"Brendan Murphy Duo"
Montag, 30. April 2012, 15:16 Uhr
Am Abend des 27. April füllte sich die Eingangshalle des Panorama Museums in recht erstaunlicher Weise. Stühle mussten hereingetragen werden, damit alle Platz fandenso beginnt der Bericht von Fred Böhme zum letzten Konzert im Panoramamuseum Bad Frankenhausen...
Letztlich waren es mehr als 120 Besucher, die wegen des Auftritts der beiden Iren Brendan und Declan Murphy gekommen waren.
Das war schon verblüffend, war doch ihre Musik kein irisch Folk, der sich hierzulande besonderer Beliebtheit erfreut, auch keine Ansammlung von Hitparadenstürmerstücken, vielmehr boten sie eine Art unspektakulären Singer-Songwriter-Folk mit schönen Melodien in einer karg anmutenden Instrumentierung, d.h. Brendan sang die Stücke mit seiner leicht heiser-nasalen, hellen Stimme, begleitete sich dabei mit sparsamen Gitarrenspiel und Declan leistete den Löwenanteil der Begleitung mit recht virtuosem Spiel auf der zweiten akustischen Gitarre und dem teilweise bassdrumartigen Stampfen auf einem Brett, das mit ein Mikrophon abgenommen und im Klangbild entsprechend manipuliert wurde.
So gesehen, wurden Brendans Songs auf ihr wesentliches Gerüst, auf Gesang und Gitarrenbegleitung reduziert. Das war natürlich ein Wagnis, denn wie erreicht man ein Publikum in Wochenendlaune mit derartig leisen, teilweise ziemlich melancholischen Liedern, deren Texte der Mehrzahl der Anwesenden wegen mangelnder Englischkenntnisse verschlossen bleibt, deren musikalische Substanz weder durch besondere Originalität oder einer ungewohnt expressiven Vortragsweise auffiel? Die Texte der Stücke, meinte ein sprachgewandter "Versteher", entsprachen dem Charakter der Lieder, waren demnach ebenfalls keine elektrisierenden Statements. Also wie gelang den beiden dieses Kunststück, ihr Publikum für ihre Lieder zu begeistern? Dass ihnen das gelungen war, ist eine Tatsache.
Brendan nahm sich zwischen den Stücken für sein Publikum Zeit, erzählte von den kleinen Geschichten, die den Hintergrund der Stücke bildeten, erzählte von den kleinen Alltäglichkeiten seiner Tournee, von dem eindrucksvollen Erlebnis des Panorama-Gemäldes, witzelte ironisch, dass er seinen Landsleuten erzähle, dass seine neue Platte in Deutschland äußerst populär sei. Das kam schon mal gut an. Doch das reichte letztlich noch nicht, um dieses Publikum für sich zu gewinnen. Letztlich waren es dann Klassiker der Popmusikgeschichte wie "Blackbird" der Beatles, Merle Travis "Sixteen Tons", der Elvis-Hit "Fever" oder etwas schwungvollere Stücke mit partieller Gitarrenartistik von Declan, die dazu führten, dass das Publikum die beiden ins Herz schloss. Den Auftakt machte Brendan mit seinem sehr schönen, volksliedhaften "Walk with me", ein kleines, einfach strukturiertes Liebeslied, dann das etwas schwungvollere "Sunlight", eine Singleauskopplung aus seiner neusten CD-Veröffentlichung.
"Gospel Choir" leitete er damit ein, dass er von diesem Tauziehen zwischen Luther und dem Papst berichtete, welches er im Panorama-Gemälde entdeckt hatte, einem Streit, von dem sich Jesus Christus mit dem Lamm entnervt abwandte. Brendan erinnerte das an die katholischen Eiferer in Nordirland, die er in seiner Jugend erlebt hatte, an die dortigen Mauern und Zäune zwischen den unterschiedlichen Konfessionen und die vielen Polizisten und das Militär in den Straßen. "Coming Home" war eine Aufforderung an die irischen Auswanderer, die der wirtschaftlichen Misere in den 70ern und den 80ern zu entfliehen trachteten und es nun wieder bald tun werden. Plaudernd und singend gewannen die beiden Musiker zunehmend die Sympathie ihres Publikums und es bedurfte dann nur noch eines kleineren musikalischen Zündfunkens in Form bekannteren Stückes und schon war ein Konsens hergestellt.
Schöner und eigener erschienen mir jedoch diese leisen Balladen, diese unspektakulären Popliedchen wie "Walk with me", "Into your arms" oder "You make me feel", die ohne viel Schnickschnack ihre kleinen Botschaften transportierten. Eine etwas üppigere Instrumentierung, mal ein Cello, ein paar Pianoklänge oder vielleicht eine Mundharmonika-Passage hätten den Stücken gut getan und den Abend noch etwas abwechslungsreicher gestalten können.
