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Warum Unternehmen scheitern

Mittwoch, 09. Januar 2013, 13:07 Uhr
In den ersten drei Quartalen 2012 mussten rund 300 Thüringer Unternehmen Insolvenz anmelden, 2.300 Beschäftigte verloren dadurch ihre Arbeit. Hintergründe und Antworten auf die Frage in der Überschrift wie immer in Ihren Nordthüringer Online-Zeitungen...


Per Saldo wurden im letzten Jahr mehr Firmen ab- als angemeldet. Eine aktuelle Untersuchung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt belegt: Ein Drittel aller Betriebe scheitert in den ersten vier Jahren nach der Gründung. Seit 1995 betreut und begleitet die Kammer Unternehmen in wirtschaftlichen Schwierigkeiten.

„Erst wenn die Bank die Kreditlinien kürzt, gute Mitarbeiter das Unternehmen verlassen oder Probleme wegen fehlender Liquidität den Geschäftsbetrieb beeinträchtigen, wird über Veränderungen nachgedacht“, berichtet IHK-Hauptgeschäftsführer Gerald Grusser.

Inhaber und Geschäftsführer hätten oftmals das Problem, dass sie durch schlechtes Controlling, Unwissenheit oder ganz einfach Ignoranz die aufkommenden Krisenanzeichen erst wahrnehmen oder anerkennen, wenn diese bereits existenzbedrohende Ausmaße angenommen haben.

Nach den Erfahrungen der IHK-Berater liegen bei rund 75 Prozent der Unternehmen in wirtschaftlichen Schwierigkeiten die Defizite im Management begründet, fast ein Drittel hat eine mangelhafte Finanzierungsbasis und bei 13 Prozent sind Forderungsausfälle für die Schieflage des Betriebes verantwortlich.

„Dabei sind besonders in der ersten Krisenphase Fehlentwicklungen noch einfach und mit geringem Aufwand zu korrigieren. Je später aber reagiert wird, desto größer ist das Risiko einer Insolvenz“, so Grusser. Gerade ein Liquiditätsdefizit führe oftmals dazu, dass sich auch andere, externe Bedingungen verschlechtern. Die Abwärtsspirale verstärke sich, da der Unternehmer einen großen Teil seiner Arbeitszeit damit verbringt, sich um Liquidität zu bemühen, mit Kunden und Lieferanten zu sprechen, sie hinzuhalten oder zu beschwichtigen.

„In dieser Situation ist die Insolvenz meist nur noch zu vermeiden, wenn ein Sanierungskonzept erstellt und konsequent umgesetzt wird“, rät der IHK-Chef. Dazu sollte unbedingt auch der Rat von Fachleuten und Gutachtern eingeholt werden.

Ob die Hausbank ein Sanierungsgutachten akzeptiert und mitträgt, um die drohende Insolvenz abzuwenden, hänge von vielen Faktoren ab, wesentlich aber vom Vertrauen in die Kompetenz des Unternehmers. Spätestens an dieser Stelle zeige sich, was für Auswirkungen eine verspätete und missachtete Reaktion auf wirtschaftliche Probleme verursachen kann. Die Banken erwarteten plausible Sanierungskonzepte von unabhängigen Unternehmensberatern, die anhand von Markt- und Prognosedaten darlegen, unter welchen Bedingungen eine positive Fortführung des Betriebes möglich ist.

Seit 1995 begleitet die IHK Erfurt Unternehmen in wirtschaftlichen Schwierigkeiten und bietet Unterstützung an. Die Kammer arbeitet dabei eng mit der KfW-Mittelstandsbank zusammen. Bis heute wurden rund 2.260 Mitgliedsbetriebe in Krisensituationen beraten. Bei rund zwei Dritteln der betreuten Firmen waren die Sanierungsbemühungen in den ersten Jahren nach der Krise erfolgreich und halfen diese wieder zu stabilisieren.
Autor: red

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