Von der 9. Ebelebener Werkstattlesung
Freitag, 09. November 2012, 15:40 Uhr
Tief beeindruckt waren die etwa 100 Zuhörer der 9. Ebelebener Werkstattlesung. Gemeinsam mit dem "Bündnis gegen rechts" war es Bürgermeister Uwe Vogt gelungen, die Lesung mit der Holocaust- Überlebenden Eva Pusztai nach Ebeleben zu holen. Dazu erreichte kn folgender Bericht.
Am Vormittag hatte Frau Pusztai zu Jugendlichen im Scholl- Gymnasium- Sondershausen gesprochen, einen Tag später, am 9. November, nahm sie an einer Gedenkveranstaltung am Erinnerungsort Topf & Söhne in Erfurt teil.
Nach der Begrüßung durch den Bürgermeister und den Grußworten der Projektleiterin von "Lernen vor Ort", Cornelia Naumann übernahm Claudia Vogt die Lesung, über die Eva Pusztai sagte, das sei nicht nur eine Lesung sondern eine Hommage und Würdigung gewesen. Mit viel Akribie hatte sich Frau Vogt auf die Lesung vorbereitet und sagte, dass die Konfrontation mit der schrecklichen Vergangenheit des Nationalsozialismus zwar zur Erziehung und Bildung der DDR gehörte, eine wirkliche Auseinandersetzung mit dem Thema sei jedoch erst nach der Wende möglich gewesen. "Es ist nun für fast alle Deutsche nicht mehr die eigene Vergangenheit sondern die Vergangenheit unseres Landes", sagte sie.
In Auszügen aus dem Buch "Die Seele der Dinge" wurden die Zuhörer mit dem Schicksal der ungarischen Jüdin Eva Pusztai konfrontiert. Dabei sind die Schwerpunkte des Buches nicht auf die erlittenen Qualen sondern vielmehr auch auf einen dankbaren Rückblick auf die Kindheit und Jugend der Autorin und alle Erinnerungen an diese Zeit mit der Familie und Freunden gelegt. Somit ist das Buch keine Anklage, sondern der Wunsch nach dem Erinnern und damit dem Aussöhnen mit dem Geschehenen. Sehr liebevoll wird die Familie geschildert. Abrupt ändert sich die Situation im Frühjahr 1944, als die Deportation aus Debrecen und anschließende Selektion in Auschwitz beginnt. Emotional ist die Schilderung der Liquidierung des Zigeunerlagers, der Schreie und dem Gebrüll der SS- Leute sowie dem Wimmern der Kinder einer der Höhepunkte der Lesung, während der absolute Stille in der Zuhörerschaft herrscht. Aber auch die Überlebensstrategie von Frau Pusztai ist mehr als eindrucksvoll, sie, die aus gebildetem Hause kommt, in dem Deutsch als zweite Muttersprache gesprochen wurde, hatte mit großer Leidenschaft die deutschen Klassiker gelesen.
Im Winter 1944/1945, inzwischen im Arbeitslager Stadtallendorf in Hessen, will sie in der Kälte fast aufgeben zu leben, aber die Erinnerung an die Familie und ein eiserner Wille lässt sie überleben. Heute ist Frau Pusztai dankbar dafür, dass man sich in Deutschland viel mehr als in Ungarn, das schließlich mit Nazideutschland kollaborierte, mit der Vergangenheit aktiv auseinandersetzte. Es gab viel Beifall für die Lesung von Frau Vogt und tief gehende Dankesworte durch die Autorin Eva Pusztai. Nach einer Pause stellte sich nun die Autorin selbst den Fragen des Publikums. Sie nahm Bezug darauf, warum sie im hohen Alter von fast 88 Jahren immer noch aktiv ist, um bei den Menschen das Vergessen an die schreckliche Zeit des Holocaust zu verhindern.
In Ungarn gibt es heutzutage keine 100 Juden mehr, die den Holocaust überlebt haben. Bewusst habe sie den Zeitraum um den 9. November für den Besuch gewählt. In Beantwortung der Fragen sagte sie, dass ihr der Glauben (sie wurde, obwohl sie Jüdin war, an einer katholischen Schule erzogen) Kraft gegeben habe, das alles zu überstehen. Literatur, die sie in der Kinder- und Jugendzeit gelesen hatte, aber auch Theateraufführungen im Lager gaben ihr die Kraft, den Hunger irgendwie zu überwinden. Natürlich erfüllten sie die rechtsextremen Tendenzen in Ungarn mit großer Sorge. Froh sei sie, dass man schon vor gut 20 Jahren in Stadtallendorf die Erinnerung an die Zeit des Lagers durch Veranstaltungen wach gerufen habe. "Die Erinnerungen an meine Jugend liefen vor meinem geistigen Auge ab, dass ich einfach schreiben musste", sagte Frau Pusztai.
