So, 14:33 Uhr
21.08.2011
Eisenbahngeschichte vom Feinsten
Buchdeckel (Foto: Herdam)
Die Nordhäuser Eisenbahngeschichte ist ein weiteres Stück erschlossen. Die Hauptbahn Nordhausen - Erfurt heißt das neuste Werk von Paul Lauerwald, einst leitender Mitarbeiter der Bahn und Autor zahlreicher Publikationen zu dieser Thematik. Die nnz durfte vorab einen Blick in das Buch werfen…In der vergangenen Woche stellte Paul Lauerwald in der Stadtbibliothek Rudolf Hagelstange sein neuestes Buch Die Hauptbahn Nordhausen - Erfurt der Öffentlichkeit vor, dem viele Jahre der intensiven Forschung in Archiven sowie Auswertungen von amtlichen und halbamtlichen Veröffentlichungen, Amtblätter und Gesetzen voraus gegangen waren.
Es kann verständlicherweise nicht über jedes Detail der mittlerweile über 140-jährigen Geschichte des Streckenweges zwischen Nordhausen und Erfurt berichtet werden. Die wesentlichen Fakten zur Geschichte und Gegenwart und viele andere Informationen zu dieser Strecke werden jedoch dargestellt, so der Autor.
Lauerwald beginnt mit der Vorgeschichte der Eisenbahnverbindung Nordhausen - Erfurt, in der er die verschiedenen Interessengruppen beschreibt, die natürlich den Bau der Strecke vorantrieben, und berichtet über die Denkschrift des Bahnbauunternehmers Ferdinand Pleßner, in der bereits wichtige Detail zur zukünftigen Strecke und deren Kosten enthalten sind. Des Weiteren wird die Nordhausen-Erfurter Eisenbahn-Gesellschaft als Träger der Strecke vorgestellt und über den Bau sowie die Inbetriebnahme berichtet. Es folgen Streckenbeschreibung, Bahnhöfe und Haltepunkte sowie deren wirtschaftliche Entwicklung in der Privatbahnzeit und die Verstaatlichung der Bahn. Den Hauptteil des Buches nehmen die Entwicklung der Strecke nach der Verstaatlichung bis zur Gegenwart und der Blick in die Zukunft der Strecke ein.
Lauerwald spart nicht die dunklen Ereignisse der über 140-jährigen Geschichte aus. Nüchtern und sachlich berichtet er über die denkwürdigsten Bahnbetriebsunfälle der Verbindung Nordhausen - Erfurt, beispielsweise als im Juli 1960 in Sondershausen zwei Züge zusammenstießen, wodurch Wagons mit Militärfahrzeugen. Die Schuldigen waren durch das MfS damals schnell gefunden, sie mussten Freiheitsstrafen in Stasi-Gefängnissen absitzen.
Einblicke in die Verwaltungsgeschichte, dem Triebfahrzeugeinsatz sowie die Bahnpostdienste und Gleispläne komplettieren das knapp 80-seitige, sehr geschmackvoll gestaltete Buch im DIN A4-Format, das nicht nur für die Freunde der Eisenbahn interessant sein dürfte, zumal sich die Publikation flüssig, allgemein verständlich und spannend lesen lässt. Die Texte werden mit zahlreichen seltenen Aufnahmen und Dokumenten untermauert.
Das Buch Die Hauptbahn Nordhausen – Erfurt, Zwischen Zorge und Gera, ISBN978-3-933178-26-8, erschienen im Wolfgang Herdam Fotoverlag Gernrode/Harz, ist im gut sortierten Nordhäuser Buchhandel zu haben.
