Mo, 18:12 Uhr
04.04.2011
Ein mutiges Projekt – die Haldenbepflanzung
An der Kalihalde von Sondershausen wurde heute ein besonderes Projekt auf den Weg gebracht, die Bepflanzung der Kalihalde in Sondershausen. Mit dabei heute am Vormittag war unserer Leser Hans-Jürgen Schmidt...
Am heutigen Tag wurde Geschichte geschrieben. Das Pflanzenprojekt Kalihalde Sondershausen im Rahmen des Thüringer Modells der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald – kurz SDW nahm Formen an. Einen großen Bahnhof gab zu den Pflanzungen unterhalb der Halde. Der Geschäftsführer der GSES Sondershausen, Prof. Dr.-_Ing. Jan –Henrich Florin, konnte den Thüringer Minister für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz, Jürgen Reinhold, herzlich begrüßen.
An seiner Seite hatten im Präsidium im ehemaligen Sozialgebäude der Grube V Platz genommen: Bernd Becker, Geschäftsführerender Vorstand der SDW Thüringens, Matthias Wierlacher, Vorstandsvorsitzender der Thüringer Aufbaubank und Joachim Selle (CDU), Mitglied des Bundestages. Die Stadt war durch die 1. Beigeordnete der Stadt Sondershausen, Cornelia Kraffzick (SPD) vertreten.
Dipl. –Ing. Brumme, der Betriebsführer Halde und Bahn der GSES hat in überzeugender Art und Weise den Rekultivierungsplan an Hand einer Karte vom Haldenkomplex vorgetragen. Er brillierte mit Fakten und Tatsachen: Anhand folgender Zahlen lassen sich Ausmaß und Entwicklung der Rückstandshalden am Beispiel Sondershausen verdeutlichen: Im Zeitraum 1974 bis zur Einstellung der Kaliproduktion am 21.Juni 1991 wurden in Sondershausen rund 37 Millionen t Kalirohsalze gefördert, davon waren rund 23,5 % verwertbares Material, das heißt KCI und ab 1982 auch MgCl2 und Brom. 20 Millionen Tonnen von den rund 37 Millionen Tonnen waren nicht verwertbar und wurden mittels Förderbänder auf die immer größer werdende Kalirückstandshalde verbracht.
Bei einer Grundfläche von 65 ha oder 655.000 m³, einem durchschnittlichen jährlichen Niederschlag von 643mm/m2/a entsteht eine Salzlösung mit einem durchschnittlichen Gesamtsalzgehalt von 339 g/l, zum Vergleich dazu beträgt der Salzgehalt des Toten Meeres 267 g/l. Infolge der Auswaschungen des Haldenkörpers würden so ohne Berücksichtigung einer Verdunstung ca. 350.000 m3 Salzlösung gebildet bzw. 122.000 t Salz pro Jahr in den Wasserkörper eingetragen. Drainagesysteme um die Halde fassen am Standort Sondershausen lediglich 7 % der entstehenden Haldenlösung und leiten und dies dann in ein Stapelbecken ab, von wo aus die Weiterverarbeitung im Versatzbergwerk erfolgt.
Um eine Versalzung einzudämmen ist folgendes vorgesehen: Man hat man seit 1991 begonnen, die Kalihalde abzudecken. Zunächst handelte es sich um die Materialien aus den betriebsinternen Rückbaumaßnahmen, danach kamen spezifische Stoffe wie Erde, Bauschutt und Beton hinzu. Gegenwärtig werden Abfälle verschiedener Herkunft und Zusammensetzung zur Rekultivierung genutzt. Das sind u.a. Gießereialtsande, Gleisschotter, Schlämme aus der Wasserklärung, Rost und Kesselaschen sowie Sandfangrückstände um nur einige zu benennen. Sie müssen sowohl in ihren chemischen als auch physikalischen Anforderungen und Eigenschaften für den Einsatz als Abdeckmaterial geeignet sein.
Heute erfolgt die Abdeckung der Kalirückstandshalde nach einem vorgegeben Rahmen der Thüringer Kalihaldenrichtlinie. Sie sieht vor, dass in einem 3 schichtigen Aufbau bestehend aus kapillarbrechender Schicht (1), konturgebender (2) und Kulturschicht (3) die Abdeckung erfolgen soll mit dem Hauptziel, das Niederschlagswasser in diesen oberen Teilen zurückzuhalten. Der obersten Schicht der Kulturschicht kommt dabei die höchste Bedeutung für die Ausbildung der Vegetation zu. Die in der Folge entstehende Vegetationsdecke soll das Eindringen der Oberflächenwässer in den Haldenkörper in entscheidendem Maße durch die die ablaufenden Verdunstungs und Wasserspeicherungsprozesse reduzieren.
