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Befördert

Donnerstag, 29. September 2011, 15:42 Uhr
Heute sind 37 Beamtinnen und Beamte der Nordhäuser Polizeidirektion befördert worden. Als Ort der Beförderung hatten sich die Polizisten den Christus-Pavillon in Volkenroda ausgesucht. Dort hielt der Chef der Direktion, Uwe Köppen, seine letzte Rede....


Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, werte Gäste,

es ist in der Polizeidirektion Nordhausen zu einer guten Tradition geworden, den Festakt zur Beförderung an historischen und geschichtsträchtigen Orten durchzuführen. Ich habe diese Tradition gern übernommen und muss sagen, dass ich in den vergangenen Jahren viele Orte kennen lernen konnte, die mir bis dahin völlig unbekannt waren, die mich aber immer wieder begeistert haben. So, wie in diesem Jahr die einzigartige Architektur und Geschichte des Christus-Pavillons.

Kurz nach der Wende hatte die Jesusbruderschaft Gnadenthal das Kloster Volkenroda übernommen. Man hatte das ehrgeizige Ziel, verlorengegangene Teile des Klosters wieder herzustellen.

Von Volkenroda aus wurde 1163 das Zisterzienserkloster in Loccum nahe dem Steinhudermeer gegründet. Daher wandte sich die Jesus-Bruderschaft an Abt, Prior und Konvent dieses seit über 400 Jahren lutherischen Klosters in der Evangelischen Lutherischen Landeskirche Hannovers mit der Anfrage um Unterstützung, Sponsoren für den Wiederaufbau von Klosterkirche und Kreuzgang in Volkenroda zu gewinnen.

Diese Anfrage traf mitten in die Diskussion des Jahres 1996, wie der Beitrag der christlichen Kirchen auf der Weltausstellung EXPO 2000 in Hannover aussehen könnte. Es hat sich daraus der ungewöhnliche Plan entwickelt, einen Kirchenbau für Volkenroda zuerst als christlichen Pavillon auf der EXPO 2000 zu errichten, um ihn anschließend nach Volkenroda zu bringen und hier dauerhaft nachzunutzen. Eine einmalige Geschichte.

Nun steht der Christus-Pavillon seit 10 Jahren hier in Volkenroda. Mit zahlreichen Veranstaltungen und vielen Gästen ist dieses Jubiläum gefeiert worden. Wir sind stolz darauf, heute als Gäste hier sein zu dürfen und damit ein kleiner Bestandteil des Jubiläums zu werden.

Im Jahr 2000, als mich dieser Christus-Pavillon bei meinem Besuch der Expo in Hannover das erste Mal begeisterte, hätte ich mir nicht träumen lassen, dass ich 11 Jahre später Beamte der Thüringer Polizei in ihm befördern werde. Man muss nicht kirchlich gebunden sein, um zu spüren, dass eine Kirche oder ähnliche Bauten vielen Menschen das Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit gibt.

Ein Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit zu vermitteln ist auch eine unserer Aufgaben als Polizei. Darin sehe ich schon einen engen Zusammenhang zwischen unserem heutigen Veranstaltungsort und unserem polizeilichen Auftrag. Aber es gibt noch eine weitere Verbindung. Und zwar hat die mit dem heutigen Tag zu tun. Heute ist Michaelstag. Der Namenstag des Erzengels Michael.

Michael ist der Name eines Engels aus der hebräischen Überlieferung. Seit dem Jahre 955 gilt Erzengel Michael als Schutzpatron des Heiligen Römischen Reiches und später Deutschlands. Da haben wir Sie. Die Verbindung liegt in dem Wörtchen „Schutz“.

Ist das Schützen vor Gefahren nicht auch unsere vordringliche Aufgabe? Ich gebe zu, ich kenne mich mit den Engeln nicht so gut aus. Aber Engel sollen ja den Sternen besonders nah sein. Und heute geht es ja um Sterne. Schließlich sollen Sie, meine Damen und Herren, heute befördert werden.
Gerade in solchen Augenblicken denke ich an meine eigenen Beförderungen. Heute besonders intensiv. Es wird die letzte Beförderung sein, die ich miterlebe und die ich vornehmen darf.

Es bleiben mir nur noch wenige Tage im aktiven Polizeidienst, bevor ich in den Ruhestand versetzt werde. Sozusagen am Ende meiner Karriere möchte ich nochmal die Gelegenheit nutzen, Ihnen ein paar Kleinigkeiten mit auf den Weg zu geben.

Ich habe es nie bereut Polizist geworden zu sein. Und Sie können mir getrost glauben, auch mein Werdegang war nicht immer geradlinig und geebnet wie eine moderne Asphaltstraße. Es gibt immer Höhen und Tiefen. Und es gibt Erfolge und Misserfolge. So wie in diesem Kloster gibt Wege mit viel Licht und Wege mit Schatten. So, wie auch unser Leben nun einmal ist.

Ich selbst habe in vielen Dienstellen gearbeitet und dabei die verschiedensten Posten inne gehabt. Als ich im September 2006 zunächst für einen kurzen Zeitraum die Führung der Polizeidirektion Nordhausen übernommen habe, bin ich nicht davon ausgegangen, dass ich hier auch meine Versetzung in den Ruhestand erleben werde.

Was ich Ihnen damit sagen will ist die Tatsache, dass es oft anders kommt, als man es sich erhofft, vorgestellt oder gewünscht hat.

Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,

wir alle wissen, dass gegenwärtig die Polizei in Thüringen vor einer ihrer größten Veränderung steht. Die Polizeistrukturreform soll im nächsten Monat im Thüringer Landtag beschlossen und dann Schritt für Schritt umgesetzt werden. Wie die neue Struktur der Thüringer Polizei einmal aussehen soll dürfte inzwischen jedem bekannt sein.

Ich möchte sie an dieser Stelle bitten, sich nicht an Spekulationen und Gerüchten zu beteiligen, sondern mit gebührender Sachlichkeit in die Zukunft zu blicken. Es wird mit Sicherheit Veränderungen geben, die für Verschiedene von Ihnen auch mit neuen Aufgaben, vielleicht sogar mit einem Neuanfang verbunden sein können.

Man wird bei der Neustrukturierung der Polizei in Thüringen eine Lösung finden, die den heutigen wirtschaftlichen Bedingungen und einer zeitgemäßen Polizeiarbeit entspricht.

Letztlich geht es heutzutage nicht mehr darum, eine Lösung zu finden, die für alle Zeit Gültigkeit hat. Dazu ist der Wandel viel zu schnell; zu rasch ändern sich die Bedingungen. Eigentlich heißt es für jeden, der heute Erfolg haben will, immer wieder neu anzufangen.

So, wie auch die Mitglieder der Jesusbruderschaft hier in Volkenroda. Als sie sich vor rund 20 Jahren einer Ruine widmeten um ihr neues Leben einzuhauchen, wussten Sie auch nicht was alles auf Sie zukommen würde.

Heute sehen wir hier in Volkenroda ein Kleinod, das sich sehen lassen kann. Und der Weg da hin war mit Sicherheit auch kein leichter. Um das zu erreichen waren Mut, Risikobereitschaft und Entschlossenheit gefragt.

Kurzum: Eine gesunde Mischung aus Enthusiasmus und Realismus braucht der Mensch, um ans Ziel zu gelangen.
Sie, meine Damen und Herren, sind hier gut angekommen. Sie haben in der Vergangenheit die wesentlichen Charaktereigenschaften eines guten Polizisten an den Tag gelegt, nämlich Mut, Risikobereitschaft und Entschlossenheit.

Dazu haben sie Enthusiasmus und Realismus bewiesen. Deshalb dürfen sie heute befördert werden.
Sie haben heute ein langersehntes Ziel erreicht. Die Freude, die heute in Ihnen darüber ist, dieses Ziel erreicht zu haben, ist mit der Enttäuschung bei vielen ihrer Kolleginnen und Kollegen verbunden, die heute nicht dabei sein dürfen.

In den letzten Monaten wurde immer wieder diskutiert, ob es überhaupt in diesem Jahr Beförderungen geben wird und wie viele. Umso mehr freue ich mich, dass wir heute 37 Beamte befördern können. Ich persönlich hätte es gern gesehen, wenn die Zahl der zu Befördernden noch größer wäre. Aber wir unterliegen dabei insbesondere wirtschaftlichen Zwängen.

Auch wenn wir hier im Christus Pavillon noch genug Platz gehabt hätten, so sind die Plätze in den aufgebauten Stuhlreihen sozusagen dennoch begrenzt. Deshalb können Sie, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, durchaus stolz darauf sein, sich solch einen Platz erkämpft zu haben.

Das soll aber die Arbeit der Anderen, die heute hier nicht mit dabei sein können, keinesfalls schmälern. Generell leisten unsere Beamten in den Dienststellen eine gute Arbeit. Wir haben hier im Norden Thüringens in den vergangenen Jahren hervorragende Ergebnisse in der polizeilichen Arbeit erreicht.

Das aber nur, weil wir flexibel waren und anpassungsfähig, weil wir oft auch neue oder ungewöhnliche Wege beschritten und dabei Schwerpunkte gesetzt haben. Weil wir wachsam waren.
Auch für die Zukunft bleibt keine Wahl: Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen immer wieder neue Chancen und Möglichkeiten suchen, immer wieder einen neuen Kurs, neue Ziele festlegen – und sie dann mit unerschütterlichem Optimismus verfolgen.

Ich bin überzeugt, dass Sie Ihre Ziele, Ihre Stationen im Leben und im polizeilichen Alltag sicher erreichen, wenn jeder von Ihnen sich voll und ganz dafür einsetzt. Ich danke Ihnen für alles, was Sie bisher für die Polizei in Thüringen, für unsere Thüringer Bevölkerung getan haben.

Und wenn ich in Ihre Gesichter schaue, lese ich darin Mut und Zuversicht. Übertragen sie ihren Mut, ihre Zuversicht auch auf die anderen Kolleginnen und Kollegen in den Dienststellen. Das ist es auch, was wir brauchen. Der Erfolg gehört den Tüchtigen! Lassen Sie uns zupacken und nicht lockerlassen!

Bewahren Sie sich Ihre Wachsamkeit, Ihren Mut und Ihre Entschlossenheit. Wenn Ihnen das künftig gemeinsam mit Ihren Kolleginnen und Kollegen gelingt, so bin ich überzeugt, dass auch andere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter diesen Weg zu den nächsten Zielen gut bewältigen.

Dazu wünsche ich Ihnen viel Glück, bleiben Sie gesund und durchqueren Sie auf Ihren Weg viele Stationen mit Licht und wenige mit Schatten.
Alles Gute!
Autor: nnz

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