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Sau-Hatz und andere Schwarzburger Geschichten

Mittwoch, 20. März 2013, 00:10 Uhr
Als besonderen Gast hatten sich die Senioren vom WB 4 Sondershausen wieder einmal Dr. Manfred Ohl eingeladen. Was es neben Geschichten zu Intrigen, Fehden noch Interessantes gab, das erfahren Sie hier bei kn.

Einen interessanten Nachmittag erlebten unsere Senioren wieder im Juventas. Nach der Begrüßung durch unsere Vorsitzende Frau Christa Groß und der leckeren Stärkung zur Kaffeetafel mit selbst gebackenem Kuchen vom Juventas Team übernahm Dr. Ohl die weitere Gestaltung dieses Nachmittags.

Sau-Hatz und andere Schwarzburger Geschichten (Foto: Thomas Leipold) Sau-Hatz und andere Schwarzburger Geschichten (Foto: Thomas Leipold)

Diesmal berichtete er über Ereignisse und Geschichten des Schwarzburger Geschlechtes, die zwar nicht die "große Geschichte geschrieben haben" aber dennoch einen sehr interessanten Eindruck der damaligen Zeit und des Lebens sehr anschaulich vermittelten. So erfuhren wir, dass es nicht nur 1450 den Prinzenraub in Altenburg gab, nein auch in Sondershausen gab es 100 Jahre später einen Prinzenraub, und den gleich im doppelten Sinn. Während der Prinz des Eisleber Geschlechtes seine so genannte "Kavalierszeit" am Schwarzburgischen Hofe im Schloss in Sondershausen verbrachte, wurden er und der Prinz des Schwarzburger Geschlechtes gleich in einem Streich geraubt und entführt.

Etliches konnte er auch von der Sau-Hatz des Schwarzburger Fürsten mit Gefolge in der Hainleite hinter dem Poseen nach Oberspier zu berichten. Damals hatte solch eine Jagd offenbar einen Volksfestcharakter samt Kapelle, Verkaufs- Verzehr- und Bierbuden. Heute wird man Parallelen vielleicht mit dem Oktoberfest oder einem vergleichbaren Volksfest ziehen wollen. Vergleichbar sicher auch noch mit den noch heute üblichen Stierkampfveranstaltungen in Spanien. Für diese Sau-Jagd wurde sogar ein eigener Marsch komponiert und aufgeführt von einer Oboenkapelle, so wichtig war offenbar auch dieses Ereignis. Aus dieser Oboenkapelle entwickelte sich später die weitere Hofkapelle des Fürsten bis hin zur Neuzeit das Lohorchester, welches im Übrigen bis 1914 zusammen mit Chor und Künstlern alle Aufführungen in Nordhausen bestritten hat.

Sau-Hatz und andere Schwarzburger Geschichten (Foto: Thomas Leipold) Sau-Hatz und andere Schwarzburger Geschichten (Foto: Thomas Leipold)

Bis dahin hatte Nordhausen keine eigenen Musiker und Künstler. So führten bis dahin z. B. die Sondershäuser in einem großen Saal eines Gasthofes in Nordhausen mehrfach den Freischütz mit frenetischem Beifall auf. Heute kommt diese historische Verbundenheit dem Verbund "Theater Nordhausen Lohorchester Sondershausen GmbH" wieder zugute. Ein weiteres großes Thema seines Vortrages widmete Dr. Ohl der Stadtgeschichte und dem Schwarzen Viertel. Auch meine Generation, die noch mit dem Schwarzen Viertel aufgewachsen ist, erinnert sich unter anderem beispielsweise auch an die Meistereigasse, Rosengasse, viele Bauten in der alten "Neustadt" und unter anderem auch um nur ein Beispiel stellvertretend zu nennen die Fleischerei Rink. Hilfreich sind auch die diversen Kalender mit historischen Bildern aus Sondershausen und unserer Geschichte.

Er widersprach einigen kursierenden Theorein und Hypothesen, wie das Schwarze Viertel angeblich zu seinem Namen gekommen sein soll. Auch dass es einen Baumeister Schwarz gegeben haben soll der federführend für diese Stadtteile gewesen sein soll, sei nur Fantasie und Unsinn. Die östliche und westliche "Vorstadt" sei über mehrere Jahrzehnte langsam gewachsen. Viel näher liegend sei eine Erklärung im Zusammenhang mit der Farbe Schwarz und deren Bedeutung und den Gewerken in den betreffenden Regionen, wie Leichengräber, Scharfrichter und Abdeckerei, Hospiz und Siechhaus und ähnliches. Also alles irgendwie mit negativen Attributen besetzt und oftmals auch in mittelbarem oder unmittelbarem Zusammenhang mit dem Tod, Krankheit und Sterben.

Sicher hätten wir seinen Ausführungen noch stundenlang interessiert lauschen können und in eigenen Erinnerungen aus der Sondershäuser Geschichte schwelgen können, aber leider geht auch solch ein sehr interessanter Nachmittag einmal zu Ende.

Wir bedanken uns recht herzlich bei Dr. Ohl für die interessanten Ausführungen, dem Juventas Team und allen die zum guten Gelingen dieser Veranstaltung beigetragen haben.

Text und Fotos: Thomas Leipold
WB 4
Autor: khh

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