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kn-Forum: Schiefer Turm

Donnerstag, 12. Januar 2012, 10:54 Uhr
In einem Leserbrief erläutert Karl-Josef Ringleb, warum die CDU-Fraktion im Stadtrat Bad Frankenhausen die Beschlussvorlage in den Stadtrat von Bürgermeister Strejc zum schiefen Turm der Oberkirche abgelehnt hatte und beleuchtet Ursachen und Gründe zu dieser Entscheidung. Hier der Wortlaut...

In den Unterlagen zur Stadtratssitzung befanden sich auch Bau- und Baugrundgutachen zur Situation der Oberkirche betreffend. Der Turm hat ein Gewicht von ca. 2.400 Tonnen, welches auf einer Fläche von 90 qm steht. Dazu müssen entsprechende Windlasten gerechnet werden.

Das geologische Gutachten für die Kyffhäusersüdrandstörung sowie die Bohrungen in unmittelbarer Nähe des Turms halten eine Baugrundverbesserung zur dauernden Tragfähigkeit für nicht möglich. Verschärft wird die Situation durch die Entdeckung eines Hohlraums von ca. 90 cm Größe in 15 m Tiefe nördlich des Turms. Unter dem einsturzgefährdeten Hohlraum befindet sich der Wasserlauf der Elisabethquelle (wichtigste Versorgungsquelle der KyffhäuserTherme).

Die Turmneigung wird seit 200 Jahren festgestellt. Bisherige Stabilisierungsmaßnahmen betrafen die Statik des Turms und weniger den Untergrund. In den letzten 20 Jahren sind dazu 800.000 € Eigenmittel der evangelischen Kirche, Spenden und Fördergelder aufgewendet worden. Das Sanierungskonzept sieht als einzige Lösung eine 4-6 m hohe innen und außen angebrachte Betonummantelung am Turm sowie zwei 4 m hohe und bis zu 18 m lange Stützen in nördlicher und östlicher Richtung vor. Dazu veranschlagt die Sanierungsfirma lt. Vorliegendem Angebot weitere 800.000€.

Von der zugesagten Städtebauförderung in Höhe von 900.000 € sind ca. 450.000 € abgerufen. Da die Landesregierung keine Sicherungserhaltung am Turm mehr unterstützt, muss davon ausgegangen werden, dass die noch ausstehende Summe nicht mehr abgerufen werden kann. Damit steht die Sanierungsfinanzierung in den Sternen.

Da die Schonfrist vor Abriss oder Sanierung bis 2014 verlängert wurde, ist eine sofortige weitere Zusicherungsgarantie von ca. 100.000€ notwendig. Diese sind umsonst, sollte der Turm dann tatsächlich abgerissen werden.

Die Hohlraumverfüllung wirft als erstes die Frage nach der Sicherung der Solequelle auf, die nicht beantwortet werden konnte. Die Erläuterungen vom Statiker zur technischen Rettungslösung ergaben, dass für die nördliche Strebe noch keine Untergrundanalyse durchgeführt wurde (aus dieser Richtung kommt die Quelle). Da der Turm als drittes Standbein fungiert (bei weiterer Zunahme des Gewichts durch den Betonmantel), der Baugrund aber weiter instabil ist, muss mit weiteren Bewegungen des Turms gerechnet werden. Durch Stellmechanismen an den Streben sollen die Bewegungen ausgeglichen werden. Zu den dadurch entstehenden Folgekosten konnten keine Aussagen gemacht werden.

Auch zu den weiteren ständigen Erhaltungskosten für Turm und Kirchenschiff sowie Betreiberkosten bei erfolgreicher Sanierung wurde vom Bürgermeister auf zu erwartende Einnahmen verwiesen. Mit dem vorgelegten Vermarktungskonzept sind keine Einnahmen erkennbar. In allen vorausgegangenen Aussprachen und Beschlüssen war sich der Stadtrat einig, dass für den Turm nur eine mit Fördermitteln finanzierte, bauliche dauerhafte und möglichst folgekostenneutrale Lösung in Frage kommt. Mit der vorliegenden Beschlussvorlage, den Informationen und Erkenntnissen war nichts davon erkennbar. Da der Rückbau des Turms bereits im Februar 2011 von der Denkmalbehörde, Bauministerium und Bauaufsicht als förderfähig eingestuft wurde, ist dieser Lösungsvorschlag durch die CDU-Fraktion in die Beschlussvorlage eingearbeitet worden.

Um das Grundstück in weiterer Fördermöglichkeit zu lassen, haben wir eine zusätzliche Aufnahme in Bebauungsplan 15 (Kur- und Badebereich) vorgeschlagen. Übrigens stellt man Bebauungspläne auf, damit nichts „falsches“ gebaut und vor allem die Öffentlichkeit beteiligt wird. Hoffen wir, dass auch ohne Bebauungsplans das „Richtige“ getan wird, Zu wünschen ist es der Oberkirche allemal.
Karl-Josef Ringleb
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Autor: khh

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