Das finnische Schulsystem
Dienstag, 27. September 2011, 21:35 Uhr
Gute Bildung kommt aus Finnland. Die finnische Diplompädagogin Kati Jauhiainen referierte auf Einladung des SPD- Ortsvereins Sondershausen im Rathaussaal in Sondershausen...
Auf Einladung des SPD-Ortsvereins Sondershausen und im Rahmen der Mitgliederwerbeaktion der Kyffhäuser-SPD hat heute die in Berlin lebende finnische Diplompädagogin Kati Jauhiainen in einer Informations- und Diskussionsveranstaltung über das finnische Bildungssystem referiert Die Veranstaltung war gleichzeitig Bestandteil der Interkulturellen Woche im Kyffhäuserkreis.
Die in Berlin lebende Diplompädagogin Kati Jauhiainen (li. mit Cornelia Kraffzick und Wilhelm Schreier) hat vor 7 Jahren die Einschulung ihrer Tochter in Deutschland als regelrechten "Kulturschock" empfunden, weil sie genau das selbe Schulsystem angetroffen habe, das sie vor über 30 Jahren selbst noch in Finnland erlebt hatte und als Schülersprecherin mit reformierte.
Mit drei Schlagworten könne man das heutige finnische Schulsystem charakterisieren: "Kreativität, Kontinuität und Konsequenz". In Deutschland gebe es zwar eine Menge kreativer Projekte, aber sie seien meist befristet und nicht nachhaltig.In Deutschland wird zurzeit so diskutiert, wie bei uns in Finnland vor 40 Jahren.
Das körperliche und psychische Wohlbefinden der Kinder- sehr wichtig für erfolgreiches Lernen- stehe in Finnland im Vordergrund. Neben den Lehrern tragen dazu der Schulpsychologe, der Schulsozialarbeiter, die Krankenschwester, die Unterstützungslehrer, aber auch das kostenlose Schulessen bei.Essen gehört zum Unterricht, sagte Jauhiainen. Dabei wird besonders auf ökologisches Essen geachtet.
In Finnland gibt es keine Schulpflicht, sondern eine Lernpflicht. Das heißt, auch befähigte Eltern dürften ihre Kinder unterrichten. Der größte Teil der Schüler gehen gemeinsam in eine Schule Sonderschulen gibt es nicht. Die Schulen bestimmen ihre Schulpläne selbst Alle Abiturprüfungen können unabhängig voneinander mehrfach wiederholt werden. In Finnland erreichen über 80% der Schülerinnen und Schüler die Hochschulreife.
Die Gesundheitsfürsorge wird groß geschrieben. So halten an jeder Schule zwei mal wöchentlich Krankenschwestern Sprechstunde für die Jugendlichen ab. Im Team sind auch Psychologen. Auf 800 Schüler kommt ein Psychologe.
Viel ah und oh gab es, als gesagt wurde, in Finnland ist nicht nur das Schulessen frei, sondern auch die Bereitstellung von Heften und Schreibstiften. Und auch viel beachtet wurde, dass Lehrer in Finnland sehr angesehen werden. Auf einen Studienplatz gibt es 10 Bewerber, die erst Arbeiten schreiben müssen, ehe sie angenommen werden.
Für Deutschland, und erst recht wohl im Kyffhäuserkreis, dürfte die Praxis der Videokonferenz über Internet bei entlegenen Gebieten noch völlige Utopie sein. Einer der Besucher war skeptisch, dass die in Finnland geübte Praxis sich per E-Mail mit der Schule zu verständigen, bei uns durchsetzbar wäre.
Aus der Diskussion ragten drei Meinungen hervor:
Ein Teilnehmer meinte, schuld an der Misere im deutschen Schulsystem seien die 16 Landesfürsten, die meinten, mein Schulsystem sei das Beste. In Thüringen kann man kaum noch die Schule wechseln, geschweige denn, zwischen zwei Ländern.
Probleme gäbe es auch mit desinteressierten Eltern.
Dr. Andreas Räuber meinte, man solle nicht so sehr über Strukturen diskutieren, sondern mehr über Inhalte.
Auch wenn Cornelia Kraffzick zu Beginn der Veranstaltung auf die guten Erfolge bei der Umsetzung des Kita-Gesetzes in Sondershausen verweisen konnte, zum Gesamtbildungskonzept, wie in Finnland, dürfte es doch noch ein weiter Weg sein. Ende 2011 wird man in Sondershausen den Personalschlüssel des neuen Kita-Gesetzes erfüllt haben.
Nach der Veranstaltung, an der auch Landtagsmitglied Dorothea Marx teilnahm, war man sich einig, es war ein sehr interessanter Diskussionsabend. Und wenn es Stimmen gab, wir hätten mit unserem Schulsystem noch einiges zu tun, um finnische Verhältnisse zu erreichen.
