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So, 00:36 Uhr
03.07.2011

Trauriges Jubiläum

An das Grubenunglück im Kaliwerk „Glückauf Sondershausen“ am 11.07.1951 erinnert unser Leser Hans-Jürgen Schmidt, der in dieser Richtung auch viele Gespräche führte...

Im Jahr 2011 soll an die Schlagwetterexplosion im Kaliwerk „Glückauf“ Sondershausen erinnert werden. Nach 60 Jahren ist es wohl hiermit angebracht, dass den 12 Bergleuten, die am 11.6.1951 tödlich verunglückten ein symbolisches Denkmal gesetzt wird. Mit einer Kranzniederlegung wird jährlich durch die Mitglieder des Bergmannvereins am Tag des Bergmanns am Denkmal in der Schachtstraße allen tödlich verunglückten Bergleuten gedacht.
Was spielte sich damals ab?

Das Jahr 1951 war ein Unglücksjahr im Bereich der Kaligruben im Südharz. Schlagwetterexplosionen im April in Bischoffrode, im Juli in Pöthen und ebenfalls im Juli in Kraja waren die traurigen Ereignisse im Leben der Kalibergleute, so auch in Sondershausen. Am 11. Juli 1951 starben 12 Bergleute und 32 erlitten Verbrennungen bei einer Schlagwetterexplosion im Bereich der Strecke 13 in der Nähe der damaligen Aufstellung des Schrappers 44 in einer Hartsalzstrecke, im damaligen Revier 1 auf Schacht I, den Brügmanschacht.

Der ehemalige Grubenwehrmann Karl Stein, der heute 80 Jahre alt ist, erinnert sich:
Die Schlagwetterexplosion ereignete sich gegen 10 Uhr. In einem nicht mehr bewetterten und abgeworfenen Abbau hatte sich Gas angesammelt, welches vermutlich aus dem Hauptanhydrit stammte. Walter Köhler begab sich mit der Karbidlampe, das Geleucht der Bergleute, durch einen Durchhieb, um nach alten Schrapperseil zu schauen. Dabei brachte er das Methan-Luftgemische zur Explosion. In diesem Bereich wurde kein Gas vermutet. Unglücklicherweise befand sich in der Nähe ein Frühstücksplatz an dem die Hauer mit ihren Lehrhauern saßen. Wie üblich gab es eine Sitzbank. Über der Bank gab es Haken, an dem die Beutel hingen, in dem das Frühstück verstaut wurde. Sie saßen aufgereiht wie eine Perlenschnur. Der Oberkörper war entsprechend der vorherrschenden Temperaturen entblößt. Sie trugen nur eine Hose und bedingt der damaligen Zeit gab es noch keine Grubenhelme, sonder sie trugen Mützen oder gar nichts auf dem Kopf. Die Schuhbekleidung bestand meist aus Holz –oder Gummischuhen. Der Feuersturm der Methanexplosion hatte zu schweren Verbrennungen geführt. Die Männer der Grubenwehr waren gefordert, um die Schwerstverletzten zu bergen. Aus psychologischer Sicht eine nicht einfache Aufgabe. Am Unglücksort angekommen,, war die Sicht stark eingeschränkt, man sah die Hand vor den Augen kaum. Die Verunglückten schrien vor Schmerz. Sie waren nicht tot.

Die Männer der Grubenwehr mussten vorsichtig sein, denn der Sprengstoff war bereits in die Kisten aus Blech gepackt und die Zündschnüre war schon geschnitten und mit Sprengkapseln versehen. Ein Glück, dass die Männer der Grubenwehr bereits mit elektrischem Geleucht ausgerüstet waren, so konnten sie sich besser vortasten. Sie nahmen die verletzten an die Hand. Sie waren nackt, denn alle Kleidungstücke waren verbrannt. Am Schacht angekommen stieg man auf den Förderkorb. Übertage angekommen verließen die Verletzten den Förderkorb und liefen nackt über das Schachtgelände zum Ambulatorium. Die Schmerzen waren unerträglich und Schmerzschreie waren zu hören. Im Ambulatorium führten dann die Brandverletzungen bei Einigen zum Tod. Andere wurden ins Krankenhaus eingeliefert, in dem weitere den schweren Verletzungen erlagen. So schreibt der Chefarzt Dr. Weltje des Landeskrankenhause Sonderhausen zu den verunglückten Karl Fritsche: „Die Todesursache waren schwere Verbrennungen I. – III. Grades im Gesicht, Kopf, Nacken, Thorax, beide Unter- und Oberarme dorsale Flächen sämtlicher Finger“.

