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Fachkräfte sichern

Montag, 19. November 2012, 13:19 Uhr
Aufstieg und Qualifizierung im Unternehmen – das ist das Ziel einer neuen Weiterbildungs- und Qualifizierungsinitiative, die das Thüringer Wirtschafts- und Arbeitsministerium gemeinsam mit Wirtschaft, Gewerkschaften und der Bundesagentur für Arbeit heute offiziell startet...


Den Fokus richtet diese Initiative auf Arbeitnehmer, denen Aufstiege im Unternehmen ermöglicht werden sollen. „Diese Weiterbildungsoffensive leistet einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung“, sagte Arbeitsminister Matthias Machnig heute in Erfurt. „Gleichzeitig können sich Beschäftigte, die sich beruflich weiterentwickeln wollen, neue Perspektiven erschließen.“

Die Weiterbildungsinitiative will dem Thema „Aufstieg und Fortbildung im Betrieb“ mit gezielter Information und Beratung einen neuen Schub geben. Dazu wird eine Reihe von Informationsveranstaltungen und Kursen zum Thema Weiterbildung angeboten, die sich an Unternehmer, an Personalverantwortliche, Betriebs- und Personalräte sowie an Mitglieder der Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände richten. Zudem werden geeignete Fördermöglichkeiten für Beschäftigte gebündelt und beworben – beispielsweise der Thüringer Weiterbildungsscheck, das sogenannte Meister-Bafög und die Förderung des Masterstudiums.

Ziel dieser neuen Weiterbildungsinitiative ist die Anhebung des Qualifikationsniveaus in den Unternehmen. Sie richtet sich gerade an jene Beschäftigte, die formal gut qualifiziert sind, aber über einen langen Zeitraum unter ihrer Qualifikation beschäftigt wurden. Im Sinne eines „Paternostermodells“ sollen sie sich Stufe um Stufe weiterbilden und sich im Idealfall von einer Angelerntenposition zu einem gehobenen Facharbeiter weiterentwickeln können. „Wir wollen das verborgene Fachkräftepotenzial in den Unternehmen ausschöpfen“, sagte Machnig. „Dies führt zu einer Win-Win-Situation für beide Seiten – für Arbeitnehmer und Arbeitgeber.“

„Eine Qualifizierungsoffensive braucht ein starkes Bündnis aus Wirtschaft, Gewerkschaften und Bundesagentur für Arbeit, das unterschiedliche Maßnahmen umsetzen kann“, so der Arbeitsminister. Durchgeführt wird die Initiative daher gemeinsam vom Thüringer Wirtschafts- und Arbeitsministerium, von den Industrie- und Handelskammern, den Handwerkskammern, vom Verband der Wirtschaft Thüringens, vom DGB Hessen-Thüringen sowie der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt/Thüringen der Bundesagentur für Arbeit. Folgende Maßnahmen sind unter anderen geplant:
  • Die Thüringer Kammern bieten Weiterbildungsmöglichkeiten für Personal­verant­wortliche der Unternehmen an (Inhaber/Geschäfts­führer/Perso­nal­leiter). Über entsprech­ende Seminare und Workshops werden Teilnehmer im Hinblick auf die Notwendigkeit und die Möglichkeiten der Weiterbildung ihrer Arbeitnehmer­innen und Arbeitnehmer geschult.
  • Die vom Thüringer Wirtschaftsministerium geförderten Qualifizierungsberater unterstützen diesen Prozess und beraten die Unternehmen zu Weiterbildungs- und Fachkräftefragen.
  • Über Möglichkeiten der Weiterbildung wird auf den Internetseiten der GfAW (www.qualiservice-thueringen.de und www.qualifizierte-fachkraefte.de) informiert. Zur Koordinierung, Beratung und Betreuung von Unternehmen hinsichtlich der Förderung stehen zudem die ESF-geförderten Qualifi­zierungsberater zur Verfügung.
  • Die Angebote für eine berufliche Weiterbildung und deren Förderung in Thüringen werden durch Informationsmaterial beworben.
  • Die Kammern sowie Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände starten in ihren Gremien, Vollversammlungen, Kammer- bzw. Verbandszeitschriften etc. eine Informations­reihe zum Thema Weiterbildung.
  • Der DGB und seine Gewerkschaften informieren Betriebs- und Personalräte und die Gewerkschaftsmitglieder in Versammlungen und Publikationen über Möglichkeiten der Weiter­bildung- und Qualifizierung.
  • Die Vermittlungsfachkräfte des Arbeitgeberservices der Thüringer Agenturen für Arbeit bieten den Unternehmen umfassende Informationen über die Entwicklung auf dem Fachkräftemarkt und über Personalent­wicklungsmöglichkeiten der Beschäftigten an.
„Nach einer aktuellen Umfrage wollen 37 Prozent von 700 befragten Thüringer Firmen ihr Weiterbildungsengagement ausweiten. Bereits 80 Prozent dieser Unternehmen setzen kontinuierlich auf Fortbildung. Für mehr als die Hälfte dieser Betriebe ist es das entscheidende Mittel zur Nachbesetzung bei altersbedingt ausscheidenden Fachkräften. Die Thüringer Industrie- und Handelskammern setzen sich in den kommenden Monaten intensiv dafür ein, den Personalentscheidern im Rahmen von modulartigen Workshops die Bedeutung des Themas Weiterbildung näher zu bringen", sagte Gerald Grusser, Hauptgeschäftsführer der IHK Erfurt.

"Im Handwerk ist die kontinuierliche Weiterbildung mit den Schritten Lehrling, Geselle und Meister tief verankert. Diese Karriereleiter hat zusätzlich viele Sprossen mit zahlreichen speziellen Fortbildungsangeboten“, sagte Stefan Lobenstein, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Thüringer Handwerkskammern. „Unser Ziel muss sein, diese Qualifizierungstradition der aktuellen Handwerkergeneration zu vermitteln und zusätzlich Quereinsteigern mit unseren Angeboten den Zugang ins Handwerk zu erleichtern. Die Weiterbildungsinitiative sehen wir daher als Chance, einen größeren Kreis an potenziellen Fachkräften für unsere Betriebe zu erschließen."

„Mit dieser Initiative erhalten die Beschäftigten eine Chance mehr, ihre Kenntnisse und Fähigkeiten stärker einzubringen und sich weiter zu entwickeln als bisher“, sagte Stefan Körzell, Vorsitzender des DGB Hessen-Thüringen. „Wir Gewerkschaften wollen dafür sorgen, dass sie davon auch Gebrauch machen. Insofern tragen wir von der Beschäftigtenseite her zu einem Umsteuern bei, ohne das alle Bemühungen in den Fragen von Aus- und Weiterbildung ins Leere laufen würden. Längerfristig erfolgreich werden wir allerdings nur sein können, wenn eine Weiterbildungskultur positiv bewertet und fester Bestandteil des Arbeitsalltags wird.“

"Der kontinuierliche Ausbau der Weiterbildung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, auch von bereits erfahrenen Mitarbeitern, steht für die nächsten Jahre auf der Agenda der betrieblichen Personalpolitik. Gerade durch innerbetriebliche Aufstiege werden Arbeitsplätze frei, die für Beschäftigte mit geringeren Qualifikationsanforderungen geeignet sind und durch Arbeitslose ausgefüllt werden können. Dieses Feld der Personalentwicklung sehen die Unternehmen seit jeher als eines ihrer Kerngeschäfte", sagte Anette Morhard, Geschäftsführerin Bildung- und Gesellschaftspolitik des VWT.
Autor: nnz

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