Offener Brief zum Thema Schule
Dienstag, 28. Mai 2013, 22:36 Uhr
Der Bürgermeister der Gemeinde Kyffhäuserland Knut Hoffmann (CDU) wendet sich in einem offenem Brief an die Landrätin und die Mitglieder des Kreistags. Hier der unveränderte Inhalt in voller Länge.
- OFFENER BRIEF -
Sehr geehrte Frau Landrätin,
sehr geehrte Mitglieder des Kreistages,
Als Bürgermeister der Gemeinde Kyffhäuserland möchte ich mich auf diesem Wege zu der derzeit vorgesehenen Schulnetzplanung öffentlich an Sie wenden.
In Auswertung unserer im Kyffhäuserland durchgeführten Unterschriftenaktion ist ein handfestes Votum für den Erhalt unserer Grundschule erkennbar. Die 1.700 Unterschriften, die bis zum 10.05.13 gesammelt wurden, sprechen eine mehr als eindeutige Sprache.
Dabei fiel mir positiv auf, dass auch die Bewohner der Städte Bad Frankenhausen und Sondershausen die Aktion mit Interesse und Solidarität für den Erhalt unserer Schule bekundeten. Die Beteiligung mit hunderten von Unterschriften aus den Städten und an mich herangetragene Gespräche zu dieser Thematik belegen das.
In der derzeit vorliegenden Schulkonzeption zum Punkt der Entwicklung der Schülerzahlen wird dargestellt, dass Geburtenzahlen zurückgehen und in weiteren 10 Jahren massiv abnehmen. Als Grundlage dafür wurde eine Berechnung der weiblichen Nachkommen in Zusammenhang mit ihrer Erstgeburt bis ins Jahr 2041 prognostiziert. Tolle Berechnung - aber wo sind die Nachkommen der Jungen? Außerdem stellt sich für mich die Frage nach der Sinnhaftigkeit, solche Berechnungen bis 2041 darzustellen. Welche Zielrichtung steckt hier dahinter, zumal diese Prognose für die Entwicklung der Schülerzahlen der einzig betrachtete Aspekt ist? Zu- bzw. Abwanderungen wie auch infrastrukturelle Veränderungen wurden überhaupt nicht berücksichtigt.
Die in der Konzeption dargestellte Schülerzahlentwicklung trifft für unsere Gemeinde nicht zu. Seit 2001 gibt es nachweisbar konstante Zahlen. In der vorliegenden Konzeption sind diese nicht exakt dargestellt. Selbst bei einem angenommenen leichten Schülerrückgang kann von ca. 85 Schülern im Schulalltag ausgegangen werden kann. Demzufolge kann anhand massiv sinkender Schülerzahlen eine Schließung definitiv nicht begründet werden.
Unsere Grundschule ist seit langen auf einem modernen Schulunterricht ausgerichtet. Die Schuleingangsphase wird hier schon seit Jahren erfolgreich umgesetzt. In Bezug auf Inklusion lebt unsere Grundschule das vor, was das Thüringer Bildungsministerium vorsieht und vorantreibt. Kinder mit verschiedenen Behinderungen werden voll in den Schulalltag aufgenommen und intrgriert.. Vorteil ist dabei natürlich, dass sich die Kinder bereits im Vorschulalter kannten und es überschaubare Klassen gibt. Durch diese moderne Unterrichtsführung, die wohlgemerkt dass ganze Kollegium vollauf trägt (die wenigen Fehl- und Krankenzeiten der Lehrer begründen dies) kann eine Schließung der Schule also auch nicht begründet werden.
Bleibt also einzig der bauliche Zustand des Schulgebäudes. Ein Investitionsstau ist gemäß Schulkonzeption auf 1.600.000,- € dargestellt. Natürlich ist dieser Stau da, wenn auch nicht in dieser Höhe. Aber warum? In der vorliegenden Konzeption ist aufgezeigt, dass in unsere Grundschule in Rottleben seit 2002 Investitionen in Höhe von insgesamt 45.000,- € geflossen sind. Ebenso wird dargestellt, dass die Millioneninvestitionen in diesen vergangenen Jahren in die Städte flossen, genau dahin, wohin im neuen Vorschlag wieder viele Millionen verpulvert werden.
