Mo, 16:42 Uhr
06.06.2011
Rückblick auf Veranstaltungen
Auf Veranstaltungen im Panorama Museum machte Fred Böhme vom Panorama einen Rückblick. Was er so alles feststellte, erfahren Sie hier...
Nach "Ein fliehendes Pferd" (D 2007), mit seinem voller Spiellust agierenden Schauspielerensemble und durchaus feinsinniger Doppelbödigkeit, folgte am vergangenen Freitagabend (3.6.) die Tragikomödie "Mammuth" (F 2010) mit einem überragenden Gerard Depardieu in der Hauptrolle. Dieses Roadmovie war in Low-Budget-Ästhetik gefilmt und das war sicher nicht nur das Ergebnis der "No-Money-Produktion", wie man im Abspann lesen konnte, sondern auch künstlerisches Stilmittel, um eine Geschichte über einen pensionierten armen Teufel zu drehen, der seine ehemaligen Arbeitgeber abklapperte - von zumeist prekären Arbeitsverhältnissen -, um seine Rentenunterlagen zu vervollständigen.
Bei aller Situationskomik zeigte der Film ohne Sentimentalität und mit warmherziger Anteilnahme die Verlierer des neoliberalen Wirtschaftssystems. Diese Geschichte bot überragend treffende Bilder, zum Beispiel wie der Pensionär sich durch seine Wohnung bewegte, gleich einem Tiger im Käfig, wie er mit einer Mischung aus Wut und Verzweifelung sein neues Leben zu bewältigen und seinen Einkaufswagen auf dem Supermarktparkplatz vergebens durch die parkenden Autos zu zwängen versuchte, wie er auf seinem alten Motorrad von LKWs und anderen Motorrädern überholt wird. Daneben gab es aber auch immer wieder traumhaft-surreale Sequenzen, die verstörend wirkten, wie er im Supermarkt den toten Mann an der Kühlvitrine entdeckt und ihn schuldbewusst ignoriert und weiter seine Einkäufe tätigte, die Begegnungen mit seiner tödlich verunglückten Freundin, die seine Reise auch zu einer zu sich selbst werden und ihn ein altes Trauma überwinden ließen und letztlich auch die Begegnungen mit seiner Nichte, der Künstlerin und ebenso für ein Leben in dieser Welt nicht geeigneten Schöpferin von collagenhaften Skulpturen, die ebenso wenig für eine Vermarktung geeignet waren wie sie selbst.
Der Film interessierte sich vor allem für das Schicksal der kleinen Leute, die stets zu den Verlierern gehören, die sich durchwursteln, betrogen und verachtet werden, die nicht schön und erfolgreich genug sind, dass sie für Wert befunden werden, in den Focus einer Kamera zu geraten. Und einem von ihnen gab Depardieu ein unverwechselbar markantes Gesicht in diesem wirklich bemerkenswerten Film.
Fred Böhme
Autor: khhNach "Ein fliehendes Pferd" (D 2007), mit seinem voller Spiellust agierenden Schauspielerensemble und durchaus feinsinniger Doppelbödigkeit, folgte am vergangenen Freitagabend (3.6.) die Tragikomödie "Mammuth" (F 2010) mit einem überragenden Gerard Depardieu in der Hauptrolle. Dieses Roadmovie war in Low-Budget-Ästhetik gefilmt und das war sicher nicht nur das Ergebnis der "No-Money-Produktion", wie man im Abspann lesen konnte, sondern auch künstlerisches Stilmittel, um eine Geschichte über einen pensionierten armen Teufel zu drehen, der seine ehemaligen Arbeitgeber abklapperte - von zumeist prekären Arbeitsverhältnissen -, um seine Rentenunterlagen zu vervollständigen.
Bei aller Situationskomik zeigte der Film ohne Sentimentalität und mit warmherziger Anteilnahme die Verlierer des neoliberalen Wirtschaftssystems. Diese Geschichte bot überragend treffende Bilder, zum Beispiel wie der Pensionär sich durch seine Wohnung bewegte, gleich einem Tiger im Käfig, wie er mit einer Mischung aus Wut und Verzweifelung sein neues Leben zu bewältigen und seinen Einkaufswagen auf dem Supermarktparkplatz vergebens durch die parkenden Autos zu zwängen versuchte, wie er auf seinem alten Motorrad von LKWs und anderen Motorrädern überholt wird. Daneben gab es aber auch immer wieder traumhaft-surreale Sequenzen, die verstörend wirkten, wie er im Supermarkt den toten Mann an der Kühlvitrine entdeckt und ihn schuldbewusst ignoriert und weiter seine Einkäufe tätigte, die Begegnungen mit seiner tödlich verunglückten Freundin, die seine Reise auch zu einer zu sich selbst werden und ihn ein altes Trauma überwinden ließen und letztlich auch die Begegnungen mit seiner Nichte, der Künstlerin und ebenso für ein Leben in dieser Welt nicht geeigneten Schöpferin von collagenhaften Skulpturen, die ebenso wenig für eine Vermarktung geeignet waren wie sie selbst.
Der Film interessierte sich vor allem für das Schicksal der kleinen Leute, die stets zu den Verlierern gehören, die sich durchwursteln, betrogen und verachtet werden, die nicht schön und erfolgreich genug sind, dass sie für Wert befunden werden, in den Focus einer Kamera zu geraten. Und einem von ihnen gab Depardieu ein unverwechselbar markantes Gesicht in diesem wirklich bemerkenswerten Film.
Fred Böhme
