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Skeptischer Einzelhandel

Montag, 15. April 2013, 15:25 Uhr
Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat den diesjährigen Handelsreport veröffentlicht. An der deutschlandweiten Umfrage waren auch zahlreiche Unternehmen aus Thüringen beteiligt...


Im klassischen Einzelhandel gestaltet sich die Situation im Freistaat nach wie vor kompliziert: „Obwohl der Arbeitsmarkt einen historischen Tiefstand erreicht hat, agieren die Thüringer Verbraucher eher zurückhaltend“, stellt Gerald Grusser, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt, fest.

Die Gründe dafür wären vielfältig. So liege die Kaufkraft der Bürger noch immer rund ein Viertel unter dem bundesweiten Durchschnitt, allerdings mit erheblichen regionalen Unterschieden. Während Städte wie Erfurt, Weimar und Jena mit einer verhältnismäßig hohen Kaufkraft fast aufgeschlossen hätten, bewege sich diese insbesondere in einigen Nordthüringer Landkreisen noch immer bis zu 30 Prozent unter dem gesamtdeutschen Referenzwert.

Hinzu komme ein Überangebot an Einkaufsmöglichkeiten. So stünden bundesweit rund 1,50 Quadratmeter Verkaufsfläche pro Einwohner zur Verfügung. „In Erfurt sind es bereits 2,50 und in Eisenach schon mehr als 3 Quadratmeter. In der Folge wird verständlicherweise weniger pro Quadratmeter umgesetzt“, sagt der IHK-Chef.

Zwar habe die rasante Flächenexpansion in den vergangenen Jahren abgenommen, dennoch besitze Thüringen eine überproportional hohe Verkaufsraumfläche. „Was den Kunden freut, trübt die Bilanzen im Handel“, gibt Grusser zu bedenken. Auch der Onlinehandel verdränge zunehmend die klassischen Handelsstrukturen. Insofern wäre es nicht verwunderlich, dass die Versand- und Internethändler weiterhin gute Geschäfte erwarten.

Gefragt nach den aktuellen Risiken ihrer Geschäftsentwicklung, fürchteten 62 Prozent der Handelsunternehmen vor allem Rückschläge bei der Inlandsnachfrage. Ein weiteres großes Risiko sieht die Branche in den steigenden Energie- und Rohstoffpreisen (55 Prozent). „Das liegt erstens an den höheren Selbstkosten der Händler und zweitens am schrumpfenden Konsumbudget der Deutschen infolge explodierender Wohnnebenkosten“, fasst der IHK-Hauptgeschäftsführer zusammen. In steigenden Arbeitskosten und dem Fachkräftemangel sehen die Unternehmen im Vergleich zur Gesamtwirtschaft ein nicht ganz so großes Risiko.
Autor: red

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