Jobmotor Kita
Donnerstag, 19. Juli 2012, 08:50 Uhr
In Thüringens Kitas ist die Zahl der pädagogischen Fachkräfte in den vergangenen fünf Jahren um fast 22 Prozent gestiegen. Inzwischen arbeiten in Thüringen 12.500 Erzieherinnen in Kindertageseinrichtungen. Fünf Jahre zuvor waren es 10.300 Fachkräfte. Dies geht aus dem diesjährigen Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme hervor, den die Bertelsmann Stiftung heute veröffentlicht...
Entgegen bisheriger Berechnungen geht die Bertelsmann Stiftung auch für die ostdeutschen Bundesländer künftig von Fachkräftebedarf aus und empfiehlt mehr Anreize zur Vollzeitbeschäftigung.
Der Grund liegt in den derzeit noch ungünstigen Personalschlüsseln, die eine qualitativ hochwertige Kinderbetreuung erschweren. Der von der Bertelsmann Stiftung für Krippen empfohlene Personalschlüssel von 1:3 ist in Thüringen noch nicht realisiert. Zwar hat Thüringen im Vergleich der ostdeutschen Bundesländer den besten Personalschlüssel in Krippen. Er liegt mit 1:4,9 aber immer noch über dieser Empfehlung und zugleich über dem durchschnittlichen Personalschlüssel der westlichen Bundesländer, der bei 1:3,8 liegt.
Während aufgrund des Rechtsanspruchs auf einen Kita-Platz ab dem vollendeten ersten Lebensjahr, der am 1. August kommenden Jahres in Kraft tritt, im Westen bis zu 15.000 Fachkräfte fehlen werden, gingen bisherige Berechnungen für die östlichen Bundesländer nicht von einem Fachkräftebedarf aus. Der neue Ländermonitor zeigt jedoch, dass für einen nach wie vor erforderlichen Qualitätsausbau in Thüringen im U 3-Bereich ein Bedarf an zusätzlichen Erzieherinnen sehr wahrscheinlich ist.
Wie in fast allen Bundesländern sind auch in Thüringen die meisten Erzieherinnen in Teilzeit beschäftigt. Während über alle Branchen hinweg in Deutschland etwa jeder dritte Arbeitnehmer in Teilzeit arbeitet, sind es in Thüringens Kitas 61 Prozent der pädagogischen Fachkräfte. Der Trend jedoch weist klar in Richtung Vollzeitbeschäftigung. Innerhalb nur eines Jahres hat Thüringen es geschafft, den Anteil der Vollzeitbeschäftigten von 28 auf 39 Prozent zu erhöhen. So stieg zwischen 2010 und 2011 die Zahl der Vollzeitarbeitsplätze um 1.800, die Zahl der Teilzeitarbeitsplätze ging gleichzeitig um 320 zurück.
Die Landesregierung hatte die Träger von Kindertageseinrichtungen verpflichtet zu prüfen, ob und wie Erzieherinnen ihre Stundenzahl ausweiten können. Damit zeigt Thüringen, dass gezielte Förderung von Vollzeitbeschäftigungsverhältnissen wirksam sein kann. Das Land liegt damit mit seinem Anteil der Vollzeitkräfte im Osten vorn, allerdings noch erheblich hinter dem bundesweiten Spitzenreiter Nordrhein-Westfalen, wo 56 Prozent aller Beschäftigten in Kitas Vollzeit arbeiten.
Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung, bewertet den Anstieg an Vollzeitbeschäftigung positiv und empfiehlt, diesen Weg nicht nur in Thüringen fortzusetzen, sondern auch in anderen Bundesländern zu gehen: Kinder brauchen in ihrer Kita eine feste Bezugsperson. Das ist eine zentrale Frage der Qualität außerfamiliärer Kinderbetreuung. Weil in Thüringen bereits die meisten Kinder ganztags in die Kita gehen – 88 Prozent der Kita-Kinder unter drei Jahren und über 92 Prozent der Kita-Kinder über drei Jahre werden mehr als sieben Stunden täglich betreut – ist dieser Qualitätsanspruch nur einzulösen, wenn die meisten pädagogischen Fachkräfte in Vollzeit arbeiten. Außerdem biete eine Aufstockung der Stundenzahl bei möglichst vielen Teilzeitkräften die Möglichkeit, den sich aus einer Verbesserung der Personalschlüssel ergebenden Fachkräftebedarf zu decken.
Der Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme der Bertelsmann Stiftung ist ein Internetportal, das alle wichtigen Daten und Fakten zu Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege bundesweit sowie für jedes einzelne Bundesland aufbereitet. Grundlage sind Daten der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder aus der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik. Die Berechnungen hat der Forschungsverbund DJI/TU Dortmund durchgeführt.
