Do, 09:35 Uhr
21.07.2011
Thüringer sind unzufrieden
Die thüringischen Teilnehmer der bislang größten Bildungsumfrage in der Bundesrepublik sind unzufrieden mit dem deutschen Bildungswesen und wünschen sich tiefgreifende Veränderungen. Mehr als zwei Drittel von ihnen sind bereit, für ein besseres Bildungssystem höhere Steuern zu zahlen. Das geht aus der regionalen Auswertung der Bürgerbefragung "Zukunft durch Bildung - Deutschland will's wissen" hervor, die uns jetzt vorliegt...
Fast eine halbe Million Menschen hatte im März bei der deutschlandweiten Online-Umfrage mitgemacht, die von der Strategieberatung Roland Berger Strategy Consultants, der Bertelsmann Stiftung sowie den Tageszeitungen BILD und Hürriyet initiiert worden war. 130.000 von ihnen füllten den umfangreichen Fragebogen komplett aus, darunter rund 3.800 aus Thüringen.
Kritik entzündet sich in unter den Befragten aus Thüringen ähnlich wie in den deutschlandweiten
Umfrageergebnissen vor allem am Bildungsföderalismus. Zugleich ist eine überwältigende Mehrheit der Ansicht, der Politik fehle es beim Thema Bildung an Mut zur
Veränderung. Die thüringischen Teilnehmer sprechen sich mehrheitlich für eine Garantie auf einen Ausbildungsplatz aus und möchten, dass die Schüler nicht schon nach der vierten Klasse auf unterschiedliche Schulformen aufgeteilt werden. Das bevorzugte Schulmodell ist die Ganztagsschule.
Nach Ansicht der Befragten aus Thüringen sollten Kita- und Schulbesuch kostenfrei sein, eine knappe Mehrheit ist für Studiengebühren. Die Thüringer Umfrage-Ergebnisse im Überblick:
Wie bei den Befragten insgesamt ist auch in Thüringen die Unzufriedenheit mit dem Bildungssystem sehr groß. Die thüringischen Teilnehmer, unter ihnen vor allem solche mit hohem Bildungsabschluss und ausgeprägtem Interesse an Bildungsthemen, gaben dem
Bildungssystem im Durchschnitt die Note 3,9. Der Bundesdurchschnitt lag bei 3,7.
Den Föderalismus im Bildungswesen sehen die meisten
Befragungsteilnehmer aus Thüringen kritisch. Nur etwa jeder zehnte Befragte glaubt, dass die Konkurrenz zwischen den Bundesländern für eine höhere Qualität im Bildungswesen sorgt - im bundesweiten Durchschnitt
sind es immerhin fast 17 Prozent. Mehr als 97 Prozent der Teilnehmer aus Thüringen fordern einheitliche Abschlussprüfungen in allen Bundesländern - dieses Ergebnis liegt deutlich über dem Bundesdurchschnitt von rund 92 Prozent.
Die Befragten aus Thüringen sprechen sich mehrheitlich für längeres gemeinsames Lernen aus: Nur gut 17 Prozent befürworten den Wechsel der Schüler auf
weiterführende Schulen nach der vierten Klasse. Fast 39 Prozent plädieren aber für den Übergang nach der sechsten Klasse und rund 44 Prozent treten für das gemeinsame Lernen bis zum Ende der Sekundarstufe
I ein. Deutschlandweit plädierten mehr als zwei Drittel aller Teilnehmer für einen späteren Übergang auf die weiterführende Schule - davon etwa 45 Prozent nach der
sechsten und gut 22 Prozent nach der neunten oder zehnten Klasse. Ein knappes Drittel bevorzugt einen Wechsel nach der vierten Klasse.
Wie in Deutschland insgesamt ist auch unter den thüringischen Befragten die Ganztagsschule das bevorzugte Schulmodell: knapp die Hälfte der Befragten wünscht sich die freiwillige Ganztagsschule, rund 40 Prozent die verbindliche Ganztagsschule. Für die
Beibehaltung der Halbtagsschule votierte in Thüringen nur etwa jeder zehnte Befragte - deutschlandweit war es hingegen jeder Fünfte. Nur ein knappes Viertel (rund 24 Prozent) der thüringischen Teilnehmer ist davon überzeugt, dass ein Hauptschulabschluss ausreicht, um in der Gesellschaft zurechtzukommen. Gut drei Viertel (rund 79 Prozent) fordern eine Ausbildungsplatzgarantie.
