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Sonderbares aus Sondershausen (12)

Dienstag, 28. August 2012, 00:19 Uhr
Die Gebietsreform - oder von der Last gestalten zu dürfen. In der Reihe Sonderbares aus Sondershausen geht es mal mehr um den Kreis, mit seinen Problemen...

“Landkreise kommen und gehen, die Städte bleiben.“ So steht es irgendwo tief in den verschlungenen Ganglien meiner Gehirnwindungen geschrieben und leider muss ich die Quellenangabe zu diesem ehrwürdigen Zitat schuldig bleiben, denn keine der von mir benutzten datenschutzfreundlichen Suchmaschinen konnte meine bittende Suchanfrage befriedigend beantworten. Vielleicht ist die Quelle aufgrund ihrer Brisanz aber auch bereits der Internetzensur zum Opfer gefallen. In meinem Hinterkopf war der Satz jedenfalls abgespeichert, obwohl ich den Sinn seinerzeit nicht gänzlich erfasst hatte. Beim Lesen der aktuellen kn-Artikel ging mir dann plötzlich ein Licht auf.

Es ist doch seit Jahren bekannt, dass sich bei den Verwaltungsstrukturen etwas tun muss und wenn die Welt von der Globalisierung heimgesucht wird, sich Europa, wenn auch unter Qualen, formiert, sich Kommunen freiwillig zusammenschließen und über eine Neustrukturierung der Bundesländer diskutiert wird, warum sollen dann die Landkreise, ausgerechnet die Landkreise vom Gang der Dinge ausgenommen bleiben? Aber nichts hat sich getan in dem Bereich, kaum einen Millimeter ist man aufeinander zugegangen und die meisten Chancen im Verantwortungsbereich der Landkreise, wie etwa bei der Neuordnung der Entsorgungsstrukturen, sind tatenlos vertan worden, wenn nicht hier und da die Städte in die Bresche gesprungen sind.

Nun, da die Kopf-in-den-Sand Taktik nicht mehr funktioniert, ist das Gegacker groß und hätten wir nicht jüngst neue, dynamische Landrätinnen bekommen, die nicht nur gerade viel um die Ohren haben, sondern darüber hinaus offensichtlich noch nicht der Fähigkeit beraubt sind, über den Tellerrand zu blicken, wäre das Geschrei sicher noch viel größer. So aber beschränkt sich die vehemente Kritik gegenwärtig auf Institutionen, die das zementieren von Zuständen und nichts sonst, über Jahrzehnte geübt und praktiziert haben.

Sicher ist die Zahl der durch einen Landrat zu betreuenden Bürger stetig gesunken, das Betreuungsverhältnis gewissermaßen fast schon familiär, wobei die kommunalen Zusammenschlüsse weitere Zuständigkeitseinbußen verursacht haben, aber der demografische Wandel ist doch nicht das einzige Argument, das zwingt, über eine Gebietsreform nachzudenken. Die Aufgaben bzw. die Art der Abwicklung der Interaktion mit der Behörde Landratsamt haben sich so stark gewandelt, dass die räumliche Nähe des Bürgers zu seinem Landrat immer weiter in den Hintergrund getreten ist. Man muss auf dem Landratsamt weder gelbe Säcke abholen noch Müllmarken zurückrechnen. Und der Gebührenbescheid kommt mit der Post.

Welche Aufgaben haben sie denn, die Landkreise? Vieles ließe sich ohne Qualitätseinbuße weiter zentralisieren und was unbedingt vor Ort und in der Fläche passieren muss, wäre auch gut dezentral zu organisieren, so es nicht von den größeren Kommunen übernommen werden kann oder bereits wird.

Größere Strukturen haben nicht nur Nachteile, im Gegenteil, der Nahverkehr oder die Verkehrsplanung schlechthin macht nicht vor den Kreisgrenzen halt, die Müllentsorgung oder besser eine Wertstoffwirtschaft machen in größeren Dimensionen ohnehin mehr Sinn, Flüsse und Bäche plätschern munter quer durch ganz Europa, Pendler pendeln ungebremst über Landkreisgrenzen… Und seine Identität und Heimatverbundenheit findet der Bürger letztlich nicht im Kunstgebilde Landkreis, daran ändern auch Pläne nichts, die KFZ-Kennzeichenkombinationen in eine bunte Buchstabensuppe zu verwandeln.

Doch nun Schluss damit, denn wenn ich weiter drüber nachdenke und meine Synapsen frei agieren lasse, könnte die Frage aufkommen, wozu Landkreise eigentlich gut sind. Also Kopf aus dem Sand und gucken, wohin die Reise gehen könnte. denn zu viel Zeit ist bereits tatenlos verstrichen. “Du musst Amboss oder Hammer sein“ schrieb einst Johann Wolfgang von Goethe. Daran erinnere ich mich auch ohne Suchmaschine und ein wenig mithämmern sollte der Kyffhäuserkreis schon, wenn es um die Neustrukturierung Unserer Heimat geht.

Eric Sommer
Autor: khh

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