Dies bestätigt auch eine Aussage, die der Großvater von Rudi Fritsche mütterlichseits zu Rudi Fritsche gemacht hat: „Mein Großvater war ebenfalls als Schweißer im Übertagebetrieb tätig. Er hat mir später mal erzählt, dass er meinen Vater aufgrund der schweren Verletzungen nicht mehr erkannt hat, als die Verletzten aus dem Förderkorb kamen.“

Glücklicherweise waren die Männer des Machinenbetriebes etwas abseits vom Unglücksort tätig, so dass sie nur leichte Brandverletzungen davon trugen. Die Trauerrede hielt Wilhelm Effmert als technischer Direktors des Werkes, der später als Werkdirektor eingesetzt wurde. Als Vertreter der Regierung nahm der Minister für Schwerindustrie, Fritz Selbmann, an der Trauerfeier teil. Er betonte, dass im Vordergrund der Arbeit der Regierung der Schaffende Mensch steht. Ihn zu schützen und ihm jede denkbare Hilfe zu ermöglichen, ist mit die höchste Aufgabe der Regierung. Eine Folge dieser Häufung von Schlagwetterexplosionen war, dass ein umfangreiches Programm zur Sicherheit durchgeführt wurde. In einer Sitzung vom 12.Juli 1951 fasste der Ministerrat einen Beschluss, der alle Bergbaubetriebe zur strengsten Einhaltung zusätzlicher Sicherheitsmaßnahmen zum Schutze der Untertagebelegschaft verpflichtet.

Die Gruben im Südharz wurden auf Schlagwetterschutz umgestellt. Die Karbidlampen wurden durch elektrisches Geleucht ersetzt. Die Wetterführung und deren Kontrolle wurde verbessert. Es wurde eine Fernzündung der Sprengarbeiten eingeführt. Eine weitere Maßnahme war die Wiedereinführung des Vollversatzes, der im Jahre 1941 eingestellt wurde. Dazu wurde im Bereich der Grube V Haldenrückgewinnungsanlagen aufgebaut, um das nötige Material für den Versatz bereit zu stellen. Seit dem kam es zu keiner Schlagwetterexplosion mehr.

Die Solidarität war groß. So ist in der Betriebszeitung „Glückauf“ für die Belegschaft des VEB Kaliwerk „Glückauf“ vom 3.8.1951 zu lesen: „Wie mächtig die Verbundenheit der Behörden und der Bevölkerung zu den verunglückten Bergarbeitern und den Angehörigen zum Ausdruck kam, bewiesen die zahlreichen Beileidstelegramme und die starke Beteiligung an den örtlichen Trauerfeiern. Insbesondere waren es die vielen Bergbaubetriebe, die sich mit den Verunglückten solidarisch erklärten und den Angehörigen namhafte Summen zur Verfügung stellten. Im einzelnen überwiesen: Kaliwerk  Roßleben 5000 DM, Braunkohlenverwaltung Werk Mücheln 3000 DM, Flußspatwerk Flour 1000 DM, Kaliwerk Bleicherode, 3000 DM, Flourid Werke 1000 DM, Kalikombinat Volkenroda 2600 DM, IKA Sondershausen 1000 DM, Saline Dürrenberg 300 DM und die Zentralschule der Volkstpolizei Sondershausen 7000 DM. Wir möchten an dieser Stelle den beispielhaften Einsatz aller Rettungsmannschaften und Kraftfahrer sowie, die Liebe und Pflege nicht unerwähnt lassen, die Ärzte und das Sanitätspersonal des Sondershäuser Krankenhauses den Verunglückten angedeihen ließen.“

