Das Konzert von Casey Shea
Dienstag, 28. Mai 2013, 06:38 Uhr
Am vergangenen Freitag (24.5.) fand in der Eingangshalle das Konzert von Casey Shea aus Brooklyn, New York und seiner Tourband statt. Wie es gelaufen ist, erfahren Sie in einem Rückblick von Fred Böhme.
Mit ihm teilten sich Mark Beumer am Bass + Backing Vocals und der kurzfristig eingesprungene Elmar Lappe an den Drums die Bühne. Es spricht für die Professionalität und das Können dieser beiden Begleitmusiker, dass sie nach nur drei Tagen Proben bei dem ersten Konzert ihrer diesjährigen gemeinsamen Deutschlandtournee einen derartig homogenen Band-Sound kreierten, dass man den Eindruck hatte, dass sie bereits jahrelang in dieser Besetzung zusammen musizierten. Dagegen sprach lediglich, dass sich ihr Part wirklich ausschließlich auf die Begleitung ihres Frontmanns Casey Shea reduzierte und sie keinen Raum für Extravaganzen, Soli und musikalische Zwiesprache untereinander eingeräumt bekamen.
Diese bot schließlich der launige Kopf der Band zur Genüge, der den Liedgesang und die Gitarrenparts übernahm und Komponist einer Vielzahl der aufgeführten Songs war. Ganz dem Grundsatz folgend, dass man nach einer anstrengenden Arbeitswoche an einem Freitagabend vor allem eines will, nämlich ein wenig Spaß, etwas Partystimmung und gute Laune, übernahm der jungenhaft, quirlig-übersprudelnde Sänger den Part des Kaspers und Entertainers, um seinem Publikum genau das zu geben. Und wenn die eigenen Songs dafür nicht ausreichten, griff er eben in die übervolle Kiste der Populärmusikgeschichte, scheute auch nicht vor Gassenhauern und Schlagern zurück, denn die kannte wenigstens sein Publikum und sang sie - soweit die Textkenntnis dafür ausreichte - begeistert mit.
Den noch etwas verhaltenen Auftakt machte Casey vorerst allein mit seinem Song "Stuck In May", eine Referenz an den Wonnemonat, der in diesem Jahr seiner Meinung nach ziemlich unterkühlt ausfallen ist. Er sang vorerst noch relativ ruhig und begleitete sich mit einfachem rhythmischen Begleitspiel auf der E-Gitarre. Diesem Auftakt ließ er Smokey Robinsons "My Girl" - der Welthit der Temptation von 1965 - folgen und bewies gleich hier sein Gespür für Komik. Er griff die Interpretation der Temptations auf und imitierte deren mehrstimmigen Satzgesang, wobei er gleich für alle Stimmen allein verantwortlich war und dann noch das kleine Trompetenzwischenspiel mit übernahm, das er natürlich allein mit seiner Stimme imitierte. Das wirkte wie kindlich naive Imitationsfreude und trotzdem war sein Respekt vor dem Original durchweg spürbar. Und natürlich waren diese ersten Zeilen "I've got sunshine on a cloudy day / when it's cold outside I've got the month of May…" ein weiterer Hinweis auf den Zeitraum seiner diesjährigen Konzerttournee. Als dann zu seinem dritten Song "Lartique" seine Mitmusiker die Bühne betraten, versicherte er, dass sie eine Rockband seien und kreischte los "Ob nun alle bereit seien" und als das Publikum das lautstark genug lachend bestätigte, begann er gleich diesen melodiösen, traditionsdurchtränkten Song, der ebensogut von den Kinks oder den Byrds geschrieben gewesen sein konnte.