Der Ländermonitor stellt die Informationen transparent dar, ermöglicht Ländervergleiche und setzt damit Impulse für eine datengestützte und zielgerichtete Weiterentwicklung bestehender Bildungs- und Betreuungsangebote in Deutschland. http://www.laendermonitor.de
Autor: nnzEntgegen bisheriger Berechnungen geht die Bertelsmann Stiftung auch für die ostdeutschen Bundesländer künftig von Fachkräftebedarf aus und empfiehlt mehr Anreize zur Vollzeitbeschäftigung.
Der Grund liegt in den derzeit noch ungünstigen Personalschlüsseln, die eine qualitativ hochwertige Kinderbetreuung erschweren. Der von der Bertelsmann Stiftung für Krippen empfohlene Personalschlüssel von 1:3 ist in Thüringen noch nicht realisiert. Zwar hat Thüringen im Vergleich der ostdeutschen Bundesländer den besten Personalschlüssel in Krippen. Er liegt mit 1:4,9 aber immer noch über dieser Empfehlung und zugleich über dem durchschnittlichen Personalschlüssel der westlichen Bundesländer, der bei 1:3,8 liegt.
Während aufgrund des Rechtsanspruchs auf einen Kita-Platz ab dem vollendeten ersten Lebensjahr, der am 1. August kommenden Jahres in Kraft tritt, im Westen bis zu 15.000 Fachkräfte fehlen werden, gingen bisherige Berechnungen für die östlichen Bundesländer nicht von einem Fachkräftebedarf aus. Der neue Ländermonitor zeigt jedoch, dass für einen nach wie vor erforderlichen Qualitätsausbau in Thüringen im U 3-Bereich ein Bedarf an zusätzlichen Erzieherinnen sehr wahrscheinlich ist.
Wie in fast allen Bundesländern sind auch in Thüringen die meisten Erzieherinnen in Teilzeit beschäftigt. Während über alle Branchen hinweg in Deutschland etwa jeder dritte Arbeitnehmer in Teilzeit arbeitet, sind es in Thüringens Kitas 61 Prozent der pädagogischen Fachkräfte. Der Trend jedoch weist klar in Richtung Vollzeitbeschäftigung. Innerhalb nur eines Jahres hat Thüringen es geschafft, den Anteil der Vollzeitbeschäftigten von 28 auf 39 Prozent zu erhöhen. So stieg zwischen 2010 und 2011 die Zahl der Vollzeitarbeitsplätze um 1.800, die Zahl der Teilzeitarbeitsplätze ging gleichzeitig um 320 zurück.
Die Landesregierung hatte die Träger von Kindertageseinrichtungen verpflichtet zu prüfen, ob und wie Erzieherinnen ihre Stundenzahl ausweiten können. Damit zeigt Thüringen, dass gezielte Förderung von Vollzeitbeschäftigungsverhältnissen wirksam sein kann. Das Land liegt damit mit seinem Anteil der Vollzeitkräfte im Osten vorn, allerdings noch erheblich hinter dem bundesweiten Spitzenreiter Nordrhein-Westfalen, wo 56 Prozent aller Beschäftigten in Kitas Vollzeit arbeiten.
Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung, bewertet den Anstieg an Vollzeitbeschäftigung positiv und empfiehlt, diesen Weg nicht nur in Thüringen fortzusetzen, sondern auch in anderen Bundesländern zu gehen: Kinder brauchen in ihrer Kita eine feste Bezugsperson. Das ist eine zentrale Frage der Qualität außerfamiliärer Kinderbetreuung. Weil in Thüringen bereits die meisten Kinder ganztags in die Kita gehen – 88 Prozent der Kita-Kinder unter drei Jahren und über 92 Prozent der Kita-Kinder über drei Jahre werden mehr als sieben Stunden täglich betreut – ist dieser Qualitätsanspruch nur einzulösen, wenn die meisten pädagogischen Fachkräfte in Vollzeit arbeiten. Außerdem biete eine Aufstockung der Stundenzahl bei möglichst vielen Teilzeitkräften die Möglichkeit, den sich aus einer Verbesserung der Personalschlüssel ergebenden Fachkräftebedarf zu decken.
Der Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme der Bertelsmann Stiftung ist ein Internetportal, das alle wichtigen Daten und Fakten zu Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege bundesweit sowie für jedes einzelne Bundesland aufbereitet. Grundlage sind Daten der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder aus der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik. Die Berechnungen hat der Forschungsverbund DJI/TU Dortmund durchgeführt.
Der Ländermonitor stellt die Informationen transparent dar, ermöglicht Ländervergleiche und setzt damit Impulse für eine datengestützte und zielgerichtete Weiterentwicklung bestehender Bildungs- und Betreuungsangebote in Deutschland. http://www.laendermonitor.de