Autor: khhAuf Einladung des SPD-Ortsvereins Sondershausen und im Rahmen der Mitgliederwerbeaktion der Kyffhäuser-SPD hat heute die in Berlin lebende finnische Diplompädagogin Kati Jauhiainen in einer Informations- und Diskussionsveranstaltung über das finnische Bildungssystem referiert Die Veranstaltung war gleichzeitig Bestandteil der Interkulturellen Woche im Kyffhäuserkreis.
Die in Berlin lebende Diplompädagogin Kati Jauhiainen (li. mit Cornelia Kraffzick und Wilhelm Schreier) hat vor 7 Jahren die Einschulung ihrer Tochter in Deutschland als regelrechten "Kulturschock" empfunden, weil sie genau das selbe Schulsystem angetroffen habe, das sie vor über 30 Jahren selbst noch in Finnland erlebt hatte und als Schülersprecherin mit reformierte.
Mit drei Schlagworten könne man das heutige finnische Schulsystem charakterisieren: "Kreativität, Kontinuität und Konsequenz". In Deutschland gebe es zwar eine Menge kreativer Projekte, aber sie seien meist befristet und nicht nachhaltig.In Deutschland wird zurzeit so diskutiert, wie bei uns in Finnland vor 40 Jahren.
Das körperliche und psychische Wohlbefinden der Kinder- sehr wichtig für erfolgreiches Lernen- stehe in Finnland im Vordergrund. Neben den Lehrern tragen dazu der Schulpsychologe, der Schulsozialarbeiter, die Krankenschwester, die Unterstützungslehrer, aber auch das kostenlose Schulessen bei.Essen gehört zum Unterricht, sagte Jauhiainen. Dabei wird besonders auf ökologisches Essen geachtet.
In Finnland gibt es keine Schulpflicht, sondern eine Lernpflicht. Das heißt, auch befähigte Eltern dürften ihre Kinder unterrichten. Der größte Teil der Schüler gehen gemeinsam in eine Schule Sonderschulen gibt es nicht. Die Schulen bestimmen ihre Schulpläne selbst Alle Abiturprüfungen können unabhängig voneinander mehrfach wiederholt werden. In Finnland erreichen über 80% der Schülerinnen und Schüler die Hochschulreife.
Die Gesundheitsfürsorge wird groß geschrieben. So halten an jeder Schule zwei mal wöchentlich Krankenschwestern Sprechstunde für die Jugendlichen ab. Im Team sind auch Psychologen. Auf 800 Schüler kommt ein Psychologe.
Viel ah und oh gab es, als gesagt wurde, in Finnland ist nicht nur das Schulessen frei, sondern auch die Bereitstellung von Heften und Schreibstiften. Und auch viel beachtet wurde, dass Lehrer in Finnland sehr angesehen werden. Auf einen Studienplatz gibt es 10 Bewerber, die erst Arbeiten schreiben müssen, ehe sie angenommen werden.
Für Deutschland, und erst recht wohl im Kyffhäuserkreis, dürfte die Praxis der Videokonferenz über Internet bei entlegenen Gebieten noch völlige Utopie sein. Einer der Besucher war skeptisch, dass die in Finnland geübte Praxis sich per E-Mail mit der Schule zu verständigen, bei uns durchsetzbar wäre.
Aus der Diskussion ragten drei Meinungen hervor:
Ein Teilnehmer meinte, schuld an der Misere im deutschen Schulsystem seien die 16 Landesfürsten, die meinten, mein Schulsystem sei das Beste. In Thüringen kann man kaum noch die Schule wechseln, geschweige denn, zwischen zwei Ländern.
Probleme gäbe es auch mit desinteressierten Eltern.
Dr. Andreas Räuber meinte, man solle nicht so sehr über Strukturen diskutieren, sondern mehr über Inhalte.
Auch wenn Cornelia Kraffzick zu Beginn der Veranstaltung auf die guten Erfolge bei der Umsetzung des Kita-Gesetzes in Sondershausen verweisen konnte, zum Gesamtbildungskonzept, wie in Finnland, dürfte es doch noch ein weiter Weg sein. Ende 2011 wird man in Sondershausen den Personalschlüssel des neuen Kita-Gesetzes erfüllt haben.
Nach der Veranstaltung, an der auch Landtagsmitglied Dorothea Marx teilnahm, war man sich einig, es war ein sehr interessanter Diskussionsabend. Und wenn es Stimmen gab, wir hätten mit unserem Schulsystem noch einiges zu tun, um finnische Verhältnisse zu erreichen.



