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Leben am Limit

Montag, 20. Februar 2012, 14:00 Uhr
Wer kennt ihn nicht? Nicht nur Naturliebhabern und Bergsteigern ist Reinhold Messner so etwas wie ein König. Fast ein Leben lang lebte der Südtiroler am Limit. Anfang März gibt es in Deutschland drei Lesungen mit ihm. In Hamburg, in Berlin und: In Nordhausen. Bodo Schwarzberg führte mit dem Mann das folgende Interview...


Messner (Foto: Reisefibel) Messner (Foto: Reisefibel) Reinhold Messner (geb. 17.09.1944 in Brixen – Südtirol), gilt als Ikone der Bergsteiger und Abenteurer. Er war der erste Mensch, der alle 14 Achttausender bestieg und die Antarktis, gemeinsam mit Arved Fuchs, durchquerte (1989/90). Zu seinen herausragenden alpinistischen Leistungen gehört die erste, seinerzeit für undenkbar gehaltene Besteigung des Mount Everest (8.850 m) ohne Sauerstoff gemeinsam mit Peter Habeler 1978, in demselben Jahr der erste Alleingang auf einen Achttausender (Nanga Parbat, 8.125 m), sein berühmter Alleingang auf den Mount Everest im Jahre 1980 und die erste Besteigung zweier Achttausender in einem Stück (Gasherbrum I und II) im Jahre 1984 gemeinsam mit Hans Kammerlander. Durch die Einführung des Alpinstils an den höchsten Bergen der Welt, das heißt ohne Anlage von Depots unter Zuhilfenahme zahlreicher Träger, revolutionierte er das Höhenbergsteigen.

Der Tod seines Bruders Günther an der Rupal-Wand des Nanga Parbat sorgte auf Grund der lange Zeit als ungeklärt angesehenen Umstände für zahlreiche Kontroversen. Heute gilt es als erwiesen, dass Messner keinen Anteil am Tod seines Bruders hat.

Immer wieder mahnte der prominente Bergsteiger den schonenden Umgang mit der Bergwelt auch auf politischer Ebene an. Sein eigener Anteil an der Kommerzialisierung des Bergsteigens gilt als umstritten. Im Rahmen seiner Antarktisdurchquerung 1989/90 setzte er sich mit Erfolg für die Verlängerung des Antarktisvertrages ein, der eine wirtschaftliche Nutzung des eisigen Kontinents auch künftig ausschließt.

Am 9. März wird Reinhold Messner in Nordhausen über sein ausgefülltes Leben und über sein nach wie vor ungebrochenes Engagement für die Berge dieser Welt berichten. Im Auftrag von Presse Service Greiner und der Autohaus Peter Gruppe führte Bodo Schwarzberg das folgende Interview mit ihm:


Peter Stefan Greiner stellte zunächst Bodo Schwarzberg Reinhold Messner als Interviewer mit der Bemerkung vor, dass er selbst bereits einen höheren Berg bestieg und an einem Siebentausender scheiterte.

Schwarzberg:Herr Messner, Sie bestiegen 1974 die Südwand des 6.962 m hohen Aconcagua in Argentinien auf einer neuen Route. Als ich 2002 selbst auf dem Gipfel stand, schaute ich die rund zwei Kilometer hohe Südwand hinunter und musste zugegeben an Sie denken. Später waren wir am Pik Lenin (7.134 m) in Kirgistan, wo ich mich entschied, vom Lager 3 in 6.150 m Höhe wegen falscher Akklimatisierung abzusteigen.

Messner (Foto: Reisefibel) Messner (Foto: Reisefibel)

Messner: Da sind Sie wahrscheinlich zu schnell aufgestiegen, ohne ausreichende Akklimatisierung. Besser ist es, wenn man hinaufgeht, dort ein paar Nächte bleibt, dann wieder absteigt und anschließend wieder hinauf geht. Aber man lernt ja. Das Erlebnis ist gleich groß, ob Sie nun oben waren oder nicht.

Schwarzberg: Im Jahre 1989/90 durchquerten Sie gemeinsam mit Arved Fuchs als erste Menschen die Antarktis: Genau in dieser Zeit fiel in Deutschland der Eiserne Vorhang: Wie und wann haben Sie davon erfahren und was hat der Mauerfall für Sie bedeutet?

