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Begründete Befürchtungen?

Montag, 25. Februar 2013, 16:54 Uhr
In seiner Rezension zum Konzert Steve Wynn & Chris Cacavas aus den USA, dass am am 22. Februar in der Eingangshalle des Panorama Museums Bad Frankenhausen ablief, ging Fred Böhme auch auf einige Befürchtungen ein


Der Abend des 22. Februar weckte reale Befürchtungen beim Konzertorganisator des Panorama Museums. Den ganzen Tag herrschte dichtes Schneetreiben, dazu ein stürmischer Wind. Kollegen hatten zudem berichtet, dass die Panorama-Straße noch gesperrt sei, weil dort an den Tagen zuvor die markanten Pappeln allesamt gefällt worden wären… Werden die Musiker ungeachtet des heftigen Wintereinbruchs von Stuttgart nach Bad Frankenhausen durchkommen und dann den Weg auf den Schlachtberg hinauf finden? Werden sich die Musikfreunde von den widrigen Straßenverhältnissen auch nicht abschrecken lassen?

All diese Befürchtungen erwiesen sich zum Glück als unbegründet. Gegen 17:30 Uhr fuhr ein größerer PKW vor das Museumsgebäude, dem die beiden Musiker entstiegen. Sie bauten flugs die Instrumente auf, kleiner reibungsloser Soundcheck, eine kleine Stärkung im Café P. und schon begann sich die Eingangshalle des Museums mit Gästen zu füllen. Mehr als 90 Besucher fanden letztlich den Weg auf den Schlachtberg, das waren viel mehr als bei ihrem Konzert am Vortag gewesen und als diese dann erwartungsfroh Platz genommen hatten, betrat erst einmal Chris Cacavas allein zu einem 30minütigen Soloauftritt die Bühne. Chris stöpselte seine Gitarre ein und begann einen musikalischen Ausflug durch die CD-Veröffentlichungen der letzten 15 Jahre, wobei er logischer Weise Stücken der letzten CDs den Vorrang gab.

Begründete Befürchtungen? (Foto: Fred Böhme Panorama) Begründete Befürchtungen? (Foto: Fred Böhme Panorama)

Fotos: Steve Wynn & Chris Cacavas, Konzert 2; Rechteinhaber: Fred Böhme / Archiv Panorama Museum

Er begann mit "Wash those fears away" von seinem 2009er Silberling "Love´s been discontinued" eher verhalten-melancholisch, sang mit seiner markanten hohen Stimme und begleitete sich dazu auf seiner metallisch-obertonreich klingenden akustischen Gitarre und das durchaus nuanciert und abwechslungsreich. Ein typischer 3,4-Akkordsong, der trotz aller Simplizität doch melodisch prägnant ist und sich ins Gedächtnis einprägt. Und diese leisen, ganz einfach strukturierten Lieder, die deswegen nicht simpel arrangiert sein müssen, hier allerdings reduziert auf ihren musikalischen Kern dargeboten wurden, sind die besondere Stärke des Songschreibers Chris Cacavas.


Wovon sich der Musikfreund auf seinen CDs von "Good Times" von 1992 über "Anonymous" von 1997 bis zu seinem jüngsten Opus "Love´s been re-discontinued" von 2013 überzeugen kann. Als nächstes folgte sein großartiges "Tell me everything", dass als Song melodisch so stark ist, dass es auch ganz ohne Begleitband funktionierte und ihn durchaus auch als versierten Gitarristen zeigte. Schon bei Titel Nummer drei "Who´s your whore" zog er das Tempo an, wechselte zwischen perkussiven Riffakkorden zu gezupftem Melodiespiel. Unverkennbar war sein Versuch innerhalb des kurzen Sets dramaturgisch einen Spannungsbogen von eher ruhig zu stärker rhytmisch akzentuierten Stücken aufzubauen. Bei "California (into the ocean)" von der CD "Bumbling home from the star" von 2002, das etwas an John-Lennon-Songs der Spätphase erinnerte, wechselte Chris ans Keyboard und hier zeigte er sein besonderes instrumentales Können. Bekanntlich war er schon bei den legendären GREEN ON RED der Keyboarder gewesen.

Begründete Befürchtungen? (Foto: Fred Böhme Panorama) Begründete Befürchtungen? (Foto: Fred Böhme Panorama)

Womit Chris besondere Sympathiepunkte bei seinem Publikum gewann, waren seine launigen, im lustig akzentuiertem Deutsch vorgetragenen Ansagen und Zwischenkommentare.

Nach der Pause betrat dann Steve Wynn die Bühne und begann erst einmal vier Songs allein vorzutragen. Gravierendster Unterschied zum ersten Teil, die Stücke von Steve sind weniger verspielt als die von Chris, seine Begleitung zwar eindimensionaler, aber rhythmisch-perkussiver und damit zupackender, irgendwie rockiger. Seine dunkle, nicht sehr nuancenreiche Stimme setzte er sehr effektiv ein, oft in Form eines aggressiv-treibenden Sprechgesangs, nutzte dabei auch geschickt den Nahbesprechungseffekt des dynamischen Mikrophons und gab ihr zusätzliche Fülle. Diese Songs gingen eher in den Bauch als die in ihrer Grundstimmung stärker melancholischen von Chris. Auftakt machte das rockig, leicht bluesige Stück "40 S" mit der prägnanten Refrainzeile "I go down to the medicine show". Der Aufforderung der sich stetig wiederholenden, prägnant präsentierten Refrainzeile des dritten gleichnamigen Songs "Follow me" folgte das Publikum noch etwas verhalten, dem darauf folgenden mitreißenden Bluessong von Blind Lemon Jefferson konnte es sich nicht mehr entziehen. Da machte es nichts, wenn Steve sich ab und zu mal auf der Gitarre bei seinen geschlagenen Akkordriffs vergriff, kurz stockte, um dann den Song fortzusetzen. Es war dieser energetisch-mitreißende Vortrag, diese Energie, die von der Bühne herunter kam und das Publikum zunehmend packte.

Dann betrat Chris die Bühne und verstärkte Steve am Keyboard mit überaus abwechslungsreichen, fast jazzigen Orgel- und Keyboardsounds. In zwei Stücken griff er zum mitgebrachten Akkordeon, was dem Konzert noch eine besondere Note verlieh. Weiter ging es durch die lange Songschreiberkarriere von Steve. Von "Carolyn" über "Boston" und "Grace" steigerten sie beständig die Intensität ihres Vortrags bis hin zum furiosen Klassiker "Amphetamin", womit sie ihr Publikum vollends gewonnen hatten. Es war erstaunlich, wie dicht der auf zwei Musiker reduzierte Sound dennoch war. Und natürlich waren auch hier wie bei vielen seiner CD-Einspielungen Steves Anleihen in der Rockmusikgeschichte wie den legendären VELVET UNDERGROUND oder Loo Reed unüberhörbar gewesen, gewürzt mit einer ordentlichen Prise Popmelodieseligkeit und einem gut geerdeten Gefühl für hymnischen Geradeausrock.

Am Ende jubelte das Publikum und entließ die beiden erst nach drei Zugaben. Nach dem Konzert meinte Steve lächelnd, dass es hier in Bad Frankenhausen viel schöner für sie gewesen sei als am Abend zuvor.
Fred Böhme
Panorama Museums Bad Frankenhausen
Autor: khh

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