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Touren der Architekten

Donnerstag, 14. Juni 2012, 18:00 Uhr
Nicht an diesem, sondern am nächsten Wochenende laden die Nordthüringer Architekten zu den diesjährigen Architektouren ein. In einem so genannten Preview, einer Vorschau, wurden heute in einem vorgestellten Objekt alle anderen erläutert...


Gebrüder Ostermann (Foto: nnz) Gebrüder Ostermann (Foto: nnz) Die Nordthüringer Architekten hatten sich das umgebaute Kinderhaus in Nordhausen-Ost als Vorschau-Ort ausgesucht. Eröffnet wurde die Vorschau auf den Tag der Architekturen durch die „Ostermann-Brüder“ Stefan und Thomas, die nicht nur in Nordhausen für attraktive Musik stehen, wenn sich Tasteninstrument und Saxophon ein Stelldichein geben.

Edith Bars als Vertreterin der Nordthüringer Kammergruppe begrüßte die Gästeschar, die sich aus hiesigen Architekten sowie Vertretern der unterschiedlichen Bauherren, wie zum Beispiel der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft Nordhausen (SWG) zusammensetzte.

Preview auf den Tag der Architektouren (Foto: khh) Preview auf den Tag der Architektouren (Foto: khh)

Neubau Jugendgästehaus Rothleimmühle

Notwendig war der Neubau des Jugendgästehauses mit insgesamt 78 Gästebetten, weil die Kapazität der bestehenden Jugendherberge „Rothleimmühle“ in Nordhausen dringend erweitert werden musste. Die u-förmige Baukörperanordnung und der südliche Laubengang des Neubaus nehmen Bezug auf den historischen Fachwerkkomplex der benachbarten Jugendherberge. Die Gestaltung des zweigeschossigen Gebäudes erfolgte in einer modernen und zeitgemäßen Architektursprache.

Damit wird der Eindruck einer „Bettenburg“ vermieden und ein offener und einladender Charakter des Gebäudes erreicht. Im Erdgeschoss sind die Sechsbettgästezimmer mit eigener Sanitärzelle barrierefrei und rollstuhlgerecht ausgeführt worden. Das Gebäude verfügt über eine kontrollierte Wohnraumlüftungsanlage und wird durch ein Blockheizkraftwerk in der benachbarten Jugendherberge beheizt.

Regenbogenhaus Nordhausen Ost

Das Kinderhaus wurde als DDR-Typenbau errichtet. Zielstellung der Stadt Nordhausen war, ein „innovatives und integratives Kinderhaus“ im Rahmen einer Stadtumbau-Ost-Förderung zu schaffen. Zum neuen Profil „vernetzter Erziehungs- und Bildungsarbeit“ zählen ein Kindergarten, eine Kinderkrippe, ein Eltern-Kind-Treff, eine schulvorbereitende Einrichtung, eine Jugendbetreuung sowie eine sozialdiakonische Beratungsstelle mit einem Andachtsraum und einem Speisesaal bzw. multifunktionalem Mehrzwecksaal für Stadtteilveranstaltungen.

Diese Herausforderung wurde mittels Umbau-, Erweiterungs- und Neubaumaßnahmen gemeistert und die Anforderungen hinsichtlich flexibler Raumaufteilungen, Akustik, Licht- und Energieeinsparung auf den neuesten Stand gebracht. Zusammen mit diesen vielseitigen Angebotsfunktionen und der Außenanlagengestaltung soll ein barrierefreier Verknüpfungstreffpunkt im sozialen Sinne für alle Stadtteilbewohner entstehen.

Freiflächengestaltung des Regenbogenhauses

Im Zuge der Neuordnung des Quartiers Nordhausen-Ost hat sich die Stadt Nordhausen dazu entschieden, zusätzlich zum Umbau des Gebäudes auch die vorhandenen Freiflächen des innovativen Kinderhauses umzugestalten. Der großzügig gestaltete Vorplatz lädt aufgrund seiner Einbettung in blühende Beete und seinem Wechsel aus sonnigen und halbschattigen Zonen zum Verweilen und Kommunizieren ein. Geschnittene Hecken verleihen dem Platz einen attraktiven Rahmen.