Seine Songs wurzeln sehr stark in dieser Tradition der Musik der späten 60er und frühen 70er Jahre, also in der des melodieverliebten Popsongs, der bei ihm aber eine garagige Note bekommt, d.h. es darf ruhig rumpeln und krachen, dazu dieser typisch amerikanische Breitwandgitarrensound, den er erstaunlicher Weise ganz allein und überaus versiert zelebrierte und die kleineren an Tom Petty erinnernden Americana-Anleihen und schon ist eine populäre, zündende Musik fertig, ein Gebräu, das vielleicht nicht besonders innovativ sein mag, nichtdestotrotz live immer noch richtig gut funktioniert. Und einige seiner Songs haben vor allem das, was einen guten Song
ausmacht, nämlich ein cleveres Arrangement, eine prägnante Melodie und ein griffiger Refrain, der sich leicht einprägt und wie eine simple Stadionhymne mitgesungen werden kann. "It Is What It Is" oder "Chelsea" waren solche Songs. Das Ganze dann engagiert und mit Augenzwinkern vorgetragen und schon war ihm die Sympathie des Publikums sicher. Dramaturgisch geschickt baute er die beiden Teile seines Konzerts auf, indem er nach einer Rumpelrocknummer wieder das Tempo etwas herausnahm und eine schöne Ballade anschloss, die garantiert radiotauglich war. Es ist schon erstaunlich, dass er noch nicht die Hitparaden mit seinen Songs stürmt, die durchaus im positiven Sinne tauglicher dafür wären als vieles von dem, was man sonst dort zu hören bekommt. Dazwischen immer wieder seine lustigen Einlagen und Blödeleien, bei denen er es sich nicht nehmen ließ Rockerposen zu parodieren oder seine besten Songs anzukündigen, die sich als gekonnt neu interpretierte Beatles-Songs entpuppten. Und als den dreien am Ende des zweiten Konzertteiles das gemeinsame Repertoire bei den Zugaben ausging und das Publikum dennoch mehr hören wollte, trug Casey gleich mal ein ganzes Medley von Beatlessongs allein vor. Für Casey Shea und seinen beiden Bandkollegen war dieses Panorama-Konzert ein gelungener Auftakt ihrer Deutschlandtournee und für die mehr als 90 Konzertgäste ein schönes Konzerterlebnis, an das sie sich sicher gern erinnern werden. Schon deswegen, waren an diesem Abend die CDs der Künstler wieder sehr gefragt gewesen.
Fred Böhme
Panoramamuseum Bad Frankenhausen
Autor: khhMit ihm teilten sich Mark Beumer am Bass + Backing Vocals und der kurzfristig eingesprungene Elmar Lappe an den Drums die Bühne. Es spricht für die Professionalität und das Können dieser beiden Begleitmusiker, dass sie nach nur drei Tagen Proben bei dem ersten Konzert ihrer diesjährigen gemeinsamen Deutschlandtournee einen derartig homogenen Band-Sound kreierten, dass man den Eindruck hatte, dass sie bereits jahrelang in dieser Besetzung zusammen musizierten. Dagegen sprach lediglich, dass sich ihr Part wirklich ausschließlich auf die Begleitung ihres Frontmanns Casey Shea reduzierte und sie keinen Raum für Extravaganzen, Soli und musikalische Zwiesprache untereinander eingeräumt bekamen.
Diese bot schließlich der launige Kopf der Band zur Genüge, der den Liedgesang und die Gitarrenparts übernahm und Komponist einer Vielzahl der aufgeführten Songs war. Ganz dem Grundsatz folgend, dass man nach einer anstrengenden Arbeitswoche an einem Freitagabend vor allem eines will, nämlich ein wenig Spaß, etwas Partystimmung und gute Laune, übernahm der jungenhaft, quirlig-übersprudelnde Sänger den Part des Kaspers und Entertainers, um seinem Publikum genau das zu geben. Und wenn die eigenen Songs dafür nicht ausreichten, griff er eben in die übervolle Kiste der Populärmusikgeschichte, scheute auch nicht vor Gassenhauern und Schlagern zurück, denn die kannte wenigstens sein Publikum und sang sie - soweit die Textkenntnis dafür ausreichte - begeistert mit.