Messner: Wir haben am Südpol davon erfahren. Da gibt es ja eine Station. Es war für mich im Grunde nicht greifbar, das heißt, ich habe es zunächst nicht geglaubt. Ich war immer politisch interessiert und habe das ein wenig verfolgt. In den 70ern hatte ich Einladungen in die DDR, aber ich galt ja damals als Anarchist und man hat mich nicht rein gelassen. Die Bergsteiger aus Dresden waren sehr traurig darüber, dass ich nicht vortragen durfte.

Als ich dann von der Antarktis heim kam und die Tatsachen feststellte, - also ich habe am Südpol schon gesagt, wenn die Amerikaner (von der Station- B.S.) dort sagten, der eiserne Vorhang sei gefallen, die Mauer sei übersprungen, Deutschland sei eins, dann musste es wohl so sein.

Ich bin ja sehr häufig in die neuen Bundesländer gefahren und habe diese Neugierde, diesen Hunger nach Freiraum, nach dem Hinausgehen mit großem Respekt gesehen und ich fand es dann ein wenig schade, dass so nichts von den Werten, die es im Osten gab, vom Westen übernommen wurde. Es gab ja im Osten viel mehr Neugierde, viel mehr soziales Nebeneinander - ich spreche da nicht vom realen Sozialismus – aber es wurde leider wenig in den Westen gerettet, sondern es wurde alles vom Westen rübergeschoben.

Es ist ja inzwischen auch recht erfolgreich, aber es hätte ein bisschen anders laufen können.

Schwarzberg: Ja, darunter leiden tatsächlich viele Ostdeutsche.

Messner: Ja, das spüre ich schon, wenn ich drüben bin, dass es nicht diese hundertprozentige Identifikation mit der westlichen Welt gibt.

Schwarzberg: Sie brachten den Alpin-Stil in die bis in die 70er Jahre hinein geordnete Welt des Höhenbergsteigens. Ich zitiere den Spiegel: „Messner machte sich ein Vergnügen daraus, die geheiligten Tabus der Kletterwelt zu brechen.“ (Der Spiegel, 23.07.1979). Und Sie haben als einer der ersten auch das Tabu gebrochen, die Folgen des Massentourismus in den Alpen schonungslos an den Pranger zu stellen: Welche Themen stellen Sie auf der Grundlage ihrer bergsteigerischen und Ihrer Lebenserfahrung heute in das Zentrum Ihrer Arbeit? Brechen Sie heute noch Tabus?

Messner: Nein, ich breche keine Tabus mehr, was die Expeditionen angeht, dazu bin ich zu alt geworden. Also ich kann heute nicht etwas machen, was in der Szene als unmöglich gilt. Ich muss dazu auch sagen: Wenn ich heute sehe, wie hemmungslos mit dem Wert „Alpin-Stil“ umgegangen wird, zum Beispiel, in dem die Achttausender präpariert werden.

Nehmen wir den Everest: 3.000 Leute warten im Basislager darauf, dass sie über eine präparierte Piste, die die Sherpas vorbereitet haben, hochgehen dürfen, dann gehen alle auf den Gipfel und sagen, sie seien im Alpin-Stil hochgestiegen – das hat mit Alpin-Stil überhaupt nichts zu tun.

Der Alpin-Stil war in den 70er Jahren unter den Bergsteigern das Schlimmste unter dem Schlimmen. Das war das nicht Anerkannte nach dem Motto ‚So etwas tut man nicht‘. Heute wird es als wertvolles Bergsteigen dargestellt. Doch es wird eigentlich gar nicht als Alpin-Stil betrieben, sondern es ist im Grunde Massentourismus auf den Mount Everest.

Natürlich erzähle ich weiterhin, wie ich mir eine erfolgreiche touristische Erschließung der Alpen vorstelle. Ich habe in den letzten zehn Jahren ein Museum mit fünf Häusern auf die Beine gestellt. Das hat natürlich an einigen Tabus gerüttelt. Aber die Leute brauchen ja nur hinein zu gehen und sich alles anschauen.

Das Museum funktioniert freiwirtschaftlich, ohne Verein oder öffentliche Gelder. Damit bin ich absolut frei, die Finger in die Wunden zu legen, - aber ich sage nicht mehr, was die richtige Form des Bergsteigens ist. Es gibt keine richtige oder falsche Form. Jede Motivation ist legitim. Alles ist richtig. Das einzige, was wir nicht tun sollten ist, die Berge einfach zu einem Disneyland zu machen. Dazu haben wir nicht das Recht.