Die Außenanlagen wurden auf Wunsch der Nutzer so natürlich wie möglich gestaltet. Geleitet von dem Konzept, im Kinderhaus eine barrierefreie Nutzung für Menschen mit Behinderungen anzubieten, sind auch die Außenanlagen in dieser Hinsicht voll erlebbar. Eine geschwungene, behindertengerechte Rampe führt über den Rollerweg an die Spielgeräte, den Gemüsegarten, den Sinnespfad sowie an das Theater. Des Weiteren wurden der an das Kinderhaus angrenzende öffentliche Straßenbereich mit Begleitgrün sowie Straßen- und Platzbeleuchtung neu gestaltet

Neubau Zweifamilienhaus

Das Zweifamilienhaus entstand inmitten einer gewachsenen Struktur der Nordhäuser Oberstadt, in der sich jedes Gebäude weitestgehend seiner Entstehungszeit zuordnen lässt. Auch dieses Haus sollte durch seine klare und sachliche Form Ausdruck seiner Zeit sein. Das Gebäude hat zwei übereinanderliegende Wohnungen, in denen sich die einzelnen Wohnräume über große Glasflächen in Südrichtung öffnen.

Jede Wohnung verfügt über eine eigene Terrasse, von welcher bei schönem Wetter ein Blick auf den Kyffhäuser und das bekannte Denkmal genossen werden kann. Die innovative Haustechnik, mit Solar- und Photovoltaikanlage, komplettiert das im KfW-Standard errichtete Wohnhaus um die Aspekte Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit

Neubau Einfamilienhaus „Heidelbergblick“


Auf einem Hanggrundstück am nördlichen Stadtrand von Nordhausen entstand ein Einfamilienhaus mit einer Wohnfläche von circa 150 Quadratmetern für drei Personen. Realisiert wurde für die Familie ein großzügiges Raumkonzept mit den Bereichen Wohnen und Essen im Erdgeschoss und den privaten Räumen wie Bad und Schlafzimmer im Obergeschoss, verbunden durch eine offene Stahltreppe. Durch die Ausnutzung der Hanglage war die Einfügung einer Doppelgarage im Untergeschoss möglich. Ausgeführt wurde das Wohnhaus in zeitgemäßer und moderner Architektur; der Baukörper ist in zwei kubische und verputzte Gebäudeteile mit Pult- und Flachdach gegliedert. Wesentlich für die Gebäudegestaltung ist die großflächige Wohnzimmerverglasung mit unmittelbarem Zugang zu Terrasse und Garten.

Sanierung/Umbau Wohnquartier Nordhausen-Ost

Das Quartier in Nordhausen-Ost setzt nach der Baumaßnahme einen architektonischen Akzent in der vom Plattenbau geprägten Umgebung. Die 78 Wohnungen wurden nach KfW-85-Standard saniert. Neue Stilelemente vor schlichten Fassaden prägen das Quartier im Stadtraum. Hauseingänge, Blumenkästen, Loggien sowie Balkone setzen Farbakzente. Die äußere Hülle charakterisieren helle, warme Farben unter neuen Flugdächern, das Spiel verschieden tief angeordneter Fensteröffnungen sowie die Glasbrüstungen der Loggien und Balkone.

Die Grundrissänderungen, die freundlich gestalteten Treppenhäuser sowie die komplett erneuerte Haustechnik garantieren eine Wohnqualität nach aktuellen Standards. Vier barrierearme Wohnungen werden über einen Aufzug erschlossen. Die Gewerbeeinheiten waren nur eingeschränkt Sanierungsgegenstand. Für das Wohngebiet sieht ein Freiflächenkonzept der Stadt weitere Aufwertungen vor. Mit dessen Realisierung wird das Quartier in den nächsten Jahren weiter an Attraktivität gewinnen.

Sanierung/Umbau Pfarr- und Gemeindehaus Ellrich

Das denkmalgeschützte Pfarrhaus der Kirchgemeinde ist ein um circa 1650 erbautes Fachwerkhaus mit Sichtfachwerk, profilierter Balkenzone und späteren Anbauten. Das Gebäude stellt, in Verbindung mit der benachbarten St.-Johannis-Kirche, das Zentrum der Kirchgemeinde dar. Im direkten Widerspruch zur Bedeutung des Pfarrhauses standen die funktionalen und baulichen Konflikte.

