kyffhaeuser-nachrichten.de

Ist das Thüringen, Herr Machnig?

Mittwoch, 31. August 2011, 09:24 Uhr
Thüringen ist mehr als Bratwurst und Kartoffelklöße. Das wissen selbst wir Thüringer und dazu bedarf es nicht der Aufklärung durch einen Wirtschaftsminister. Dem schicken wir hiermit einen Brief...


Sehr geehrter Wirtschaftsminister Matthias Machnig, seit dem Jahr 2009 kümmern Sie sich in besonderer Weise um den Freistaat. Als Wirtschaftsminister und seit einigen Wochen als PR-Stratege. Das Resultat, das dem geneigten Rezipienten entgegengebracht wird, ist eine Standortkampagne unter dem Motto: "Das ist Thüringen!" Damit haben Sie und die von Ihnen auserkorene Werbeagentur völlig ins Schwarze getroffen. Sagen Sie.

Wie heißt es so schön in einer Pressemitteilung Ihres Hauses: „Die Kampagne soll die Stärken Thüringens bekannt machen und das Profil des Landes schärfen“. Nun wissen die Deutschen und die Thüringer endlich was Thüringen ist. Jena, Erfurt, Eisenach, Gotha zum Beispiel.

Nur nicht Nordthüringen. Außer dem Nationalpark Hainich und dem Eichsfeld, die in der Rubrik "Natur pur" erwähnt werden. Vielleicht eine Ehrerbietung an den Papstbesuch. Darüber hinaus ist Nordthüringen eben nicht Thüringen. Nicht bei den Thüringer Städten und nicht bei den Universitäten und Hochschulen. Da werden die vier Uni aufgezählt, dann folgt der Satz "Neben vier Universitäten ... noch eine ganze Reihe von Hochschulen".

Der Name der Stadt Nordhausen taucht im derzeit verfügbaren Internetprojekt überhaupt nicht auf. Auch das Kyffhäuserdenkmal oder das Panorama-Museum nicht. Nicht der Südharz und nicht ein Unternehmen aus dem Landkreis Nordhausen oder dem Kyffhäuserkreis.

Wir Nordthüringer, vor allem wir Nordhäuser teilen Ihnen, sehr geehrter Herr Machnig, mit, dass uns das überhaupt nicht wundert. Die Menschen fühlten sich zu DDR-Zeiten von Erfurt abgekoppelt und heute immer noch. Ihre Standort-Kampagne mag zwar mehrere Millionen Euro gekostet haben und sicher werden sie eine Minute vor 20 Uhr immer vorm Fernseher sitzen und sich über den flimmernden Spot freuen. Aber:

Wir freuen uns nicht, hier in Nordthüringen, nicht in Sondershausen, nicht in Nordhausen. Denn scheinbar sind wir auf Ihrem Standortatlas nicht vorhanden oder nicht willkommen oder sind nicht zum Leuchtturm auserkoren worden.

Zum Schluss noch eine Anmerkung: Vielleicht sollten Sie, Herr Machnig, Ihre Standortkampagne ihren Kabinettskollegen vorstellen, denn Jörg Geibert, der Innenminister dieses Freistaates, hatte gestern auf Nachfrage der Kyffhäuser Nachrichten (kn) keine Ahnung vom Inhalt Ihrer Kampagne. Auch das ist scheinbar Thüringen.

Mit freundlichen Grüßen aus dem Ihnen unbekannten Standort Nordthüringen
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 kyffhaeuser-nachrichten.de