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Ein Konzertabend voller Melancholie

Dienstag, 27. September 2011, 23:27 Uhr
Einen Rückblick auf eine interessante Veranstaltungen mit leichten gelösten Problemen im Panorama Museum macht Fred Böhme.

Freitagabend (23.9.), gegen 18:10 Uhr kam das Flip Grater Duo am Panorama Museum an. Das war ein Debüt, denn es waren die ersten neuseeländischen Musiker, die hier aufgetreten sind. Ihr Weg von Berlin nach Bad Frankenhausen war gespickt mit kleineren Katastrophen, wie Reifenpanne, Stau etc. Aber zwei Gitarren und zweimal Gesang sind schnell abgemischt und auf die Eingangshalle des Museums abgestimmt.

Ein Problem war ihre Verspätung somit nicht. Ab 19:30 Uhr füllte sich die Eingangshalle mit 85 erwartungsfrohen Gästen. Pünktlich kurz nach Acht betrat Flip Grater zu einem 35 minütigen Soloset die Bühne. Nach einem kurzen Hallo begann sie mit "My Old Shoes". Doch diese poetische kleine Betrachtung über Lebenswege und Spuren wurde beeinträchtigt durch ein knarzendes Störgeräusch, das ihre Gitarre in den Boxen verursachte. So etwas treibt jedem Soundtechniker den Angstschweiß auf die Stirn, zumal beim Soundcheck alles störungsfrei funktionierte. Das Störgeräusch ließ sich anfangs zwar etwas minimieren aber nicht gänzlich abstellen. So gesehen spricht es für die Professionalität von Flip, die trotz dieser Beeinträchtigung den ersten Teil ihres Konzertes nervenstark bestritt.

Ein Konzertabend voller Melancholie (Foto: Fred Böhme) Ein Konzertabend voller Melancholie (Foto: Fred Böhme)

Erst nachdem dieses Problem in der Konzertpause behoben war, kamen ihre Stücke zur vollen Geltung. Ihre leisen, melancholischen Stücke verlangen dem Zuhörer die volle Konzentration ab, damit sie ihre ihnen eigene Sogwirkung entfalten können. Im zweiten Teil wurde sie dann zusätzlich durch Brodie White an der zweiten Gitarre und einmal auch gesanglich unterstützt. Da Brodie über eine sehr schöne Gesangsstimme verfügt, die interessant mit der dunkleren von Flip kontrastierte und durchaus Assoziationen zu den Duokonstellationen von Mark Lanegan & Isobell Campbell weckte, wären weitere solche Versuche durchaus wünschenswert gewesen, da sie dem Konzert etwas mehr Abwechslung gebracht hätten. So reduzierte sich sein Part zumeist auf die akribisch gezupfte, allerdings auch sehr reduzierte Gitarrenbegleitung, wo es keinen Raum für fingerflinke Saitenakrobatik gab.

Einmal setzte Brodie sehr effektiv das Slide ein, aber ansonsten war alles konzentriert auf Flips dunkle Stimme und die Eigenwirkung der Songs. Da war es ganz wohltuend, dass die beiden Musiker mit kleineren Späßen zwischen ihren Stücken, das Programm aufzulockern versuchten. Flip präsentierte zumeist Stücke ihrer jüngsten CD "While I´m Awake I´m At War", wie "Burn It When I Die", "Find Me", "Careful" oder "Bullet That I Ride". Daneben gab es eine ebenso eigenwillige Neuinterpretation des Traditionals "The House Of The Rising Sun", von Bob Dylans "Don´t Think Twice" und einige ganz neue Kompositionen. Die Koordinaten des Konzertes standen insgesamt auf puristischem Folk in Moll, leise-zerbrechlich und sehr feminin. Als zu Konzertende eine Besucherin Brodie fragte, warum Flip nur so traurige Lieder singe, zuckte er mit der Schulter und sagte: "Das eben ist Flip." So gesehen war es kein Abend der großen Effekte, vielmehr ein Programm, das mit der bald wieder kommenden Novembernebelmelancholie eine reizvolle Liaison eingegangen wäre. Text und Foto: Fred Böhme
Autor: khh

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