Enziane – Edelsteine des Herbstes (4)
Dienstag, 04. Oktober 2011, 06:32 Uhr
Der Bittere Enzian gehörte von jeher zu den seltensten Enzianen Deutschlands, dessen wenige aktuelle Vorkommen zudem auf Mitteldeutschland beschränkt sind. Vorkommen gab und gibt es lediglich in Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Berlin/Brandenburg, laut Rothmaler angeblich aber auch aus Hessen und in der Eifel...
Nach längerer Suche habe ich den vierten einheimischen Enzian am Kyffhäuser gefunden. Hier die Details:
Standort: Laut Flora von Thüringen besiedelt der Bittere Enzian lückige Xerothermrasen (=Trockenrasen, d.A.) und offene Gipshänge auf mäßig trockenen, kalkreichen, nährstoffarmen Gipsböden.
Allerdings zeigt die Literatur widersprüchliche Angaben zu den Standorten: Laut Rothmaler Flachmoorwiesen. Ich beobachtete den Bitteren Enzian bisher ausschließlich auf eher wasserzügigen, kaum sonnenbeschienenen, ausgesprochen kurzgrasigen und lückigen, also gut beweideten und mageren Standorten. Sie scheint hinsichtlich ihrer Ansprüche deutlich exklusiver zu sein als der Deutsche Enzian, der auch in dichteren Rasen siedelt.
Es ist im Herbst zu ernten und für die spätere Verwendung zu trocknen. Es wird angenommen, dass die Wurzeln der Pflanzen, die nicht geblüht haben, medizinisch am wirkungsvollsten sind. Der Bittere Enzian wird seit langem als pflanzliche Bitterdroge zur Behandlung von Verdauungsstörungen angewendet. Er hilft besonders bei Erschöpfungszuständen infolge von chronischen Krankheiten und in allen Fällen von Schwäche, so jener der Verdauungsorgane und bei Appetitlosigkeit. Die Art wird auch im Heilpflanzensystem der Bachblüten aufgeführt: gegen Depression, gegen Rückschläge, Entmutigung und Enttäuschung."
Auf Grund seiner Seltenheit in unserer Region und dessen Gefährdung, sowie auf Grund seines gesetzlichen Schutzes verbietet sich natürlich eine Nutzung des Bitteren Enzians.
Aktuell konnte ich sie nur an zwei Standorten mit insgesamt nur etwa 50 Pflanzen nachweisen, die möglicherweise bereits den größten Teil des deutschen Gesamtbestandes repräsentieren. An zwei in der Literatur angegebenen Standorten fand ich den Bitteren Enzian aktuell nicht. Einen weiteren möglichen Standort suchte ich nicht auf.
Da die Art nach meiner bisherigen Beobachtung relativ gleichbleibende, feuchte Bedingungen bevorzugt (wasserzügiger Boden), könnte eine Bedrohung durch die zunehmend trockeneren Sommer infolge des Klimawandels bestehen.
An den von mir aufgesuchten Standorten konnte eine aus meiner Sicht nicht überall optimale Bewirtschaftungssituation beobachtet werden, was sich an einer gewissen Verbuschungstendenz und an recht verbreitet zu dichtem und zu hohem Rasen zeigt. Das könnte mittelfristig zu einer weiteren Gefährdung führen.
Maßnahmen:
Alle Maßnahmen, die einer Intensivierung, Nutzungsaufgabe und Verbuschung entgegenwirken, tragen zur Erhaltung des Bitteren-Enzians bei. Eine Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden zur Sicherstellung der optimalen Bewirtschaftung der Standorte des Bitteren Enzians wird angestrebt.
Noch gibt es laut www.ex-situ-erhaltung.de keine Erhaltungskulturen dieser Art in deutschen Botanischen Gärten. Die BUND-Kreisgruppe Nordhausen wird sich bemühen, den Bitteren Enzian in dem geplanten Erhaltungsgarten im Villenpark Hohenrode ebenso zu kultivieren, wie die anderen heimischen Enzianarten, übrigens auch als Schauobjekte für die Öffentlichkeit.
Wir sollten alles dafür tun, damit sich auch noch spätere Generationen an diesen Kleinoden unserer schönen Südharzlandschaft erfreuen können.