Traurig macht mich dabei, dass keine andere Variante für den Erhalt unserer intakten Grundschule überhaupt in Erwägung gezogen oder geprüft wurde. Die Zeit für einen Gegenvorschlag war für die Kommune bislang mehr als nur knapp bemessen, aber dennoch konnten hier einige zusammengetragen werden. Nachfolgend werden drei Varianten dargestellt:
1. Der seit 2003 geschlossene in Göllingen leer stehende Regelschulkomplex befindet auf einem eigens für eine Schule konzipierten Grundstück, welches dem Landkreis noch gehört und in dieser Form die ideale Größe für unsere Grundschule besitzt. Für eine Renovierung dieses infrastrukturell absolut geeigneten Objektes (Alleinlage, Turnhalle, Schulgarten, Buswendeschleife) werden sicher keine 1.600.000,- € benötigt.
2. Um dies zu veranschaulichen wurde vom Unterzeichner ein Ersatzneubau in Modulbauweise angefragt. Hier gäbe es sogar eine Nachnutzungsmöglichkeit (bsp. Servicewohnen), wenn diese konzeptionell berücksichtigt würde. Zur Errichtung einer unseren Sicherheitsstandards entsprechend ausreichende, fertige und neue Grundschule würden hier ca. 700.000,- € ausreichen.
3. Ein Vorschlag in der vorliegenden Konzeptin war, dass die beiden Grundschulen von Udersleben und Rottleben als ein Grundschulzentrum in der Feldstraße in Bad Frankenhausen für zwei eigenständige Schulen aufgehen. Warum ist es nicht möglich, Grundschulzentren in den genannten Ortsteilen auch für Bad Frankenhausen entstehen zu lassen. Die baulichen Voraussetzungen sind durch den Leerstand des ebenso vorhandenen weitaus größeren 1998 geschlossenen Schulobjektes in Rottleben einerseits vorhanden. Diese Schule war bereits bei der Sanierung der Juri-Gagarin-Schule Bad Frankenhausen Ausweichobjekt. Auch hier sind die infrastrukturellen Voraussetzungen genau auf eine Schule ausgerichtet worden.
In diesen drei dargestellten Varianten sind utopische Investitionen nicht notwendig und Schulstandorte müssen nicht kaputt gemacht werden. Ebenso werden die gemeinsamen Empfehlungen der kommunalen Spitzenverbände und des Thüringer Kultusministeriums zur Schulnetzplanung für Grundschulen (Klassenstärke 15 Schüler, Wegstrecke maximal 8 km) nicht verletzt, wovon man in der vorgeschlagenen Variante der Schulnetzkonzeption nicht ausgehen kann.
Es kommt letztlich darauf an, kreative und vor allem verantwortungsvolle Lösungen für eine funktionierende Schul-NETZ-planung zu finden, die auch der Bevölkerung der ländlichen Regionen Verantwortung trägt. Einer Gemeinde – einer Region - von ca. 4.500 Einwohnern wie das Kyffhäuserland (s)eine Grundschule mit einer 100jähriger Schultradition nur mit der Begründung eines Investitionsstaus zu nehmen ist, als wenn man einen alten Baum ausreißt und an einen anderen Platz verpflanzen will. Dort geht er nie mehr an und hinterlässt am alten Standort ein riesiges leeres Loch!
Man hätte auch einmal über den Tellerrand hinausblicken können. Welche Lösungen andere Thüringer Landkreise haben. Es gibt auch noch andere Flächenlandkreise, die weitaus kleine Schulen in den ländlichen Regionen erhalten.
Bildung und Kultur sind in einer ländlichen Region Schlüsselfaktoren für die Entwicklung und den Erhalt vorhandener Lebensqualität. Dies sollte Zielrichtung einer Schul-NETZ-planung sein.
Frau Hochwind, liebe Kreistagmitglieder und Verantwortliche des Schulverwaltungsamtes – ich fordere Sie auf, Ihrer politischen Verantwortung auch für die Bürgerinnen und Bürger der ländlichen Regionen insbesondere des Kyffhäuserlandes nachzukommen und appelliere an Sie, dass Grundschulschließungen nicht zum Politikum werden.
Letztlich hat diejenigen, die es betrifft – die Eltern und vor allem unsere Kinder – wieder einmal niemand gefragt oder beteiligt. Denn sie werden es sein, die diese Entscheidungen tragen müssen.
