Interview mit Bodewig
Samstag, 17. März 2012, 00:02 Uhr
Motorradfahrer haben keine Knautschzone – Interview mit Kurt Bodewig, Präsident der Deutschen Verkehrswacht und Bundesminister a.D.
Die Motorradsaison steht vor der Tür. Nach monatelanger Fahrpause können viele begeisterte Hobby-Fahrer es gar nicht mehr abwarten, ihre Maschine aus der Garage zu holen und die erste Ausfahrt zu unternehmen. Allerdings kommen Motorradfahrer überdurchschnittlich häufig bei Unfällen ums Leben oder werden schwer verletzt. In einem Interview appelliert Kurt Bodewig, Präsident der Deutschen Verkehrswacht und Bundesminister a.D. an alle Biker, sich die Risiken ihres Hobbys bewusst zu machen.
Herr Bodewig, Motorradfahrer haben ein 18-mal höheres Risiko im Straßenverkehr zu verunglücken als andere Verkehrsteilnehmer. Wo liegen denn die besonderen Gefahren für Motorradfahrer?
Das Problem ist, dass ein Unfall, der bei einem PKW nur Blechschaden hinterlässt, für einen Motorradfahrer tödlich sein kann: Biker haben keine Knautschzone. Einige Fahrer sind sicherlich risikoreich unterwegs, zudem werden Motorradfahrer aufgrund ihrer schmalen Silhouette von anderen Verkehrsteilnehmern, gerade von Autofahrern, häufig zu spät wahrgenommen.
Viele Fahrer können es gar nicht abwarten nach der Winterpause wieder auf der Straße zu sein. Was sollten Motorradfahrer zum Saisonstart beachten?
In der Regel fehlt Motorradfahrern ja durch die Winterzeit ein halbes Jahr Fahrpraxis. Sie sollten daher langsam wieder anfangen. Es ist wie beim Sport, da müssen Sie nach einer Trainingspause auch nach und nach wieder ihre Form aufbauen. Ein Sicherheitstraining kann helfen, die Grenzen der Maschine gefahrlos kennen zu lernen. Darüber hinaus sollten Motorradfahrer auf den einwandfreien technischen Zustand ihrer Maschinen achten. Funktioniert das Licht nicht, wird der Fahrer auf der schattigen Allee schnell übersehen.
Was können Motorradfahrer für Ihre Sicherheit tun?
Eine angepasste und aufmerksame Fahrweise ist ein Schlüssel für eine sichere Fahrt. Allerdings: Selbst wenn der Motorradfahrer sich völlig korrekt verhält, kann die Maschine beispielsweise auf einem Ölfleck in der Kurve wegrutschen. Deswegen ist auch die richtige Schutzkleidung so wichtig, die weit mehr ist als der vorschriftsmäßige Helm. Eine Jeans ist beim Abflug schnell durchgescheuert und blanke Haut gegen Asphalt kennt nur einen Sieger.
Apropos technische Ausstattung der Maschinen. Wie steht es damit?
Da gibt es Nachholbedarf! Zum Beispiel ist ABS bei Motorrädern noch nicht selbstverständlich. Die Technologie ist zwar ausgereift, es sind aber noch längst nicht alle Maschinen serienmäßig damit ausgestattet. Wir appellieren an jeden Biker, beim Neukauf auf ABS zu achten. Auch in der Straßeninfrastruktur gibt es Verbesserungsmöglichkeiten. Ein Unterfahrschutz bei Leitplanken an gefährdeten Stellen kann bei einem Unfall enorm zur Sicherheit beitragen.
Welchen Ansatz verfolgt die Deutsche Verkehrswacht mit der Aktion Landstraße bei Motorradfahrern?
Motorradfahren ist für die allermeisten Fahrer eine Leidenschaft, die wenigsten pendeln mit ihrer Maschine zur Arbeit. Auf der kurvigen Landstraße wollen sie den Alltag hinter sich lassen und fahren vielleicht zu sorglos. Wir wollen die Fahrer für die Gefahren ihres Hobbys sensibilisieren – aber ohne die Moralkeule. Die DVW kann mit ihren über 600 Ortsverkehrswachten auf spezifische Probleme vor Ort eingehen und die Fahrer direkt ansprechen.