Literatur:
Autor: nnzNach längerer Suche habe ich den vierten einheimischen Enzian am Kyffhäuser gefunden. Hier die Details:
- Der Bittere Enzian (Gentianella amarella)
- Rote Liste Thüringen 1 (vom Aussterben bedroht)
- Rote Liste Sachsen-Anhalt 1 (vom Aussterben bedroht)
- Rote Liste Deutschland 2 (stark gefährdet)
- Rote Liste Mitteleuropa 2 (stark gefährdet)
Merkmale:
Die Art kann mit dem viel häufigeren und hier bereits beschriebenen Deutschen Enzian (Gentianella germanica) verwechselt werden. Sie unterscheidet sich von ihm jedoch durch den un- oder kaum gestielten Fruchtknoten, die deutlich stumpfen Buchten zwischen den Kelchzipfeln, durch die kürzeren Blüten (bis 20 mm) mit einer im Vergleich zum Deutschen Enzian nicht oder kaum erweiterten Kronenröhre, durch die seltener bzw. schwächer oder gar nicht randlich eingerollten Kelchzipfel und durch den insgesamt schlankeren Wuchs mit einer eher schmal-zylindrischen Gestalt (auf den Fotos gut zu sehen). Dies kommt dadurch zustande, dass die Blüten dem Stängel oft fast anliegen (im Gegensatz zum Deutschen Enzian).Standort: Laut Flora von Thüringen besiedelt der Bittere Enzian lückige Xerothermrasen (=Trockenrasen, d.A.) und offene Gipshänge auf mäßig trockenen, kalkreichen, nährstoffarmen Gipsböden.
Allerdings zeigt die Literatur widersprüchliche Angaben zu den Standorten: Laut Rothmaler Flachmoorwiesen. Ich beobachtete den Bitteren Enzian bisher ausschließlich auf eher wasserzügigen, kaum sonnenbeschienenen, ausgesprochen kurzgrasigen und lückigen, also gut beweideten und mageren Standorten. Sie scheint hinsichtlich ihrer Ansprüche deutlich exklusiver zu sein als der Deutsche Enzian, der auch in dichteren Rasen siedelt.
Verbreitung:
Wie wichtig es ist, zur Einschätzung der globalen Gefährdung den Blick über den Tellerrand zu wagen, zeigt sich beim Bitteren Enzian im Vergleich mit den anderen hier beschriebenen Enzianarten. Im Vergleich zu diesen kommt er cirkumpolar, d.h. rund um den Globus in Europa, Asien und N-Amerika vor (die anderen nur in Europa), so dass seine globale Gefährdung trotz seiner Seltenheit und starken Gefährdung in Mitteleuropa möglicherweise eher als gering einzuschätzen ist. Ebenso wie der hier bereits beschriebene Feld-Enzian (Gentianella campestris) dringt er weit nach Norden in die boreale Zone vor und wird auch als Northern Enzian (=Nordischer Enzian) bezeichnet.Verwendung:
Im Internet stieß ich bei meinen Recherchen für diesen Beitrag auf folgende interessante Information von der Seite www.plant-life.org, mit Informationen über Wildpflanzen aus dem US-Bundesstaat Montana, sinng. Übersetzung): Die Wurzel des Bitteren Enzian wirkt entzündungshemmend, antiseptisch, hat einen bitteren Geschmack und beseitigt Wurmbefall im Darm, ihre Anwendung erhöht den Gallefluss, fördert oder unterstützt den Fluss der Menstruationsflüssigkeit, reduziert Fieber, und stärkt den Magen.Es ist im Herbst zu ernten und für die spätere Verwendung zu trocknen. Es wird angenommen, dass die Wurzeln der Pflanzen, die nicht geblüht haben, medizinisch am wirkungsvollsten sind. Der Bittere Enzian wird seit langem als pflanzliche Bitterdroge zur Behandlung von Verdauungsstörungen angewendet. Er hilft besonders bei Erschöpfungszuständen infolge von chronischen Krankheiten und in allen Fällen von Schwäche, so jener der Verdauungsorgane und bei Appetitlosigkeit. Die Art wird auch im Heilpflanzensystem der Bachblüten aufgeführt: gegen Depression, gegen Rückschläge, Entmutigung und Enttäuschung."
Auf Grund seiner Seltenheit in unserer Region und dessen Gefährdung, sowie auf Grund seines gesetzlichen Schutzes verbietet sich natürlich eine Nutzung des Bitteren Enzians.
