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Wie lief die vorläufige Rettung?

Dienstag, 06. Dezember 2011, 00:01 Uhr
Wie lief die vorläufige Rettung?
Seit 19:00 Uhr saßen die heute anwesenden 19 Stadträte der Stadt Bad Frankenhausen im großen Sitzungssaal zusammen, um u.a. über das Schicksal des schiefen Turms der Oberkirche zu entscheiden. Bei der Sitzung dabei war kn

Wie lief die vorläufige Rettung? (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Wie lief die vorläufige Rettung? (Foto: Karl-Heinz Herrmann)

Die wichtige Entscheidung über die Zukunft des schiefen Turms wird im Tagesordnungspunkt entschieden. Wichtig ist erst mal, dass mit 19 anwesenden Stadträten (von 21) der Stadtrat der Stadt Bad Frankenhausen beschlussfähig ist. Ende November wollte Bürgermeister Matthias Strejc schon mal mit einer Tischvorlage mit dem Stadtrat über die Zukunft des Schiefen entscheiden. Wegen möglicher Anfechtungen wurde aber mit Zustimmung der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) die Entscheidung auf den heutigen Tag, verschoben.

Hintergrund:
Die Stadt Bad Frankenhausen hat die letzte Hoffnung für den schiefen Turm, indem die Kommune Eigentümer wird. Dann würde die Stadt gemeinsam mit dem Förderverein die ersten 3 Stabilisierungsmaßnahmen umgehend durchführen und sich die Kosten von 97 T€ teilen. Dann hätte die Stadt Bad Frankenhausen weitere 3 Jahre Zeit, die Gesamtfinanzierung mit Hilfe von Bundesmitteln und Stiftungsmitteln abzusichern. Sollte dies nicht gelingen, dann müsste die Kommune 2014 den Turm abreißen. Die Kosten dafür in Höhe von 150 T€ bekommt die Stadt von der Landeskirche mit dem Kauf übertragen. Diese 150 T€ könnten dann für die Stabilisierungsmaßnahme mit verwendet werden oder im schlimmsten Fall 2014 für den Abriss. „Mit dem Beschluss zur sofortigen Eigentumsübernahme auch ohne Landesmittel geht die Stadt kein finanzielles Risiko ein, im Gegenteil, die reelle Chance ist da, in den kommenden zwei Jahren sehr intensiv um Mittel zu werden und Mittel zu beantragen, um dieses einmalige kulturhistorische Baudenkmal der Nachwelt zu erhalten“, so Matthias Strejc vorab.

Wie lief die vorläufige Rettung? (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Wie lief die vorläufige Rettung? (Foto: Karl-Heinz Herrmann)

Zuerst wurde Peter Jahn als neuer Stadtrat verpflichtet. Durch das Ausscheiden von Norbert Hantel (Pro Frankenhausen) musste der Stadtrat wieder ergänzt werden.

Viele Buhrufe und auch vereinzelter Beifall kam auf, als ein Vertreter von Pro Frankenhausen den Antrag stellte, die Abstimmung über das Befinden zum Schiefen Turm solle in geheimer Abstimmung erfolgen!

Fortgesetzt wurde die Stadtratssitzung mit einer Bürgerfragestunde, die eigentlich keine war, denn Fragen wurden kaum gestellt, eher Standpunkte vertreten, aber das sah man zum Glück heute nicht so eng. Erste Stimmen forderten sofort , keine geheime Abstimmung, aber später wurde auch für eine geheim Abstimmung plädiert.. Der überwiegende Teil der Bürger sprach sich für die Erhaltung des Turmes aus. Hier alle Meinungen aufzuführen würde den Rahmen sprengen.

Ein Tourismusmanager schilderte, wie sein Unternehmen vom Tourismus lebt und das gerade in letzter Zeit viele Besucher ständig nach dem Turm gefragt haben. Viele Kommunen geben viele Millionen aus um Sehenswürdigkeiten zu schaffen, die Touristen anlockt, so z.B. Thomas Knorr in seiner Meinung, da werden wir doch dienen Turm erhalten können.