Schwarzberg:Sie kritisieren heute oft die Kommerzialisierung des Bergsteigens und der Hochgebirge an sich. Dafür werden Sie mitunter kritisiert, weil Sie angeblich mit Ihrer Medienpräsenz selbst mit dazu beigetragen hätten. Was sagen Sie diesen Leuten?

Messner (Foto: Reisefibel) Messner (Foto: Reisefibel) Messner: Ja, ich kann diesen Leuten nicht helfen. Wenn sie mich nicht lesen oder meine Art des Bergsteigens nicht verinnerlichen, dann werden sie mich natürlich nur als einen Promotor des Bergtourismus sehen. Dabei bin ich z.T. auch ein Befürworter des Bergtourismus, weil wir in den Alpen ohne ihn nicht leben können. Und auch in Nepal können die Menschen nicht dauerhaft leben, wenn sie keinen Tourismus betreiben. Die Frage ist nur, wie. Und ich habe es vorgemacht, wie ich mir das Bergsteigen wünsche. Ich lasse mir nicht gern von Irgendjemandem wie dem Alpenverein sagen, mein Sologang auf den Everest war eine Promotion-Tour für die Besteigung dieses Berges.

Das war doch eine ganz andere Herangehensweise. Aber ich kann natürlich nicht die 3.000 Leute pro Jahr am Everest aufhalten, die da im Gänsemarsch auf einer präparierten Piste hinaufgehen. Das ist für den Alpenverein typischer als für eine Form des Alpinismus, die ich befürwortet hätte. Aber ich kann ihn natürlich nicht verbieten. Ich kann nur weiterhin genau beschreiben, was durch ihn passiert. Und das tue ich. Ich kann auch museale Strukturen liefern, in denen sehr hintergründig über das Verhältnis des Menschen zum Berg aufgeklärt wird. Und ich werde weiterhin beschreiben, was ich beim Bergsteigen erlebt habe und erlebe.

Und ich bin nach wie vor dieser Meinung: Unabhängig davon, ob jemand an einem Dreitausender, Sechstausender oder Achttausender irgendwo am Ende der Welt, einfach in Eigenregie, in Eigenverantwortung seine Versuche macht, hochzukommen, - ob er hochkommt oder nicht, ist nicht so wichtig – er oder sie wird große Erfahrungen mit nach Hause bringen.

Wenn jemand nur auf sportliche Erfolge aus ist oder sportliche Rekorde, dann sind das Zahlen, die früher oder später wieder verschwinden.

Schwarzberg: Herr Messner, wir hatten schon das Thema Umwelt: Wie sehen Sie die Zukunft des Automobils. Ist der Elektroantrieb aus Ihrer Sicht zukunftsfähig?

Messner: Ich bin gerade in einem Elektroauto gefahren. Im Sommer geht’s, aber im Winter wird es offensichtlich ein bisschen schwieriger. Also noch ist diese Technologie nicht ausgereift. Aber wir Menschen sind gezwungen, etwas zu verändern, wenn wir eine mobile Gesellschaft bleiben wollen. Denn ohne mobile Gesellschaft haben wir keine Chance, diese Lebensqualität zu erhalten. Die Technik wird uns eine Möglichkeit liefern, damit wir uns mittels alternativer Energien fortbewegen können. Aber solange das nicht notwendig ist, weil die fossilen Brennstoffe immer noch günstiger sind, als diese anderen Technologien, wird das eben nur halbherzig forciert.

Aber es gibt jetzt immerhin schon mehrere Antriebsmöglichkeiten. Die Ingenieure sind fleißig, vor allem bei Ihnen in Deutschland, und ich bin überzeugt davon, dass es gelingt. Aber bis es so weit ist, haben wir schon sehr viele Schäden angerichtet, siehe z.B. globale Erwärmung: Auch wenn sie nicht allein vom Menschen verursacht wird, ist sie da und wir haben wesentlich dazu beigetragen. Es wird Generationen brauchen, um an dieser lockeren Umgangsweise, die wir – ich sage jetzt wir, mea culpa, mea culpa, praktiziert haben, zu überwinden.

