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Den Nerv getroffen

Samstag, 24. September 2011, 10:30 Uhr
Spielzeitauftakt war gestern Abend im Nordhäuser Theater. Zur ersten Premiere der neuen Saison erwarteten 450 spannungsvolle Zuschauer den Opern-Klassiker "La Traviata".

Am Ende wurde im Saal das eine oder andere Tränchen mit parfümierten Taschentuch zerquetscht und dann brach der Jubel los. Den stürmischen Applaus hatte vor allem die überragend und einfühlsam spielende und singende Hauptdarstellerin Cristina-Antoaneta Pasaroiu als gefallenes Mädchen Violetta ausgelöst.
In der von Alexandre Dumas' "Kameliendame" übernommenen Handlung des Verdi-Hits hatte sich diese Violetta gerade so schön geläutert und die wahre Liebe entdeckt, als der grausame Tod durch Schwindsucht sie dahinrafft. Daran kann niemand etwas ändern; nicht ihre Ärzte, nicht ihre Freundinnen und auch nicht ihr Liebster nebst Vater.

Diese beiden sind die einzigen wirklichen weiteren Hauptrollen und wir erlebten (wie schon so oft im Nordhäuser Theater) einen grandiosen Gavin Taylor als Vater Giorgio Germont. Stimmlich ebenfalls auf hohem Niveau der Tenor Eduardo Aladrèn als Liebhaber Alfredo Germont. Doch sei es die Rolle des zwischenzeitlichen Bösewichts und Frauen-Nichtverstehers oder die etwas biedere Inszenierung von Enke Eisenberg - die beiden anderen dominieren eindeutig.

Insgesamt eine geschlossene Ensembleleistung der Sänger, ein in allen Phasen dynamisch und präzise agierendes Lohorchester unter GMD Markus L. Frank in einem wirkungsvollen Bühnenbild von Wolfgang Kurima Rauschning und mit gelungenen Kostümen aus der Entstehungszeit der Oper in der Mitte des 19. Jahrhunderts (Elisabeth Stolze-Bley).

Die eher zurückhaltende Regie des Stückes machte aber Christina-Antoaneta Pasaroius souveräne Gestaltung der Hauptrolle mehr als wett. Besonders im letzten Akt führt sie uns die Endlichkeit unseres Daseins eindrucksvoll vor Augen und hält ein Plädoyer auf das Leben und seine Schönheit. Sehr gut.

Das fanden dann auch die Zuschauer, die lang anhaltenden stürmischen Applaus spendeten. Warum der neuerdings immer gleich im Stehen abgegeben wird, will sich mir nicht so richtig erschließen, aber die Akteure wird es nach zweieinhalb Stunden konzentrierter Arbeit gefreut haben.

OLAF SCHULZE
Autor: nnz/kn

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