Herr Bodewig, vielen Dank für das Gespräch.
Autor: khhDie Motorradsaison steht vor der Tür. Nach monatelanger Fahrpause können viele begeisterte Hobby-Fahrer es gar nicht mehr abwarten, ihre Maschine aus der Garage zu holen und die erste Ausfahrt zu unternehmen. Allerdings kommen Motorradfahrer überdurchschnittlich häufig bei Unfällen ums Leben oder werden schwer verletzt. In einem Interview appelliert Kurt Bodewig, Präsident der Deutschen Verkehrswacht und Bundesminister a.D. an alle Biker, sich die Risiken ihres Hobbys bewusst zu machen.
Herr Bodewig, Motorradfahrer haben ein 18-mal höheres Risiko im Straßenverkehr zu verunglücken als andere Verkehrsteilnehmer. Wo liegen denn die besonderen Gefahren für Motorradfahrer?
Das Problem ist, dass ein Unfall, der bei einem PKW nur Blechschaden hinterlässt, für einen Motorradfahrer tödlich sein kann: Biker haben keine Knautschzone. Einige Fahrer sind sicherlich risikoreich unterwegs, zudem werden Motorradfahrer aufgrund ihrer schmalen Silhouette von anderen Verkehrsteilnehmern, gerade von Autofahrern, häufig zu spät wahrgenommen.
Viele Fahrer können es gar nicht abwarten nach der Winterpause wieder auf der Straße zu sein. Was sollten Motorradfahrer zum Saisonstart beachten?
In der Regel fehlt Motorradfahrern ja durch die Winterzeit ein halbes Jahr Fahrpraxis. Sie sollten daher langsam wieder anfangen. Es ist wie beim Sport, da müssen Sie nach einer Trainingspause auch nach und nach wieder ihre Form aufbauen. Ein Sicherheitstraining kann helfen, die Grenzen der Maschine gefahrlos kennen zu lernen. Darüber hinaus sollten Motorradfahrer auf den einwandfreien technischen Zustand ihrer Maschinen achten. Funktioniert das Licht nicht, wird der Fahrer auf der schattigen Allee schnell übersehen.
Was können Motorradfahrer für Ihre Sicherheit tun?
Eine angepasste und aufmerksame Fahrweise ist ein Schlüssel für eine sichere Fahrt. Allerdings: Selbst wenn der Motorradfahrer sich völlig korrekt verhält, kann die Maschine beispielsweise auf einem Ölfleck in der Kurve wegrutschen. Deswegen ist auch die richtige Schutzkleidung so wichtig, die weit mehr ist als der vorschriftsmäßige Helm. Eine Jeans ist beim Abflug schnell durchgescheuert und blanke Haut gegen Asphalt kennt nur einen Sieger.
Apropos technische Ausstattung der Maschinen. Wie steht es damit?
Da gibt es Nachholbedarf! Zum Beispiel ist ABS bei Motorrädern noch nicht selbstverständlich. Die Technologie ist zwar ausgereift, es sind aber noch längst nicht alle Maschinen serienmäßig damit ausgestattet. Wir appellieren an jeden Biker, beim Neukauf auf ABS zu achten. Auch in der Straßeninfrastruktur gibt es Verbesserungsmöglichkeiten. Ein Unterfahrschutz bei Leitplanken an gefährdeten Stellen kann bei einem Unfall enorm zur Sicherheit beitragen.
Welchen Ansatz verfolgt die Deutsche Verkehrswacht mit der Aktion Landstraße bei Motorradfahrern?
Motorradfahren ist für die allermeisten Fahrer eine Leidenschaft, die wenigsten pendeln mit ihrer Maschine zur Arbeit. Auf der kurvigen Landstraße wollen sie den Alltag hinter sich lassen und fahren vielleicht zu sorglos. Wir wollen die Fahrer für die Gefahren ihres Hobbys sensibilisieren – aber ohne die Moralkeule. Die DVW kann mit ihren über 600 Ortsverkehrswachten auf spezifische Probleme vor Ort eingehen und die Fahrer direkt ansprechen.
Herr Bodewig, vielen Dank für das Gespräch.