Die kleine Stadt Weißensee, auch arm wie eine Kirchenmaus, erhält von Land und Bund einen Chinesischen Garten, den selbst in unserer benachbarten Region kaum jemand kennt Teuerer Chinesicher Garten für zwei Millionen Euro, der sogar von November bis März immer geschlossen ist.

Kaum Beifall erhielt Sören Schobeß, der meinte, Frankenhausen ist nicht nur der Turm, sondern mehr.

Eine sehr interessante Meinung vertrat Stadtrat Karl Josef Ringleb (CDU). Der behauptete glatt von 20 Frankenhäusern seien 19 gegen die Erhaltung des Turms. Wenn er so überzeugt von dieser Theorie war, fragt sich kn ganz besorgt, warum er dann nicht ein Bürgerbegehren oder ähnliches in die Wege geleitet hat.

Nach der Bürgerfragestunde war der Bürgermeister, Matthias Strejc (SPD), der die eigentliche Diskussion einleitete. Strejc sagte, er sähe gute Chancen auch ohne die Mittel des Landes in den nächsten drei Jahren den Turm zu erhalten. Strejc bekräftigte nochmals, was er im Vorfeld bereits gesagt hatte. Die nationale und internationale Kampagne durch die Medien, die Bad Frankenhausen als Kur- und Tourismusstadt bekannt gemacht hat, hätte die Stadt nie bezahlen können.

Bundeswehr, Kur, Tourismus und Reha sind die einzigen wirtschaftlichen Stützen der Stadt, und in dieses Konzept passt der schiefe Turm. Die Rettung des Turms ist kein persönliches Hobby, sondern Aufgabe des Bürgermeisters. Wir werden keine weiteren touristische Höhepunkte in die Stadt bekommen und erst recht nicht Wirtschaft in die Kurstadt.

Henry Hunger (CDU) sprach von unkalkulierbaren finanziellen Risiken. Wir haben als Abd Frankenhausen mehr zu bieten, als den schiefen Turm und erinnerte an den Hausmannsturm. Für die Stadt sei eine sanierte Unterkirche mit der Strobel-Orgel wichtiger. Er schlug im Namen der CDU-Fraktion vor, die Turmhaube abzutragen und auch den Turm abzutragen und das Material einzulagern, um später den Turm neu bauen zu können. Er forderte einen veränderten Bebauungsplan . Der Bebauungsplan 15, in dem nach unserem Antrag die Flurstücke der Oberkirche aufgenommen werden sollten, umfaßt das Kurgebiet der Stadt. Und genau für diesen Zweck sollen diese Grundstücke zukünftig beplant werden so Hunger.

Herbert Knischka (SPD) warnte. Wenn der Turm abgetragen wird, gibt es für drei bis vier Wochen ein riesiges Medien Interesse und dann wird man von Bad Frankenhausen nur noch von den Kirchenabreissern sprechen. Das wird ein Imageschaden für Bad Frankenhausen von riesigem Ausmaß werden.

Wie lief die vorläufige Rettung? (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Wie lief die vorläufige Rettung? (Foto: Karl-Heinz Herrmann)

Auf Antrag des Bürgermeisters konnte Prüfstatiker Dr. Trabert nochmals darlegen, dass der schiefe Turm nicht sobald umstürzen wird. Auch er ist sich sicher, dass der Turm erhalten werden kann.

Dann kam es zur lang ersehnten Abstimmung. Zuerst wurde mehrheitlich abgelehnt, die Wahl geheim durchzuführen.
Die Stadträte haben gegen 21:00 Uhr entschieden:
Mit 9 Jastimmen, und 7 Neinstimmen, bei 3 Stimmenthaltungen, hat der Stadtrat Bad Frankenhausen entschieden, dass die Stadt den schiefen Turm der Oberkirche von der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) übernehmen wird.
Autor: khh

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