Zur Bepflanzung informierte dann Lutz Eichhorn, Leiter des Forstamtes Sondershausen. Es sollen zuerst Pionierpfalzen eingesetzt werden. Dazu zählt die Robinie. Die Gewöhnliche Robinie ist ein sommergrüner Baum mit rundlicher oder locker schirmartiger Krone, der im Freistand Wuchshöhen von 12 bis 20 m und im geschlossenen Bestand Wuchshöhen von 20 bis 30 m erreichen kann. Die Borke des Stamms ist graubraun bis dunkelbraun, tief gefurcht und häufig netzig-längsrissig. Die Äste stehen gedreht an einem kurzen Stamm, der zur Ausbildung einer Doppelkrone neigt. Der Baum ist weitgehend winterfrosthart. Es werden vorwiegend getopfte Pflanzen eingesetzt, denn davon kann die Pflanze ungefähr ein Jahr zehren.
Heute wurde Vogelkirschen und Bergahornbäumchen angepflanzt. Da kostet natürlich Geld. Deshalb war es erfreulich, dass der Minister dem SDW über die Aufbaubank einen Scheck von 5.000,- € übergeben konnte. Auf den 65 ha Fläche werden tausende Pflanzen benötigt.
Mit Freude haben die Kinder der 3. Klasse der Käthe-Kollwitz-Schule die anwesenden Persönlichkeiten beim Pflanzen der Bäumchen unterstützt. Fragt man sie warum die Pflanzung geschehen soll, so konnten sie ihr Wissen aus dem Heimatkundeunterricht an den Mann bringen.
Es lag genau auf der Ebenen der Zielstellung des Thüringer Modells: Mehr Wald, mehr Sauerstoff , mehr Filter, mehr Landschaft und somit mehr Lebensqualität.
Hoffen wir, dass die Kinder in 20 bis 30 Jahren sagen können, wenn sie im Wald auf der ehemaligen Halde spazieren gehen: Hier haben wir die ersten Bäume gepflanzt! Mit ihrer Unterschrift (letztes Bild) ist dokumentiert, wer zum Beispiel an dieser Erstpflanzung teilgenommen hat und soll ein geschichtliches Dokument sein.
Hans-Jürgen Schmidt
Autor: khhAm heutigen Tag wurde Geschichte geschrieben. Das Pflanzenprojekt Kalihalde Sondershausen im Rahmen des Thüringer Modells der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald – kurz SDW nahm Formen an. Einen großen Bahnhof gab zu den Pflanzungen unterhalb der Halde. Der Geschäftsführer der GSES Sondershausen, Prof. Dr.-_Ing. Jan –Henrich Florin, konnte den Thüringer Minister für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz, Jürgen Reinhold, herzlich begrüßen.
An seiner Seite hatten im Präsidium im ehemaligen Sozialgebäude der Grube V Platz genommen: Bernd Becker, Geschäftsführerender Vorstand der SDW Thüringens, Matthias Wierlacher, Vorstandsvorsitzender der Thüringer Aufbaubank und Joachim Selle (CDU), Mitglied des Bundestages. Die Stadt war durch die 1. Beigeordnete der Stadt Sondershausen, Cornelia Kraffzick (SPD) vertreten.
Dipl. –Ing. Brumme, der Betriebsführer Halde und Bahn der GSES hat in überzeugender Art und Weise den Rekultivierungsplan an Hand einer Karte vom Haldenkomplex vorgetragen. Er brillierte mit Fakten und Tatsachen: Anhand folgender Zahlen lassen sich Ausmaß und Entwicklung der Rückstandshalden am Beispiel Sondershausen verdeutlichen: Im Zeitraum 1974 bis zur Einstellung der Kaliproduktion am 21.Juni 1991 wurden in Sondershausen rund 37 Millionen t Kalirohsalze gefördert, davon waren rund 23,5 % verwertbares Material, das heißt KCI und ab 1982 auch MgCl2 und Brom. 20 Millionen Tonnen von den rund 37 Millionen Tonnen waren nicht verwertbar und wurden mittels Förderbänder auf die immer größer werdende Kalirückstandshalde verbracht.