Große Zustimmung findet unter den Befragten in Thüringen wie auch bundesweit das gemeinsame Lernen von nichtbehinderten und körperlich behinderten Kindern. Etwa neun von zehn Befragten sprachen sich dafür aus. Bei der Inklusion geistig behinderter Kinder
und verhaltensauffälliger Kinder ist die Zurückhaltung in Thüringen indes größer als bei den Befragten in ganz Deutschland: Gut 19 Prozent und damit sechs Prozentpunkte weniger als im Bundesdurchschnitt plädierten für das gemeinsame Lernen mit geistig behinderten Kindern, etwa 44 Prozent für das gemeinsame Lernen mit verhaltensauffälligen Kindern.
Fast 70 Prozent der Befragten in Thüringen sind bereit, höhere Steuern für Bildung zu zahlen - bundesweit liegt der Anteil der Zustimmung mit 73 Prozent etwas höher. Die Mehrheit der thüringischen Umfrageteilnehmer fordert kostenfreie Plätze in Krippen und Kindertagesstätten (gut 71 Prozent) sowie eine auch künftig kostenfreie Schulbildung (knapp 91 Prozent).
Studiengebühren werden hingegen von einer knappen Mehrheit (gut 52 Prozent) akzeptiert, wobei sich der weitaus größte Teil davon für einkommensabhängige Gebühren ausspricht. Keine Mehrheit für bessere Ausstattung von Schulen in Problemvierteln. Die bedarfsabhängig unterschiedliche Ausstattung von Schulen findet unter den Befragten in Thüringen anders als im Bundesdurchschnitt keine Mehrheit. Nur knapp 45 Prozent sprachen sich dafür aus, Schulen in Problemvierteln mehr Mittel zukommen zu lassen als
anderen, um so für mehr Fairness im Schulsystem zu sorgen. Bundesweit stimmte hingegen eine knappe Mehrheit der Teilnehmer (rund 53 Prozent) für eine
bedarfsgerechte Mittelverteilung.
Der Politik billigen die Befragten aus Thüringen nur eine geringe Reformbereitschaft zu. Nicht einmal jeder Fünfte (17 Prozent) ist der Ansicht, Politiker hätten einen großen oder sehr großen Willen zu Veränderungen im Bildungswesen. Dieses Ergebnis liegt noch drei
Prozentpunkte unter dem bundesdeutschen Ergebnis.
Lehrer werden deutlich reformfreudiger eingeschätzt: Ihnen trauen rund 63 Prozent der Befragten in Thüringen
den Mut zu grundlegenden Veränderungen zu - das sind rund sieben Prozentpunkte mehr als bundesweit (rund 56 Prozent).
Informationen zur Umfrage: Die große Bürgerbefragung "Zukunft durch Bildung - Deutschland will's wissen" basiert auf dem Prinzip des Volksentscheides: Jeder konnte mitmachen. Die Umfrage ist nicht repräsentativ. Um möglichst alle Teile der Bevölkerung zu erreichen, gab es den Fragebogen in den Sprachen Deutsch, Türkisch und Russisch. Im Befragungszeitraum vom 14. Februar bis zum 9. März haben sich 480.000 Menschen beteiligt, von denen rund 130.000 den kompletten Fragebogen beantwortet haben. 3.800 dieser Befragten kamen aus Thüringen.
"Zukunft durch Bildung - Deutschland will's wissen" ist somit nach der Teilnehmerzahl die größte Umfrage zum Thema Bildung, die es je in Deutschland gab. Die Teilnahme im Internet unter www.bildung2011.de war freiwillig und anonym. Die rund 30 Fragen befassten sich mit allen Facetten des Bildungssystems vom Kindergarten bis zur beruflichen Weiterbildung.
Das renommierte Meinungsforschungsinstitut TNS Infratest war für die Durchführung der Bürgerbefragung verantwortlich. Der Fragebogen wurde von der Bertelsmann Stiftung in Zusammenarbeit mit anerkannten Bildungsexperten erstellt. Anschließen wurde er von TNS Infratest in einem Vortest auf Aussagekraft, Verständlichkeit und Funktionsfähigkeit überprüft.
