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Tumblin Folk

Montag, 21. Januar 2013, 18:37 Uhr
Am vergangenen Freitag fand das Konzert von Trio TUMBLIN´ FOLK im Panoramamuseum Bad Frankenhausen statt. Unter den Zuhörern war auch Fred Böhme vom Panorama.

Nach dem gelungenen Veranstaltungsauftakt mit der gut besuchten Filmveranstaltung am 11. Januar, als das StuKi 76 den argentinischen Streifen "Gigante" zeigte, der die anrührende Geschichte der etwas unbeholfenen Annäherung eines schüchternen Kaufhauswachmannes an eine der dortigen Putzfrauen erzählte, was natürlich mit komischen Momenten verbunden war und zugleich auch einen recht ungeschminkten Einblick in Alltagswelt und Lebenssituation kleiner Leute im heutigen Argentinien gestattete, folgte am vergangenen Freitagabend (18. Januar) das Konzert des Trios TUMBLIN´ FOLK.

Tumblin Folk (Foto: Fred Böhme) Tumblin Folk (Foto: Fred Böhme)

"Tumblin Folk, Konzert 1", Rechteinhaber: Fred Böhme/Archiv Panorama Museum

Das sind drei Musiker aus Thüringen und zwar der Multiinstrumentalist Wolfgang Friedrich, der neben einigen Sologesangspassagen zumeist für die zweite Stimme im Satzgesang zuständig war und dann vor allem entweder auf der Mandoline oder dem Banjo die Stücke begleitete, zweimal aber auch zur Fiddle oder zu seiner mitgebrachten Gitarre griff, Christian Daether, der fast ausschließlich für den Groove des Trios an seinem Kontrabass sorgte und bei dreistimmigen Gesangspassagen auch den tiefen Bass sang und der Frontmann des Trios Frank Truckenbrodt, der den Hauptanteil des Liedgesangs bestritt, sich dabei abwechselnd auf seinen beiden Gitarren begleitete, seltener auch mal eine folkige Mundharmonika als Klangbereicherung spielte.

Wie der Name des Trios "Tumblin Folk" also "taumelnder" oder "stürzender Folk" andeutete, lag das musikalische Hauptaugenmerk an diesem Abend auf der amerikanischen Folktradition und das natürlich augenzwinkernd, also nicht bierernst gemeint, was dann in der unterhaltsamen Rundreise durch "Amerika" von der Wipper bis nach Artern, vom Mississippi bis nach Kalifornien seinen Niederschlag fand. Folk ist für das Trio vor allem volkstümliche, populäre Musik vom Vaudeville-Klassiker, über Blues-Hits der 30er, Gospels oder auch neuere Popsongs von Neil Young oder Bob Dylan, die in der Interpretation des Trios eine wundersame Metamorphose durchlaufen hatten. Schönklang oder instrumentales Virtuosentum spielte an bei ihnen eine untergeordnete Rolle, denn im Mittelpunkt stand eher gutgelaunte Unterhaltung, die auch das anwesende Publikum mit einbezog.

Hin und wieder holperte es ein wenig, eine Saite wurde nicht ganz sicher getroffen, der gemeinsame Rhythmus nicht sofort gefunden, was sie aber mit ihrer sympathischen Ausstrahlung wettzumachen verstanden, zumal die drei auch ziemlich stilecht bekleidet waren, vor allem Wolfgang mit seiner Melone auf dem Kopf. Eine Stärke des Trios ist unverkennbar, dass sie durch den Einsatz vieler verschiedener Instrumente auch eine Vielzahl verschiedener Klangfarben nutzen können, die ihre Darbietung abwechslungsreich macht. Besonders überzeugend waren sie für mich, wenn sie wie beim Auftaktstück, der Gospelnummer "Ain´t No Grave", gediegenen dreistimmigen Satzgesang zelebrierten. Mitunter fehlte mir allerdings etwas der musikalische Eigensinn bei ihrer Neuinterpretation der Stücke und bei aller Launigkeit auch die Intensität der Originale. Neuinterpretation ist zweifellos mehr als nur mit den vertrauten, einem zur Verfügung stehenden Instrumenten ein Lied zu spielen, sondern sie setzt eigene Akzente, die die Botschaft des Stückes verändern. Außerdem wäre ihr Programm sicher noch spannender, wenn sie bei der Auswahl ihrer Stücke ruhig auch mal jenseits der Jukebox-Hits nach ihrem Repertoire suchen würden.

Das Publikum störte das nicht, es nahm diese musikalische Rund- und Zeitreise von Jesse Fuller, über Robert Johnson, A.P. Carters "Keep On The Sunny Side" bis zu Stücken der Rolling Stones oder Bob Dylan sehr positiv auf. Zwei Damen wagten gar ein Tänzchen zur Musik und erst nach einigen Zugaben entließen die anwesenden etwa 70 Konzertbesucher das Trio.
Text und Fotos: Fred Böhme
Autor: kn

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