Mit freundlichen Grüßen
Knut Hoffman
Bürgermeister der Gemeinde Kyffhäuserland
Autor: khh- OFFENER BRIEF -
Sehr geehrte Frau Landrätin,
sehr geehrte Mitglieder des Kreistages,
Als Bürgermeister der Gemeinde Kyffhäuserland möchte ich mich auf diesem Wege zu der derzeit vorgesehenen Schulnetzplanung öffentlich an Sie wenden.
In Auswertung unserer im Kyffhäuserland durchgeführten Unterschriftenaktion ist ein handfestes Votum für den Erhalt unserer Grundschule erkennbar. Die 1.700 Unterschriften, die bis zum 10.05.13 gesammelt wurden, sprechen eine mehr als eindeutige Sprache.
Dabei fiel mir positiv auf, dass auch die Bewohner der Städte Bad Frankenhausen und Sondershausen die Aktion mit Interesse und Solidarität für den Erhalt unserer Schule bekundeten. Die Beteiligung mit hunderten von Unterschriften aus den Städten und an mich herangetragene Gespräche zu dieser Thematik belegen das.
In der derzeit vorliegenden Schulkonzeption zum Punkt der Entwicklung der Schülerzahlen wird dargestellt, dass Geburtenzahlen zurückgehen und in weiteren 10 Jahren massiv abnehmen. Als Grundlage dafür wurde eine Berechnung der weiblichen Nachkommen in Zusammenhang mit ihrer Erstgeburt bis ins Jahr 2041 prognostiziert. Tolle Berechnung - aber wo sind die Nachkommen der Jungen? Außerdem stellt sich für mich die Frage nach der Sinnhaftigkeit, solche Berechnungen bis 2041 darzustellen. Welche Zielrichtung steckt hier dahinter, zumal diese Prognose für die Entwicklung der Schülerzahlen der einzig betrachtete Aspekt ist? Zu- bzw. Abwanderungen wie auch infrastrukturelle Veränderungen wurden überhaupt nicht berücksichtigt.
Die in der Konzeption dargestellte Schülerzahlentwicklung trifft für unsere Gemeinde nicht zu. Seit 2001 gibt es nachweisbar konstante Zahlen. In der vorliegenden Konzeption sind diese nicht exakt dargestellt. Selbst bei einem angenommenen leichten Schülerrückgang kann von ca. 85 Schülern im Schulalltag ausgegangen werden kann. Demzufolge kann anhand massiv sinkender Schülerzahlen eine Schließung definitiv nicht begründet werden.
Unsere Grundschule ist seit langen auf einem modernen Schulunterricht ausgerichtet. Die Schuleingangsphase wird hier schon seit Jahren erfolgreich umgesetzt. In Bezug auf Inklusion lebt unsere Grundschule das vor, was das Thüringer Bildungsministerium vorsieht und vorantreibt. Kinder mit verschiedenen Behinderungen werden voll in den Schulalltag aufgenommen und intrgriert.. Vorteil ist dabei natürlich, dass sich die Kinder bereits im Vorschulalter kannten und es überschaubare Klassen gibt. Durch diese moderne Unterrichtsführung, die wohlgemerkt dass ganze Kollegium vollauf trägt (die wenigen Fehl- und Krankenzeiten der Lehrer begründen dies) kann eine Schließung der Schule also auch nicht begründet werden.
Bleibt also einzig der bauliche Zustand des Schulgebäudes. Ein Investitionsstau ist gemäß Schulkonzeption auf 1.600.000,- € dargestellt. Natürlich ist dieser Stau da, wenn auch nicht in dieser Höhe. Aber warum? In der vorliegenden Konzeption ist aufgezeigt, dass in unsere Grundschule in Rottleben seit 2002 Investitionen in Höhe von insgesamt 45.000,- € geflossen sind. Ebenso wird dargestellt, dass die Millioneninvestitionen in diesen vergangenen Jahren in die Städte flossen, genau dahin, wohin im neuen Vorschlag wieder viele Millionen verpulvert werden.