Initiiert und umgesetzt wurde die Umfrage "Zukunft durch Bildung - Deutschland will's wissen" von der Strategieberatung Roland Berger Strategy Consultants, der gemeinnützigen Bertelsmann Stiftung, der BILD als Deutschlands größter Tageszeitung sowie der türkischsprachigen Zeitung Hürriyet. Als Partner im Onlinebereich unterstützten die Agentur Revolvermänner
GmbH, die Portale WEB.DE und GMX sowie die VZ-Netzwerke die Initiatoren.
Autor: nnzFast eine halbe Million Menschen hatte im März bei der deutschlandweiten Online-Umfrage mitgemacht, die von der Strategieberatung Roland Berger Strategy Consultants, der Bertelsmann Stiftung sowie den Tageszeitungen BILD und Hürriyet initiiert worden war. 130.000 von ihnen füllten den umfangreichen Fragebogen komplett aus, darunter rund 3.800 aus Thüringen.
Kritik entzündet sich in unter den Befragten aus Thüringen ähnlich wie in den deutschlandweiten
Umfrageergebnissen vor allem am Bildungsföderalismus. Zugleich ist eine überwältigende Mehrheit der Ansicht, der Politik fehle es beim Thema Bildung an Mut zur
Veränderung. Die thüringischen Teilnehmer sprechen sich mehrheitlich für eine Garantie auf einen Ausbildungsplatz aus und möchten, dass die Schüler nicht schon nach der vierten Klasse auf unterschiedliche Schulformen aufgeteilt werden. Das bevorzugte Schulmodell ist die Ganztagsschule.
Nach Ansicht der Befragten aus Thüringen sollten Kita- und Schulbesuch kostenfrei sein, eine knappe Mehrheit ist für Studiengebühren. Die Thüringer Umfrage-Ergebnisse im Überblick:
Wie bei den Befragten insgesamt ist auch in Thüringen die Unzufriedenheit mit dem Bildungssystem sehr groß. Die thüringischen Teilnehmer, unter ihnen vor allem solche mit hohem Bildungsabschluss und ausgeprägtem Interesse an Bildungsthemen, gaben dem
Bildungssystem im Durchschnitt die Note 3,9. Der Bundesdurchschnitt lag bei 3,7.
Den Föderalismus im Bildungswesen sehen die meisten
Befragungsteilnehmer aus Thüringen kritisch. Nur etwa jeder zehnte Befragte glaubt, dass die Konkurrenz zwischen den Bundesländern für eine höhere Qualität im Bildungswesen sorgt - im bundesweiten Durchschnitt
sind es immerhin fast 17 Prozent. Mehr als 97 Prozent der Teilnehmer aus Thüringen fordern einheitliche Abschlussprüfungen in allen Bundesländern - dieses Ergebnis liegt deutlich über dem Bundesdurchschnitt von rund 92 Prozent.
Die Befragten aus Thüringen sprechen sich mehrheitlich für längeres gemeinsames Lernen aus: Nur gut 17 Prozent befürworten den Wechsel der Schüler auf
weiterführende Schulen nach der vierten Klasse. Fast 39 Prozent plädieren aber für den Übergang nach der sechsten Klasse und rund 44 Prozent treten für das gemeinsame Lernen bis zum Ende der Sekundarstufe
I ein. Deutschlandweit plädierten mehr als zwei Drittel aller Teilnehmer für einen späteren Übergang auf die weiterführende Schule - davon etwa 45 Prozent nach der
sechsten und gut 22 Prozent nach der neunten oder zehnten Klasse. Ein knappes Drittel bevorzugt einen Wechsel nach der vierten Klasse.
Wie in Deutschland insgesamt ist auch unter den thüringischen Befragten die Ganztagsschule das bevorzugte Schulmodell: knapp die Hälfte der Befragten wünscht sich die freiwillige Ganztagsschule, rund 40 Prozent die verbindliche Ganztagsschule. Für die
Beibehaltung der Halbtagsschule votierte in Thüringen nur etwa jeder zehnte Befragte - deutschlandweit war es hingegen jeder Fünfte. Nur ein knappes Viertel (rund 24 Prozent) der thüringischen Teilnehmer ist davon überzeugt, dass ein Hauptschulabschluss ausreicht, um in der Gesellschaft zurechtzukommen. Gut drei Viertel (rund 79 Prozent) fordern eine Ausbildungsplatzgarantie.