Bei einer Grundfläche von 65 ha oder 655.000 m³, einem durchschnittlichen jährlichen Niederschlag von 643mm/m2/a entsteht eine Salzlösung mit einem durchschnittlichen Gesamtsalzgehalt von 339 g/l, zum Vergleich dazu beträgt der Salzgehalt des Toten Meeres 267 g/l. Infolge der Auswaschungen des Haldenkörpers würden so ohne Berücksichtigung einer Verdunstung ca. 350.000 m3 Salzlösung gebildet bzw. 122.000 t Salz pro Jahr in den Wasserkörper eingetragen. Drainagesysteme um die Halde fassen am Standort Sondershausen lediglich 7 % der entstehenden Haldenlösung und leiten und dies dann in ein Stapelbecken ab, von wo aus die Weiterverarbeitung im Versatzbergwerk erfolgt.
Um eine Versalzung einzudämmen ist folgendes vorgesehen: Man hat man seit 1991 begonnen, die Kalihalde abzudecken. Zunächst handelte es sich um die Materialien aus den betriebsinternen Rückbaumaßnahmen, danach kamen spezifische Stoffe wie Erde, Bauschutt und Beton hinzu. Gegenwärtig werden Abfälle verschiedener Herkunft und Zusammensetzung zur Rekultivierung genutzt. Das sind u.a. Gießereialtsande, Gleisschotter, Schlämme aus der Wasserklärung, Rost und Kesselaschen sowie Sandfangrückstände um nur einige zu benennen. Sie müssen sowohl in ihren chemischen als auch physikalischen Anforderungen und Eigenschaften für den Einsatz als Abdeckmaterial geeignet sein.
Heute erfolgt die Abdeckung der Kalirückstandshalde nach einem vorgegeben Rahmen der Thüringer Kalihaldenrichtlinie. Sie sieht vor, dass in einem 3 schichtigen Aufbau bestehend aus kapillarbrechender Schicht (1), konturgebender (2) und Kulturschicht (3) die Abdeckung erfolgen soll mit dem Hauptziel, das Niederschlagswasser in diesen oberen Teilen zurückzuhalten. Der obersten Schicht der Kulturschicht kommt dabei die höchste Bedeutung für die Ausbildung der Vegetation zu. Die in der Folge entstehende Vegetationsdecke soll das Eindringen der Oberflächenwässer in den Haldenkörper in entscheidendem Maße durch die die ablaufenden Verdunstungs und Wasserspeicherungsprozesse reduzieren.
Zur Bepflanzung informierte dann Lutz Eichhorn, Leiter des Forstamtes Sondershausen. Es sollen zuerst Pionierpfalzen eingesetzt werden. Dazu zählt die Robinie. Die Gewöhnliche Robinie ist ein sommergrüner Baum mit rundlicher oder locker schirmartiger Krone, der im Freistand Wuchshöhen von 12 bis 20 m und im geschlossenen Bestand Wuchshöhen von 20 bis 30 m erreichen kann. Die Borke des Stamms ist graubraun bis dunkelbraun, tief gefurcht und häufig netzig-längsrissig. Die Äste stehen gedreht an einem kurzen Stamm, der zur Ausbildung einer Doppelkrone neigt. Der Baum ist weitgehend winterfrosthart. Es werden vorwiegend getopfte Pflanzen eingesetzt, denn davon kann die Pflanze ungefähr ein Jahr zehren.
Heute wurde Vogelkirschen und Bergahornbäumchen angepflanzt. Da kostet natürlich Geld. Deshalb war es erfreulich, dass der Minister dem SDW über die Aufbaubank einen Scheck von 5.000,- € übergeben konnte. Auf den 65 ha Fläche werden tausende Pflanzen benötigt.
Mit Freude haben die Kinder der 3. Klasse der Käthe-Kollwitz-Schule die anwesenden Persönlichkeiten beim Pflanzen der Bäumchen unterstützt. Fragt man sie warum die Pflanzung geschehen soll, so konnten sie ihr Wissen aus dem Heimatkundeunterricht an den Mann bringen.
Es lag genau auf der Ebenen der Zielstellung des Thüringer Modells: Mehr Wald, mehr Sauerstoff , mehr Filter, mehr Landschaft und somit mehr Lebensqualität.
Hoffen wir, dass die Kinder in 20 bis 30 Jahren sagen können, wenn sie im Wald auf der ehemaligen Halde spazieren gehen: Hier haben wir die ersten Bäume gepflanzt! Mit ihrer Unterschrift (letztes Bild) ist dokumentiert, wer zum Beispiel an dieser Erstpflanzung teilgenommen hat und soll ein geschichtliches Dokument sein.
Hans-Jürgen Schmidt

