Traurig macht mich dabei, dass keine andere Variante für den Erhalt unserer intakten Grundschule überhaupt in Erwägung gezogen oder geprüft wurde. Die Zeit für einen Gegenvorschlag war für die Kommune bislang mehr als nur knapp bemessen, aber dennoch konnten hier einige zusammengetragen werden. Nachfolgend werden drei Varianten dargestellt:
1. Der seit 2003 geschlossene in Göllingen leer stehende Regelschulkomplex befindet auf einem eigens für eine Schule konzipierten Grundstück, welches dem Landkreis noch gehört und in dieser Form die ideale Größe für unsere Grundschule besitzt. Für eine Renovierung dieses infrastrukturell absolut geeigneten Objektes (Alleinlage, Turnhalle, Schulgarten, Buswendeschleife) werden sicher keine 1.600.000,- € benötigt.
2. Um dies zu veranschaulichen wurde vom Unterzeichner ein Ersatzneubau in Modulbauweise angefragt. Hier gäbe es sogar eine Nachnutzungsmöglichkeit (bsp. Servicewohnen), wenn diese konzeptionell berücksichtigt würde. Zur Errichtung einer unseren Sicherheitsstandards entsprechend ausreichende, fertige und neue Grundschule würden hier ca. 700.000,- € ausreichen.
3. Ein Vorschlag in der vorliegenden Konzeptin war, dass die beiden Grundschulen von Udersleben und Rottleben als ein Grundschulzentrum in der Feldstraße in Bad Frankenhausen für zwei eigenständige Schulen aufgehen. Warum ist es nicht möglich, Grundschulzentren in den genannten Ortsteilen auch für Bad Frankenhausen entstehen zu lassen. Die baulichen Voraussetzungen sind durch den Leerstand des ebenso vorhandenen weitaus größeren 1998 geschlossenen Schulobjektes in Rottleben einerseits vorhanden. Diese Schule war bereits bei der Sanierung der Juri-Gagarin-Schule Bad Frankenhausen Ausweichobjekt. Auch hier sind die infrastrukturellen Voraussetzungen genau auf eine Schule ausgerichtet worden.
In diesen drei dargestellten Varianten sind utopische Investitionen nicht notwendig und Schulstandorte müssen nicht kaputt gemacht werden. Ebenso werden die gemeinsamen Empfehlungen der kommunalen Spitzenverbände und des Thüringer Kultusministeriums zur Schulnetzplanung für Grundschulen (Klassenstärke 15 Schüler, Wegstrecke maximal 8 km) nicht verletzt, wovon man in der vorgeschlagenen Variante der Schulnetzkonzeption nicht ausgehen kann.
Es kommt letztlich darauf an, kreative und vor allem verantwortungsvolle Lösungen für eine funktionierende Schul-NETZ-planung zu finden, die auch der Bevölkerung der ländlichen Regionen Verantwortung trägt. Einer Gemeinde – einer Region - von ca. 4.500 Einwohnern wie das Kyffhäuserland (s)eine Grundschule mit einer 100jähriger Schultradition nur mit der Begründung eines Investitionsstaus zu nehmen ist, als wenn man einen alten Baum ausreißt und an einen anderen Platz verpflanzen will. Dort geht er nie mehr an und hinterlässt am alten Standort ein riesiges leeres Loch!
Man hätte auch einmal über den Tellerrand hinausblicken können. Welche Lösungen andere Thüringer Landkreise haben. Es gibt auch noch andere Flächenlandkreise, die weitaus kleine Schulen in den ländlichen Regionen erhalten.
Bildung und Kultur sind in einer ländlichen Region Schlüsselfaktoren für die Entwicklung und den Erhalt vorhandener Lebensqualität. Dies sollte Zielrichtung einer Schul-NETZ-planung sein.
Frau Hochwind, liebe Kreistagmitglieder und Verantwortliche des Schulverwaltungsamtes – ich fordere Sie auf, Ihrer politischen Verantwortung auch für die Bürgerinnen und Bürger der ländlichen Regionen insbesondere des Kyffhäuserlandes nachzukommen und appelliere an Sie, dass Grundschulschließungen nicht zum Politikum werden.
Letztlich hat diejenigen, die es betrifft – die Eltern und vor allem unsere Kinder – wieder einmal niemand gefragt oder beteiligt. Denn sie werden es sein, die diese Entscheidungen tragen müssen.
Mit freundlichen Grüßen
Knut Hoffman
Bürgermeister der Gemeinde Kyffhäuserland