Große Zustimmung findet unter den Befragten in Thüringen wie auch bundesweit das gemeinsame Lernen von nichtbehinderten und körperlich behinderten Kindern. Etwa neun von zehn Befragten sprachen sich dafür aus. Bei der Inklusion geistig behinderter Kinder
und verhaltensauffälliger Kinder ist die Zurückhaltung in Thüringen indes größer als bei den Befragten in ganz Deutschland: Gut 19 Prozent und damit sechs Prozentpunkte weniger als im Bundesdurchschnitt plädierten für das gemeinsame Lernen mit geistig behinderten Kindern, etwa 44 Prozent für das gemeinsame Lernen mit verhaltensauffälligen Kindern.
Fast 70 Prozent der Befragten in Thüringen sind bereit, höhere Steuern für Bildung zu zahlen - bundesweit liegt der Anteil der Zustimmung mit 73 Prozent etwas höher. Die Mehrheit der thüringischen Umfrageteilnehmer fordert kostenfreie Plätze in Krippen und Kindertagesstätten (gut 71 Prozent) sowie eine auch künftig kostenfreie Schulbildung (knapp 91 Prozent).
Studiengebühren werden hingegen von einer knappen Mehrheit (gut 52 Prozent) akzeptiert, wobei sich der weitaus größte Teil davon für einkommensabhängige Gebühren ausspricht. Keine Mehrheit für bessere Ausstattung von Schulen in Problemvierteln. Die bedarfsabhängig unterschiedliche Ausstattung von Schulen findet unter den Befragten in Thüringen anders als im Bundesdurchschnitt keine Mehrheit. Nur knapp 45 Prozent sprachen sich dafür aus, Schulen in Problemvierteln mehr Mittel zukommen zu lassen als
anderen, um so für mehr Fairness im Schulsystem zu sorgen. Bundesweit stimmte hingegen eine knappe Mehrheit der Teilnehmer (rund 53 Prozent) für eine
bedarfsgerechte Mittelverteilung.
Der Politik billigen die Befragten aus Thüringen nur eine geringe Reformbereitschaft zu. Nicht einmal jeder Fünfte (17 Prozent) ist der Ansicht, Politiker hätten einen großen oder sehr großen Willen zu Veränderungen im Bildungswesen. Dieses Ergebnis liegt noch drei
Prozentpunkte unter dem bundesdeutschen Ergebnis.
Lehrer werden deutlich reformfreudiger eingeschätzt: Ihnen trauen rund 63 Prozent der Befragten in Thüringen
den Mut zu grundlegenden Veränderungen zu - das sind rund sieben Prozentpunkte mehr als bundesweit (rund 56 Prozent).
Informationen zur Umfrage: Die große Bürgerbefragung "Zukunft durch Bildung - Deutschland will's wissen" basiert auf dem Prinzip des Volksentscheides: Jeder konnte mitmachen. Die Umfrage ist nicht repräsentativ. Um möglichst alle Teile der Bevölkerung zu erreichen, gab es den Fragebogen in den Sprachen Deutsch, Türkisch und Russisch. Im Befragungszeitraum vom 14. Februar bis zum 9. März haben sich 480.000 Menschen beteiligt, von denen rund 130.000 den kompletten Fragebogen beantwortet haben. 3.800 dieser Befragten kamen aus Thüringen.
"Zukunft durch Bildung - Deutschland will's wissen" ist somit nach der Teilnehmerzahl die größte Umfrage zum Thema Bildung, die es je in Deutschland gab. Die Teilnahme im Internet unter www.bildung2011.de war freiwillig und anonym. Die rund 30 Fragen befassten sich mit allen Facetten des Bildungssystems vom Kindergarten bis zur beruflichen Weiterbildung.
Das renommierte Meinungsforschungsinstitut TNS Infratest war für die Durchführung der Bürgerbefragung verantwortlich. Der Fragebogen wurde von der Bertelsmann Stiftung in Zusammenarbeit mit anerkannten Bildungsexperten erstellt. Anschließen wurde er von TNS Infratest in einem Vortest auf Aussagekraft, Verständlichkeit und Funktionsfähigkeit überprüft.
Initiiert und umgesetzt wurde die Umfrage "Zukunft durch Bildung - Deutschland will's wissen" von der Strategieberatung Roland Berger Strategy Consultants, der gemeinnützigen Bertelsmann Stiftung, der BILD als Deutschlands größter Tageszeitung sowie der türkischsprachigen Zeitung Hürriyet. Als Partner im Onlinebereich unterstützten die Agentur Revolvermänner
GmbH, die Portale WEB.DE und GMX sowie die VZ-Netzwerke die Initiatoren.
