt Andert - zurecht, dem ehemals mächtigsten Mann im Staate auch, wenn dieser sagt, dass ihn die "Gorbi, Gorbi!"- Rufe der FDJ am 7. Oktober 1989 zutiefst erschüttertet hätten.
Autor: khh

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