Weiterhin bekamen die Familien der Verunglückten noch Geldbeträge von der Unfallversicherung, vom Kaliwerk, vom FDGB und dem Ministerium für Arbeit. (siehe Dokumente in Form von Bildern).
Die Unterlagen wurden dem Autor von Rudi Fritsche aus Demmin dankend zu Verfügung gestellt. Rudi Fritsche war 1 Jahr alt als sein Vater mit 33 Jahren tödlich verunglückte. Er wohnte damals in Hain. Nach seinen Studium war er als Lehrer für Physik und Mathematik 35 Jahre in Demmin an der Schule tätig. Er ist jetzt Rentner und möchte jetzt untertage den Ort sehen, an dem sein Vater verunglückte. Ob dies heute noch möglich ist, wird unwahrscheinlich sein.
Die Verunglückten waren:
Kurt Fischer
Harry Heyder
Ernst Kunze
Erich Borowski
Kurt Tettenborn
Herbert Hartung
Walter Köhler
Kurt Stockhaus
Herbert Rudolff
Albin Thielo
Karl Fritsche
Karl Huth
„Wir wollen die Verunglückten als Lebende betrachten, uns ihres Lebens, ihres auch dem Hingange noch fortwirkenden Lebens freuen und deshalb ihr bleibendes Verdienst dankbar für die Nachwelt aufzeichnen.“ (Herder)
Text und Bilder: Hans-Jürgen Schmidt, Sondershausen

Bildtexte:
Bild 1: Zeitzeuge Karl Stein, Sondershausen, 80 Jahre alt
Bild 2: elektr. Grubenlampe, welche die Grubenwehr schon damals beim Einsatz hatte
Bild 2.1: Grubenwehreinsatzgruppe am Unglückstag – v.li.: Steiger Knapp, Koll. Weißhaupt. Kellermann, Stein, Kowald
Bild 2.2. Grubenwehr am Unglückstag – 1.Einsatzgruppe: v.li.: Koll. Hacke, Kellermann, Kowald, Stein. Weißhaupt
Bild 3: In Bildmitte Karl Fritsche, anderen Kollegen nicht bekannt
Bild 4: Todesanzeige
Bild 5: Grabstätte von Karl Fritsche
Bild 5.1: Todesanzeige von Karl Fritsche
Bild 6: Grabstein von Karl Fritsche
Bild 7: So sah das Titelbild der Betriebszeitung 1951 aus
Bild 8: Die Sicherheitsmaßnahmen des Ministerrates, als Schlussfolgerung des Grubenunglücks
Bild 9: Todesanzeige in der Betriebszeitung
Bild 10: Beileidsschreiben der Werkleitung
Bild 11: Brief des Ministeriums für Arbeit der DDR
Bild 11.1: Schreiben der Unfallversicherung
Bild 12: Geldüberweisung durch die Gewerkschaft
Bild 13: Geldüberweisung durch die Werkleitung
Bild 14: Karbidlampe
Bild 15: Das elektrische Geleucht
Bild 17 bis 18.1: aus der Arbeitsweise der Spülung
Bild 19: Vertreter der Spülung – v.li.: Manfred Heine, Karl Stein, Bernhard Sickel, Bodo Ludwig, Manfred Schellhorn
Bild 20: Wilhelm Effmert (1904 – 1963). Er hielt die Trauerrede. Im Jahre 1955 wurde er Werkdirektor im Kaliwerk „Glückauf“ Sondershausen.
Trauriges Jubiläum (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Trauriges Jubiläum (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Trauriges Jubiläum (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Trauriges Jubiläum (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Trauriges Jubiläum (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Trauriges Jubiläum (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Trauriges Jubiläum (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Trauriges Jubiläum (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Trauriges Jubiläum (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Trauriges Jubiläum (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Trauriges Jubiläum (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Trauriges Jubiläum (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Trauriges Jubiläum (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Trauriges Jubiläum (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Trauriges Jubiläum (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Trauriges Jubiläum (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Trauriges Jubiläum (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Trauriges Jubiläum (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Trauriges Jubiläum (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Trauriges Jubiläum (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Trauriges Jubiläum (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Trauriges Jubiläum (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Trauriges Jubiläum (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Trauriges Jubiläum (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Autor: khh

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