Ich bin auch tausendmal in der Welt herumgeflogen, allein zu 100 Expeditionen. Das sind die großen Umweltbelastungen, die wir Bergsteiger verursachen, wenn wir nach Nepal fliegen oder in die Antarktis. Ich stehe dazu, ich habe es getan. Und ich fliege weiterhin, morgen zum Beispiel nach Berlin oder wohin auch immer, das ist ein Problem. Aber in der heutigen chaotischen, globalisierten Welt ist das anders nicht machbar.

Schwarzberg: 1986 schnitt ich aus einer DDR-Zeitung folgendes aus: „Der italienische Bergsteiger Reinhold Messner ist der erste Mensch, dem es gelang, alle 14 Achttausender dieser Welt zu besteigen. Gestern erreichte er den Gipfel des 8.516 m hohen Lothse im Himalaja“. Was hat Sie bewogen, danach keine Achttausender mehr zu betreten?

Messner: Weil ich mich nicht hätte wiederholen wollen. Ich unternahm noch zwei Versuche: einen an der Lothse-Südwand 1989, da ging es mir um die Wand, mit einer kleinen, internationalen Mannschaft. Da ging es auch um das Zusammenspiel von Franzosen, Italienern, Polen, Südtirolern u.s.w.. Und dann habe ich nochmal 2000 einen Versuch am Nanga Parbat unternommen, wo gerade zwei mir gut bekannte Alpinisten eine Winterbesteigung versuchen, da sind wir ebenfalls gescheitert.

Aber ich habe dann keinen Achttausender mehr bestiegen, weil ich absolut umgestiegen bin auf die großen Eis- und Sandwüsten. Ja ich hatte schon nach dem Everest-Alleingang das Gefühl, dass ich mich an den großen Bergen nur wiederholen kann. Ich habe dann zwar noch zwei neue Zugänge gefunden, wie z.B. die Achttausender-Doppelüberschreitung und auch den Hattrick, - ich war der erste, der drei Achttausender in einer Expedition bestiegen hat. Aber dann war mir klar, dass ich zwar alle besteigen kann, aber dass das nicht mehr unbedingt das ist, was ich will.

Ich war schon in Gedanken in der Antarktis und in Grönland, und hab in einer anderen Sparte, die gerade für das mittlere Alter ideal ist, noch einmal von vorn angefangen und auch dort versucht, neue Zugänge zu finden.

Schwarzberg: Auf dem Flyer zu ihrem Buch und Vortrag „Leben am Limit“, wird die Frage aufgeworfen „Was aber beflügelt diesen Erfolgsmenschen?“ – Bitte geben Sie uns einen ganz kleinen Vorgeschmack auf die Antwort, die Sie uns hier in Nordhausen geben werden.

Messner: Also ich werde in Nordhausen so querfeldein aus meinem Leben erzählen, aus jeder Phase ein paar Beispiele herausgreifen, nicht die sensationellsten, und ich werde von den Erfahrungen erzählen, die ich gemacht habe. Diese möchte ich weitergeben. Sie beinhalten, dass ich mich im Grunde genommen stets auf eine bestimmte Form ausdrücken wollte. Meine Art, mich auszudrücken war eben nicht die Musik oder die Malerei. Ich bin kein Künstler. Aber auch unsere Form, und da schließe ich alle Bergsteiger ein, ist mehr Kunst als Sport.

Und ich werde am Ende auch erzählen, warum ich dieses Museum gestaltet habe. Das war in den letzten Jahren meine Form des sich Ausdrückens. Und ich möchte auch für meine späteren Jahre, ich werde langsam 70, eine Möglichkeit finden, mich weiterhin auszudrücken. Und ich wünsche mir, dass junge Menschen auch in Zukunft erkennen, dass der Berg eine großartige Möglichkeit ist, ihre Ängste, ihre Fähigkeiten, ihre Begeisterung, ihre Kreativität auszudrücken.

Schwarzberg: Herr Messner; Sie waren vor einigen Jahren bereits im Harz und erwanderten mit dem bei uns legendären Brocken-Benno den Brocken. Welche Eindrücke haben Sie aus unserem für Sie gewiss kleinen Gebirge mit genommen und waren Sie schon einmal in meiner Heimatstadt Nordhausen?

Messner: Also ich weiß nicht, ob ich in Nordhausen war. Ich war fast überall in den neuen Bundesländern, aber im Moment entzieht sich dieses Städtchen den Bildern, die ich von den Städten in den neuen Bundesländern im Kopf habe. Ich war inzwischen öfters auf dem Brocken. Und ich kenne natürlich auch Goethes Beschreibung. Für mich ist der Brocken auch ein heiliger Berg, in Anführungszeichen heilig, mit den ganzen Hexen, die dort oben hausen.