Die vielen Zuhörer, die nicht nur aus Ebeleben bzw. dem Kyffhäuserkreis kamen, waren sich einig: eine eindrucksvolle Veranstaltung, gepaart aus Lesung und Gespräch, dass die Erinnerung an eine schreckliche Zeit wach hält.
Text und Foto: Uwe Vogt
Autor: khhAm Vormittag hatte Frau Pusztai zu Jugendlichen im Scholl- Gymnasium- Sondershausen gesprochen, einen Tag später, am 9. November, nahm sie an einer Gedenkveranstaltung am Erinnerungsort Topf & Söhne in Erfurt teil.
Nach der Begrüßung durch den Bürgermeister und den Grußworten der Projektleiterin von "Lernen vor Ort", Cornelia Naumann übernahm Claudia Vogt die Lesung, über die Eva Pusztai sagte, das sei nicht nur eine Lesung sondern eine Hommage und Würdigung gewesen. Mit viel Akribie hatte sich Frau Vogt auf die Lesung vorbereitet und sagte, dass die Konfrontation mit der schrecklichen Vergangenheit des Nationalsozialismus zwar zur Erziehung und Bildung der DDR gehörte, eine wirkliche Auseinandersetzung mit dem Thema sei jedoch erst nach der Wende möglich gewesen. "Es ist nun für fast alle Deutsche nicht mehr die eigene Vergangenheit sondern die Vergangenheit unseres Landes", sagte sie.
In Auszügen aus dem Buch "Die Seele der Dinge" wurden die Zuhörer mit dem Schicksal der ungarischen Jüdin Eva Pusztai konfrontiert. Dabei sind die Schwerpunkte des Buches nicht auf die erlittenen Qualen sondern vielmehr auch auf einen dankbaren Rückblick auf die Kindheit und Jugend der Autorin und alle Erinnerungen an diese Zeit mit der Familie und Freunden gelegt. Somit ist das Buch keine Anklage, sondern der Wunsch nach dem Erinnern und damit dem Aussöhnen mit dem Geschehenen. Sehr liebevoll wird die Familie geschildert. Abrupt ändert sich die Situation im Frühjahr 1944, als die Deportation aus Debrecen und anschließende Selektion in Auschwitz beginnt. Emotional ist die Schilderung der Liquidierung des Zigeunerlagers, der Schreie und dem Gebrüll der SS- Leute sowie dem Wimmern der Kinder einer der Höhepunkte der Lesung, während der absolute Stille in der Zuhörerschaft herrscht. Aber auch die Überlebensstrategie von Frau Pusztai ist mehr als eindrucksvoll, sie, die aus gebildetem Hause kommt, in dem Deutsch als zweite Muttersprache gesprochen wurde, hatte mit großer Leidenschaft die deutschen Klassiker gelesen.
Im Winter 1944/1945, inzwischen im Arbeitslager Stadtallendorf in Hessen, will sie in der Kälte fast aufgeben zu leben, aber die Erinnerung an die Familie und ein eiserner Wille lässt sie überleben. Heute ist Frau Pusztai dankbar dafür, dass man sich in Deutschland viel mehr als in Ungarn, das schließlich mit Nazideutschland kollaborierte, mit der Vergangenheit aktiv auseinandersetzte. Es gab viel Beifall für die Lesung von Frau Vogt und tief gehende Dankesworte durch die Autorin Eva Pusztai. Nach einer Pause stellte sich nun die Autorin selbst den Fragen des Publikums. Sie nahm Bezug darauf, warum sie im hohen Alter von fast 88 Jahren immer noch aktiv ist, um bei den Menschen das Vergessen an die schreckliche Zeit des Holocaust zu verhindern.
In Ungarn gibt es heutzutage keine 100 Juden mehr, die den Holocaust überlebt haben. Bewusst habe sie den Zeitraum um den 9. November für den Besuch gewählt. In Beantwortung der Fragen sagte sie, dass ihr der Glauben (sie wurde, obwohl sie Jüdin war, an einer katholischen Schule erzogen) Kraft gegeben habe, das alles zu überstehen. Literatur, die sie in der Kinder- und Jugendzeit gelesen hatte, aber auch Theateraufführungen im Lager gaben ihr die Kraft, den Hunger irgendwie zu überwinden. Natürlich erfüllten sie die rechtsextremen Tendenzen in Ungarn mit großer Sorge. Froh sei sie, dass man schon vor gut 20 Jahren in Stadtallendorf die Erinnerung an die Zeit des Lagers durch Veranstaltungen wach gerufen habe. "Die Erinnerungen an meine Jugend liefen vor meinem geistigen Auge ab, dass ich einfach schreiben musste", sagte Frau Pusztai.
Die vielen Zuhörer, die nicht nur aus Ebeleben bzw. dem Kyffhäuserkreis kamen, waren sich einig: eine eindrucksvolle Veranstaltung, gepaart aus Lesung und Gespräch, dass die Erinnerung an eine schreckliche Zeit wach hält.
Text und Foto: Uwe Vogt