Den noch etwas verhaltenen Auftakt machte Casey vorerst allein mit seinem Song "Stuck In May", eine Referenz an den Wonnemonat, der in diesem Jahr seiner Meinung nach ziemlich unterkühlt ausfallen ist. Er sang vorerst noch relativ ruhig und begleitete sich mit einfachem rhythmischen Begleitspiel auf der E-Gitarre. Diesem Auftakt ließ er Smokey Robinsons "My Girl" - der Welthit der Temptation von 1965 - folgen und bewies gleich hier sein Gespür für Komik. Er griff die Interpretation der Temptations auf und imitierte deren mehrstimmigen Satzgesang, wobei er gleich für alle Stimmen allein verantwortlich war und dann noch das kleine Trompetenzwischenspiel mit übernahm, das er natürlich allein mit seiner Stimme imitierte. Das wirkte wie kindlich naive Imitationsfreude und trotzdem war sein Respekt vor dem Original durchweg spürbar. Und natürlich waren diese ersten Zeilen "I've got sunshine on a cloudy day / when it's cold outside I've got the month of May…" ein weiterer Hinweis auf den Zeitraum seiner diesjährigen Konzerttournee. Als dann zu seinem dritten Song "Lartique" seine Mitmusiker die Bühne betraten, versicherte er, dass sie eine Rockband seien und kreischte los "Ob nun alle bereit seien" und als das Publikum das lautstark genug lachend bestätigte, begann er gleich diesen melodiösen, traditionsdurchtränkten Song, der ebensogut von den Kinks oder den Byrds geschrieben gewesen sein konnte.
Seine Songs wurzeln sehr stark in dieser Tradition der Musik der späten 60er und frühen 70er Jahre, also in der des melodieverliebten Popsongs, der bei ihm aber eine garagige Note bekommt, d.h. es darf ruhig rumpeln und krachen, dazu dieser typisch amerikanische Breitwandgitarrensound, den er erstaunlicher Weise ganz allein und überaus versiert zelebrierte und die kleineren an Tom Petty erinnernden Americana-Anleihen und schon ist eine populäre, zündende Musik fertig, ein Gebräu, das vielleicht nicht besonders innovativ sein mag, nichtdestotrotz live immer noch richtig gut funktioniert. Und einige seiner Songs haben vor allem das, was einen guten Song
ausmacht, nämlich ein cleveres Arrangement, eine prägnante Melodie und ein griffiger Refrain, der sich leicht einprägt und wie eine simple Stadionhymne mitgesungen werden kann. "It Is What It Is" oder "Chelsea" waren solche Songs. Das Ganze dann engagiert und mit Augenzwinkern vorgetragen und schon war ihm die Sympathie des Publikums sicher. Dramaturgisch geschickt baute er die beiden Teile seines Konzerts auf, indem er nach einer Rumpelrocknummer wieder das Tempo etwas herausnahm und eine schöne Ballade anschloss, die garantiert radiotauglich war. Es ist schon erstaunlich, dass er noch nicht die Hitparaden mit seinen Songs stürmt, die durchaus im positiven Sinne tauglicher dafür wären als vieles von dem, was man sonst dort zu hören bekommt. Dazwischen immer wieder seine lustigen Einlagen und Blödeleien, bei denen er es sich nicht nehmen ließ Rockerposen zu parodieren oder seine besten Songs anzukündigen, die sich als gekonnt neu interpretierte Beatles-Songs entpuppten. Und als den dreien am Ende des zweiten Konzertteiles das gemeinsame Repertoire bei den Zugaben ausging und das Publikum dennoch mehr hören wollte, trug Casey gleich mal ein ganzes Medley von Beatlessongs allein vor. Für Casey Shea und seinen beiden Bandkollegen war dieses Panorama-Konzert ein gelungener Auftakt ihrer Deutschlandtournee und für die mehr als 90 Konzertgäste ein schönes Konzerterlebnis, an das sie sich sicher gern erinnern werden. Schon deswegen, waren an diesem Abend die CDs der Künstler wieder sehr gefragt gewesen.
Fred Böhme
Panoramamuseum Bad Frankenhausen


