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Fazit: Kein Rezept?

Donnerstag, 22. September 2011, 05:59 Uhr
Die Erwartungen an den gestrigen Auftritt von Minister Christian Carius (CDU) zum Thema demografischer Wandel im Kyffhäuserkreis waren hoch, genau wie der Andrang, so das Bürgermeister Joachim Kreyer als Hausherr in seinem Carl-Schroeder-Saal von Sondershausen erst mal Stühle schleppen musste...

Fazit: Kein Rezept? (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Fazit: Kein Rezept? (Foto: Karl-Heinz Herrmann)

Das Thema war ja auch spannend. Wurden denn auch die hohen Erwartungen erfüllt? Nun, mit Sicherheit nicht. Genau wie zum Thema Verkehr, nnz/kn berichtete schon in einem Videozusammenschnitt, konnten auch hier die Erwartungen absolut nicht erfüllte werden.

Mit Sicherheit kamen viele Fakten, die den demografischen Wandel belegen noch stärker zum Vorschein, um eigentlich das Szenario noch stärker zu beleuchten, aber von der Substanz her ein Lösungsansatz war nicht zu erkennen. Das Fazit zu ziehen machte Jörg Steinmetz (CDU), Chef der Verwaltungsgemeinschaft Helbe-Dündorf, dem Autoren dieser Zeile relativ einfach, denn in der Diskussion sagte er, „ich habe nur Hiobsbotschaften gehört, aber keine echten Lösungen“. Und hier gab es spontanen Beifall einiger Gäste.

Fazit: Kein Rezept? (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Fazit: Kein Rezept? (Foto: Karl-Heinz Herrmann)

Eines hatte Thüringens Bauminister Christian Carius schon im Impulsreferat angerissen, die Auswirkungen des demografischen Wandels werden schlimmer werden, als wir denken. Er sagte, all unsere Prognosen bei der Bevölkerungsentwicklung wurden sogar noch unterboten. Die Auswirkungen werden so gravierend sein, dass es zu echten Verschiebungen in der Gesellschaft kommen wird.

Der Abriss von 35.000 Wohnungen in Thüringen ist noch nicht zu Ende, kündigte er an. Wir stehen erst in der Mitte und der Abriss wird nicht nur Plattenbauten betreffen. Auch den Altbausubstanzen, besonders im ländlichen Raum, wird es an den Kragen gehen. Hier wurde ein Förderprogramm angekündigt, dass später mal einen Abriss ganzer Straßenzüge unterstütze soll.

Fazit: Kein Rezept? (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Fazit: Kein Rezept? (Foto: Karl-Heinz Herrmann)

Vom Prinzip her sind eben leider keine Lösungsansätze zu finden, denn Carius sagte, wir stehen bei den Lösungen erst am Anfang. Denn eines konnte er nicht versprechen, mehr Geld. Und einer seiner Schlusssätze sagte wohl alles. „Wir müssen sehen, wie wir zurande kommen.“ Und ob die Auslobung eines Preises wirklich die Wende bringen wird, bleibt zu bezweifeln. Hier wird wohl eher noch mehr Geld zum Fenster raus fliegen.

Fazit: Kein Rezept? (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Fazit: Kein Rezept? (Foto: Karl-Heinz Herrmann)

Im Podium diskutierten Sondershausens Bürgermeister Joachim Kreyer, Eckhard Wehmeier, Geschäftsführer der Wippertal WBG – Wippertal Immobilien GmbH, Minister Christian Carius, Dietmar Grosser als Moderator, Landrat Peter Hengstermann und Michael Weise Geschäftsführer der S.A.K. Entsorgungs- und Recycling GmbH Sondershausen.

In der Diskussion sagte Kreyer, die bisherigen Strategien sind unausgewogen, es müssen wirtschaftliche Defizite beseitigt werden. Zum Geburtenrückgang käme ja noch eine starke Abwanderungswelle dazu. Er forderte für die Region mehr ökonomische Wettbewerbsfähigkeit.
- Region stärker wirtschaftlich fördern
- Soziale und räumliche Gerechtigkeit herstellen, das schließe die Zahlung höherer Löhne ein und die Beibehaltung der Kinderbetreuung
- Schutz der natürlichen Räumlichkeiten.

Fazit: Kein Rezept? (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Fazit: Kein Rezept? (Foto: Karl-Heinz Herrmann)

Hengstermann kündigte an, wir schaffen es nicht, uns selbst am eigenen Schopf herauszuziehen. „Wir brachen hier Arbeit für die Menschen“, so Hengstermann. Er mahnte bessere Verkehrsverbindungen an, da der Anschluss der Industriegroßfläche Artern nicht gewährleistet sei.

Wehmeier unterstrich, wie müssen unsere Aktivitäten auf die Innenstadt konzentrieren. Auch der Verlust der Wohnungen ist enorm, wie er an Hand von Zahlen zeigte, denn früher hatte die WbG 3.200 eigene Wohnungen, jetzt nur noch 2.600. Jährlich gehen im Durchschnitt 80 Mietverhältnisse wegen Fortzug in die Brüche. Dazu kommen noch 40 Verluste wegen Todesfällen. Das zu kompensieren gehe nur durch bessere Qualität der Wohnungen.

Auch Weise von der SAK konnte nicht viel Positives beitragen. Er sei zwar der Älteste im Unternehmen und wir haben einen guten Alterschnitt, aber die Probleme liegen an anderer Stelle.
Weniger Leute in der Region erzeugen weniger Müll, mit dem Resultat, dass wir für den Müll weniger erlösen können. Dazu kommt, so Weise, wir müssen in der Fläche aber fast die gleichen Leistungen fahren, was sich irgend wann in den Müllpreisen auswirken wird. Hier muss man nicht viel raten, der Daumen zeigt nach oben.

Weitere Stimmen aus der Diskussion gibt es in einem zweiten Beitrag. Mit einer Frage, was denn Minister Carius zur Frage der beiden geplanten Stadionausbauten sage, gab Michael Weise dem Minister gleich noch eine Steilvorlage, seinem Amtskollegen Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD) sprichwörtlich vors Bein zu treten. Der Wahlkampf lässt grüßen, aber hören Sie selbst:


Carius zum Stadionbau

Autor: khh

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