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nnz-Betrachtung: Zeit, zu gehen!

Dienstag, 20. Dezember 2011, 08:53 Uhr
Es ist eigentlich nicht mein Ding, über Vorgänge außerhalb dieser Region zu urteilen, diese zu bewerten oder zu kommentieren. Doch, was sich da an führender Stelle in diesem Land erlaubt wird, das sollte schon mal einen Einwurf wert sein...


Ich warte eigentlich nur noch auf den Aufschrei von einzelnen Chefredakteuren in diesem Land, die sich zum Freundeskreis des jetzigen Bundespräsidenten und des einstigen Ministerpräsidenten von Niedersachsen zählen. Alles andere ist eigentlich schon x-mal gesagt oder geschrieben worden. Doch ich will es als politisch interessierter Mensch nicht nur formulieren, es muss einfach mal "raus": Wer sich als führender Politiker so offenkundig abhängig von Wirtschaft, von Freunden macht, der braucht eigentlich keine Feinde, sondern nur Medien, die ihre Kontrollfunktion ausüben und den Finger in eine bereits existierende, nur bis dahin nicht sichtbare Wunde legen.

Für Christian Wulff ist es Zeit für einen Abschied, der ihm noch einen Restfunken von Würde bewahren könnte. Alles andere hat er verspielt. Er müsste doch als Politiker die Mechanismen kennen. Meinen denn Wullf und Rest-Freunde wirklich, dass BILD oder SPIEGEL alles auf einmal "rauslassen", was den Redaktionen einst zugespielt und dann weiterrecherchiert wurde?

Die bisherigen Ergebnisse dieser medialen Arbeit sind bekannt und werfen zudem ein Licht auf die politische Kaste, das nicht unbedingt Glückgefühle auslösen könnte. Für den Otto-Normal-Menschen bleiben die Fragen, warum ein Ministerpräsident unbedingt Urlaub bei einem Unternehmer machen muss? Warum private Kredite für einen Hauskauf nicht bei der Landesbank aufgenommen werden? Warum Anzeigenkampagnen für sein Buch von AWD-Maschmeyer bezahlt werden müssen? Und - jetzt kommt der Knaller: er, der Herr Wulff, nichts davon gewusst haben will? Welcher Unternehmer verschenkt schon Geld, ohne nicht irgendwann etwas davon zurückgezahlt zu bekommen?

Für wie dumm hält dieser Bundespräsident uns alle? Seine Salamitaktik des Zugebens ist hochnot-peinlich. Nicht die Medien haben das Ansehen des Bundespräsidenten beschädigt, er selbst ist die Beschädigung des Amtes in Person. Am Sonntag hat es die Grande-Dame der deutschen Nachkriegspolitik, Hildegard Hamm-Brücher, ausgesprochen: Das Verhalten von Herrn Wullf in den zurückliegenden Jahren und sein jetziges Verhalten schaden der Demokratie in diesem Land, um die es - blickt man von den Höhen der bezahlten Politik ausnahmsweise mal in die Niederungen des Wahlvolkes - in diesem Land nicht allzu doll bestellt ist.

Aber es ist vermutlich gerade die immer stärker werdende Politikverdrossenheit, die ungezügeltes politisches Spiel der vermeintlich Mächtigen im Bunde mit dem Kapital möglich macht. Und die es erlaubt, dass ein Herr Wulff immer noch das höchste politische Amt in diesem Land ausüben darf...
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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