Die neue Organisation des Raumprogrammes, die zimmermannsmäßige Reparatur der historischen Tragkonstruktion, die Maßnahmen zur Energieeinsparung, wie Wärmedämmlehmputz und Erneuerung der technischen Anlagen, sowie eine barrierefreie Erschließung waren Schwerpunkte der Planung. Nach Abschluss der Umbau- und Sanierungsmaßnahmen befinden sich im Erdgeschoss der Gemeindesaal, der Jugendraum, die Verwaltung sowie Nebenräume für Küche, WC und Technik. Die Räume im ersten Obergeschoss werden als Pfarrwohnung genutzt. Das Gemeindezentrum steht insgesamt elf Kirchgemeinden des Pfarrbereiches Ellrich zur Verfügung.

Edith Baars stellt die Objekte vor (Foto: nnz) Edith Baars stellt die Objekte vor (Foto: nnz)

Mit der Bahn unterwegs

Die Nordhäuser Architekten laden am Samstag (23. Juni) zu einer Architektour mit der Straßenbahn ein. Besichtigt werden vier Objekte, die am „tag der architektouren 2012“ in Nordhausen teilnehmen. Vor Ort erläutern die Entwurfsverfasser ihre Bauten.
Start 13.30 Uhr: Kinderhaus Nordhausen-Ost, Karl-Meyer-Straße 4–6
Ende 17.45 Uhr: Wohnquartier Nordhausen-Ost, C.-Fromann-Str. 11–27

Sanierung/Umbau Wohnanlage Weizenstraße

Im Sondershäuser Wohngebiet Wippertor vollzieht sich ein Wandel. Durch Rückbau und Sanierung wird Bausubstanz erhalten und auf Neubauniveau verbessert. Die Wohnanlage der WBG Fortschritt besitzt nun 21 energieeffiziente und generationengerechte Wohnungen. Wärmeversorgung auf Basis von Kraft-Wärme-Kopplung, Außenwanddämmung, Fußbodenheizung und kontrollierte Wohnraumlüftung garantieren eine hohe Nachhaltigkeit.

Die Wohnungen sind barrierefrei über Laubengänge und einen behindertengerechten Personenaufzug erreichbar. Durch eine Glasschiebewand zwischen Küche und Wohnzimmer kann der Wohnraum optimal genutzt werden. Die verschiebbare Verglasung der Balkone erhöht die jährliche Nutzungsdauer und bringt durch passive Sonnenenergienutzung zusätzliche Energie. Das anfallende Regenwasser wird in einer Zisterne gespeichert und kann zur Gartenbewässerung genutzt werden. Eine großzügige Freianlage mit Mietergärten, Stellplätzen und viel Grün macht das Wohnen mitten in der Stadt zum Genuss

Mittelrisalit Stadtschloss Bad Frankenhausen

Der Schub. Kein „copy and paste“. Kein bloßer Ersatz des schwer geschwächten Bauteils. Ein neuer alter Mittelrisalit am Einzeldenkmal Stadtschloss war nicht statthaft. Nüchterne Funktionalität (Raumbedarf, Brandschutz, Fluchtweg, Barrierefreiheit) übersetzt in eine zeitgenössische Architektursprache forderte eine neue Lösung: bei kleinem Budget, widerstreitenden Interessen, Vorschriftendschungel und sumpfigem Grund.

Keine leichte Aufgabe. Die bisherige Kubatur wurde als massives Bauteil an gleicher Stelle wieder aufgeführt, die Giebelwand jedoch schubkastenartig um zehn Meter herausgezogen. Die neue Giebelwand verweist mit ihren Öffnungen auf das Ursprungsbauteil. Zwischen Schloss und neuer Giebelwand entstandene Fassaden wurden horizontal gegliedert, großzügig verglast und mit einem Flachdach versehen, sodass der Eindruck eines aufgezogenen Risalits entsteht. Der fünfgeschossige Bau beherbergt Foyer, Haupttreppenhaus, Aufzug, Zugänge zu den Bestandsebenen sowie Arbeitsräume.
Autor: nnz

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