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Wetterrückblick: Indian Summer im Südharz

Dienstag, 01. November 2011, 14:27 Uhr
Was Weltenbummler aus Kanada kennen und was als wichtiges Marketing-Instrument für Vermont und ganz Neuengland gilt, gibt es in diesem Jahr auch im Südharz zu bestaunen. Herrlich bunt gefärbte Wälder und Solitärbäume in allen Tönen von gelb bis rot schmückten im Oktober auch den Campus der FH Nordhausen...


Gleich zwei Wetterfeen in Form stabiler Hochdruckgebiete und mit den wohlklingenden Namen Sepideh und Tessina bescherten uns im Oktober 2011 einen goldenen Altweibersommer mit Sommerstagen und ersten Nachtfrösten, die für die Herbstfärbung der Bäume verantwortlich sind.

Vier sonnige Sommertage mit Temperaturen über 25°C (2010: 0) und 10 Stunden Sonnenschein an sieben Tagen. 29,1°C wurden am 2. Oktober als Temperaturmaximum gemessen. Dann wehten mit EXOphelia – einem EX-Hurrikan - Wolken, Regen und Windböen in den Südharz. Dieses dynamische Tiefdruckgebiet der gemäßigten Breiten brachte sinkende Temperaturen, vermehrt Niederschläge und viele Wolken mit sich. Der Wind drehte nach vier Sommertagen für die nächsten sechs Tage auf Nord und lenkte polare Luftmassen in den Südharz. Aufgrund der dicken Wolkendecke schwankten die Temperaturen kaum im Tagesverlauf und erreichten im Mittel nur kühle 10 Grad.

Die zweite gute Wetterfee Tessina löste dann in der zweiten Monatshälfte den Ex-Hurrikan ab und sorgte für die nächste Spätsommerepisode mit strahlend blauem Himmel. Sommertage gab es zwar nicht mehr, dafür aber 6 Tage mit Nachtfrost. Die minimale Temperatur betrug am 23.10.11 in den frühen Morgenstunden -2,5°C. Die Nachtfröste sind Ergebnis der Strahlungsnächte mit wenig Wolken und damit einhergehend kaum atmosphärischer Gegenstrahlung.

Die Wärmestrahlung, die von der Erdoberfläche emittiert wird, kann so ungehindert in die höhere Atmosphäre entweichen. Die mittlere Lufttemperatur betrug im Oktober 9,7°C und ist damit etwas zu warm (LJM: 8,9°C). Seit 1956 gab es allerdings auch wesentlich kältere (2003:5,6°C), aber auch wärmere Monate (2001: 11,9 °C).

Der Oktober-Regen fiel überwiegend im Zusammenhang mit EXOphelia in der ersten Dekade. 24,2 Liter pro Quadratmeter wurden zwischen dem 06. und 12. Oktober registriert. Insgesamt fielen 26,9 L/m². Die maximale Tagesniederschlagsmenge betrug 4,9 L/m² am 10. Oktober.

Dank der beiden Wetterfeen machte der Oktober 2011 als goldener Oktober seinem Namen alle Ehre. Mit 158 Stunden Sonnenschein, das sind 158% der Soll-Sonnenscheindauer, wurde die zweithöchste Sonnenscheindauer für Nordhausen registriert. Diese wird im Südharz seit 1972 aufgezeichnet: 1991 schien die Sonne 162 Stunden, 1974 hingegen waren es nur 27,3 Stunden.

Noch steht ein Herbstmonat aus. Trotzdem soll an dieser Stelle bereits ein Blick in den Winter gewagt werden. Eine Herbstwanderung in den Südharzer Laubwäldern an einem sonnigen Sommertag lieferte dem aufmerksamen Betrachter in diesem Jahr nämlich einen wichtigen Hinweis auf die kommende Jahreszeit: „Wenn Buchenfrüchte geraten wohl, Nuss- und Eichenbäume hängen voll, so folgt ein harter Winter drauf, Schnee und Kälte gibt’s zuhauf.“ Es wäre der dritte sehr kalte Winter in Folge, ein Grund mehr, die milden Temperaturen, die derzeit vorherrschen, zu genießen.
Dr. Jutta Parnieske-Pasterkamp
Autor: nnz

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