Im Winter war ich mal allein oben. Bei sehr großer Kälte mit diesen verschneiten Bäumen und den vielen Schneekristallen und mit der ersten Sonne, die da hineinfuhr. Das ist schon ein gewaltiger Blick da hinunter in die flachen Ebenen, die auch weiß beschneit waren, vor diesem relativ kleinen Berg. Man muss nicht auf die größten Berge steigen, um großartige Landschaftserlebnisse zu haben.

Schwarzberg: Sie selbst werden im Jahre 2014 70 Jahre alt. Zitat: “Ich bin gekommen, um die zweitgrößte Wüste der Welt zu durchqueren, vielleicht aber auch, um zu lernen, alt zu werden“, steht als historischer Satz auf Ihrer Homepage: Geht der weltbekannte Alpinist und Abenteurer Reinhold Messner trotzdem heute noch in die Wildnis und wenn ja, wohin geht er?

Messner: Also ich gehe alle Jahre noch auf eine Expedition, das reicht dann noch für einen Sechstausender, bei den Siebentausendern bin ich dann oben schon langsam atemlos. Ich gehe immer noch gern klettern, gerade in den Dolomiten. Mein Sohn ist ein sehr guter Kletterer. Ab und zu nimmt er mich mit. Inzwischen führt er und nicht mehr ich. Ich gehe dorthin, weil ich mich einfach gern bewege, weil ich bestimmte Routen in jungen Jahren eben nicht geklettert bin, aber das hole ich jetzt nach.

Ich bin wahnsinnig gern im Gebirge, und die Wochen, die ich früher auf Expeditionen verbracht habe, im Grunde waren es oft auch halbe Jahre, die werde ich auch in Zukunft irgendwo im Gebirge verbringen. Ob nun in einer Höhle hausend oder in einer alten Schutzhütte oder Almhütte, das ist nicht so wichtig. Jedenfalls werde ich gleichviel Zeit in den Bergen verbringen, wie in meinem ganzen Leben. Allerdings nicht mehr an den überhängenden Wänden, nicht mehr an den höchsten Bergen, sondern auf ganz normaler Meereshöhe. Ich bin inzwischen ein Sonntagsbergsteiger, der es sich leisten kann, wochen- und monatelang im Gebirge zu leben.

Schwarzberg: Das wünsche ich Ihnen von ganzem Herzen. Dass es noch lange so bleiben möge. Haben Ihre Kinder etwas von Ihren Abenteuergenen abgekommen? Wann besteigt ein Messnerkind einen Achttausender oder ist dies schon geschehen?

Messner: Nein, das passiert wahrscheinlich nicht. Mein Sohn ist auch vernünftig genug und studiert sogar fleißig, Biologie. Und er wird ein ganz normales, hoffentlich erfolgreiches Leben in einer ganz anderen Sparte führen. Es wäre nicht gut, in meinen Fußstapfen irgendwie unter Druck zu geraten, weil Außenstehende Anforderungen stellen, die nicht aus ihm selber kommen. Also das ist nicht gut, wenn ein Kind eines erfolgreichen Bergsteigers in die gleichen Fußstapfen tritt. Obwohl das Kind natürlich das Recht hat, sich über das Bergsteigen auszudrücken.

Schwarzberg: Welchen 8.000er könnten Sie mir denn als „leichtesten“ empfehlen?

Messner: Der leichteste ist der Cho Oyu, auch weil er am besten vorbereitet ist und im Grunde gar keine Vorbereitungen braucht. Es kann vom Wind und Sturm her, mit Ausnahme einer Stelle vielleicht mit Lawinengefahr, nicht viel passieren. Also er ist der leichteste, allerdings ist er der sechsthöchste Berg der Welt. 8.200 Meter sind schon eine ernste Höhe, wenn man ohne Sauerstoff hinaufsteigt.

Schwarzberg: Ich bedanke mich ganz herzlich für das Gespräch. Und vielleicht begegnen wir uns anlässlich Ihres Besuches in Nordhausen.

Messner: Ja, ich wünsche Ihnen alles Gute! Es war ein nettes Gespräch! – Immer lieber mit Fachleuten!

Schwarzberg: Ja, danke.

Messner: Ciao, Ciao!
Autor: nnz

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