Vorkommen im Landkreis Nordhausen:
Laut Vocke & Angelrodt (1886): Um Nordhausen sehr selten; … außerdem vereinzelt…am Ostabhange des Kyffhäusers. Laut Barthel & Pusch (1999) an mehreren Stellen im westlichen Kyffhäuser, wo ich die Art gestern auch fand.Aktuell konnte ich sie nur an zwei Standorten mit insgesamt nur etwa 50 Pflanzen nachweisen, die möglicherweise bereits den größten Teil des deutschen Gesamtbestandes repräsentieren. An zwei in der Literatur angegebenen Standorten fand ich den Bitteren Enzian aktuell nicht. Einen weiteren möglichen Standort suchte ich nicht auf.
Gefährdung (siehe oben):
Laut floraweb.de ist Gentianella amarella zentraleuropaweit stark gefährdet. Da seine Vorkommen gegenüber Vorkommen in europäischen Nachbarländern isoliert sind, besteht meines Erachtens eine hohe Schutzwürdigkeit. Mitunter bilden sich durch Isolation eigene Genotypen aus, die in der Evolution langfristig zu neuen Arten, Unterarten oder Varietäten führen können. Alle Enzianarten sind laut Bundesartenschutzverordnung gesetzlich geschützt. Sie dürfen nicht ausgegraben, gepflückt bzw. beschädigt werden.Gefährdungsursachen:
Wie alle nährstoffarme Standorte bevorzugenden Arten besteht eine Gefährdung von Gentianella amarella durch Eutrophierung (Nährstoffeinträge) infolge Düngung, Verwehung von Dünger aus benachbarten Feldern, Stickoxide durch Emissionen. Weiterhin wird er durch intensive Beweidung, fehlende Beweidung und Verbuschung seiner Standorte infolge Nutzungsaufgabe oder Aufforstung bedroht und ebenso durch das Aufhören kleinflächiger Bodenverwundungen.Da die Art nach meiner bisherigen Beobachtung relativ gleichbleibende, feuchte Bedingungen bevorzugt (wasserzügiger Boden), könnte eine Bedrohung durch die zunehmend trockeneren Sommer infolge des Klimawandels bestehen.
An den von mir aufgesuchten Standorten konnte eine aus meiner Sicht nicht überall optimale Bewirtschaftungssituation beobachtet werden, was sich an einer gewissen Verbuschungstendenz und an recht verbreitet zu dichtem und zu hohem Rasen zeigt. Das könnte mittelfristig zu einer weiteren Gefährdung führen.
Maßnahmen:
Alle Maßnahmen, die einer Intensivierung, Nutzungsaufgabe und Verbuschung entgegenwirken, tragen zur Erhaltung des Bitteren-Enzians bei. Eine Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden zur Sicherstellung der optimalen Bewirtschaftung der Standorte des Bitteren Enzians wird angestrebt.
Noch gibt es laut www.ex-situ-erhaltung.de keine Erhaltungskulturen dieser Art in deutschen Botanischen Gärten. Die BUND-Kreisgruppe Nordhausen wird sich bemühen, den Bitteren Enzian in dem geplanten Erhaltungsgarten im Villenpark Hohenrode ebenso zu kultivieren, wie die anderen heimischen Enzianarten, übrigens auch als Schauobjekte für die Öffentlichkeit.
Wir sollten alles dafür tun, damit sich auch noch spätere Generationen an diesen Kleinoden unserer schönen Südharzlandschaft erfreuen können.
Fotos:
Die Fotos vom Bitteren Enzian entstammen alle vom Autor des Beitrages ganz aktuell aus der Umgebung von Nordhausen. Ein Bild zeigt einen typischen Standort. Anmerkung: Entgegen meiner vorherigen Angaben weist das Gebiet um Nordhausen Standorte von zwei weiteren Enzianarten auf: Der Gelbe Enzian (Gentiana lutea), der übrigens auch auf dem Brocken eingebürgert wurde, wurde nachgewiesen. Allerdings gilt er als angesalbt, also als nicht natürlich. Im Kyffhäuser siedelt außerdem der Kreuz-Enzian (Gentiana cruciata). Auf Grund der fortgeschrittenen Jahreszeit kann ich beide Arten in diesem Jahr in der nnz nicht mehr vorstellen. 2012 folgen dann die Beiträge 5 und 6 zu den heimischen Enzianen.Literatur:
- Barthel, K.-J. Pusch, J.:Flora des Kyffhäusergebirges und der näheren Umgebung (1999).
- Zündorf, H.J., Günther, K.-F., Korsch, H., Westhus, W.: Flora von Thüringen. (2006).
- Vocke, A., Angelrodt, C.: Flora von Nordhausen und der weiteren Umgegend. (1886).
- Rothmaler, W.: Exkusionsflora von Deutschland. (1996).
- Außerdem: www.floraweb.de