Text und Foto: Fred Böhme
Autor: khhLetztlich waren es mehr als 120 Besucher, die wegen des Auftritts der beiden Iren Brendan und Declan Murphy gekommen waren.
Das war schon verblüffend, war doch ihre Musik kein irisch Folk, der sich hierzulande besonderer Beliebtheit erfreut, auch keine Ansammlung von Hitparadenstürmerstücken, vielmehr boten sie eine Art unspektakulären Singer-Songwriter-Folk mit schönen Melodien in einer karg anmutenden Instrumentierung, d.h. Brendan sang die Stücke mit seiner leicht heiser-nasalen, hellen Stimme, begleitete sich dabei mit sparsamen Gitarrenspiel und Declan leistete den Löwenanteil der Begleitung mit recht virtuosem Spiel auf der zweiten akustischen Gitarre und dem teilweise bassdrumartigen Stampfen auf einem Brett, das mit ein Mikrophon abgenommen und im Klangbild entsprechend manipuliert wurde.
So gesehen, wurden Brendans Songs auf ihr wesentliches Gerüst, auf Gesang und Gitarrenbegleitung reduziert. Das war natürlich ein Wagnis, denn wie erreicht man ein Publikum in Wochenendlaune mit derartig leisen, teilweise ziemlich melancholischen Liedern, deren Texte der Mehrzahl der Anwesenden wegen mangelnder Englischkenntnisse verschlossen bleibt, deren musikalische Substanz weder durch besondere Originalität oder einer ungewohnt expressiven Vortragsweise auffiel? Die Texte der Stücke, meinte ein sprachgewandter "Versteher", entsprachen dem Charakter der Lieder, waren demnach ebenfalls keine elektrisierenden Statements. Also wie gelang den beiden dieses Kunststück, ihr Publikum für ihre Lieder zu begeistern? Dass ihnen das gelungen war, ist eine Tatsache.
Brendan nahm sich zwischen den Stücken für sein Publikum Zeit, erzählte von den kleinen Geschichten, die den Hintergrund der Stücke bildeten, erzählte von den kleinen Alltäglichkeiten seiner Tournee, von dem eindrucksvollen Erlebnis des Panorama-Gemäldes, witzelte ironisch, dass er seinen Landsleuten erzähle, dass seine neue Platte in Deutschland äußerst populär sei. Das kam schon mal gut an. Doch das reichte letztlich noch nicht, um dieses Publikum für sich zu gewinnen. Letztlich waren es dann Klassiker der Popmusikgeschichte wie "Blackbird" der Beatles, Merle Travis "Sixteen Tons", der Elvis-Hit "Fever" oder etwas schwungvollere Stücke mit partieller Gitarrenartistik von Declan, die dazu führten, dass das Publikum die beiden ins Herz schloss. Den Auftakt machte Brendan mit seinem sehr schönen, volksliedhaften "Walk with me", ein kleines, einfach strukturiertes Liebeslied, dann das etwas schwungvollere "Sunlight", eine Singleauskopplung aus seiner neusten CD-Veröffentlichung.
"Gospel Choir" leitete er damit ein, dass er von diesem Tauziehen zwischen Luther und dem Papst berichtete, welches er im Panorama-Gemälde entdeckt hatte, einem Streit, von dem sich Jesus Christus mit dem Lamm entnervt abwandte. Brendan erinnerte das an die katholischen Eiferer in Nordirland, die er in seiner Jugend erlebt hatte, an die dortigen Mauern und Zäune zwischen den unterschiedlichen Konfessionen und die vielen Polizisten und das Militär in den Straßen. "Coming Home" war eine Aufforderung an die irischen Auswanderer, die der wirtschaftlichen Misere in den 70ern und den 80ern zu entfliehen trachteten und es nun wieder bald tun werden. Plaudernd und singend gewannen die beiden Musiker zunehmend die Sympathie ihres Publikums und es bedurfte dann nur noch eines kleineren musikalischen Zündfunkens in Form bekannteren Stückes und schon war ein Konsens hergestellt.
Schöner und eigener erschienen mir jedoch diese leisen Balladen, diese unspektakulären Popliedchen wie "Walk with me", "Into your arms" oder "You make me feel", die ohne viel Schnickschnack ihre kleinen Botschaften transportierten. Eine etwas üppigere Instrumentierung, mal ein Cello, ein paar Pianoklänge oder vielleicht eine Mundharmonika-Passage hätten den Stücken gut getan und den Abend noch etwas abwechslungsreicher gestalten können.
Text und Foto: Fred Böhme

