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Wider das Vergessen

Mittwoch, 05. Juni 2013, 00:33 Uhr
Senioren besuchten KZ Gedenkstätte Mittelbau Dora Von der Seniorengruppe des WB4 Sondershausen erreichte kn folgender Bericht.


Die Seniorengruppe vom WB 4 der Volkssolidarität in Sondershausen war wieder mit dem Bus von Funktaxi Grambs unterwegs. Organisiert wurde diese Fahrt wieder von T. Leipold und C. Groß. Dieses Mal besuchten wir auf Wunsch etlicher unserer Senioren die KZ Gedenkstätte Mittelbau Dora bei Niedersachswerfen.

Wider das Vergessen (Foto: Thomas Leipold) Wider das Vergessen (Foto: Thomas Leipold)

Dieser Ausflug war auch für unsere Mitglieder nicht einfach, führte er uns doch in das dunkelste Kapitel der Deutschen Geschichte und war für viele mit eigenen Erinnerungen an diese schlimme Zeit verbunden. Doch wie schlimm die Bedingungen für die Gefangenen in einem solchen Lager waren, kein Wasser, viel zu wenig zu essen, unmögliche (auch hygienische Bedingungen), arbeiten und schlafen im Stollen bei max. +8°C, das hätten wir uns auch nicht vorstellen können.

Vor dem Eingangs- und Museumsgebäude der Gedenkstätte wurden wir von Herrn Horst Holter, unserem Begleiter bei der Führung, begrüßt und er gab uns an einem Modell des Lagers einen ersten Überblick und erste Erklärungen.

Bergbau gab es hier zwar schon seit Beginn des 19. Jahrhunderts, wichtige Bedeutung erlangte das Stollensystem aber erst im Dritten Reich. Erst waren sie als unterirdisches Öl- und Kraftstofflager gedacht und nach der Bombardierung der Raketenbau- und Versuchsanlagen in Peenemünde ab dem 28. August 1943 als wichtige Produktionsstätte mehrerer Rüstungsfirmen erweitert. Am bekanntesten ist davon die Montage der "Vergeltungswaffe 1", auch V1 genannt, die mit etwa 3000 Stück auch zur Bombardierung von London zum Einsatz gekommen ist. Herr Holter kennt sehr viele ehemalige Häftlinge noch persönlich. 1995 - zum 50jährigem Gedenken der Befreiung - waren noch 500 ehemalige Häftlinge am Leben und zu diesem Anlass und zum Gedenken gekommen.

Wider das Vergessen (Foto: Thomas Leipold) Wider das Vergessen (Foto: Thomas Leipold)

Von vielen kennt er die Erlebnisberichte ihrer schlimmen Zeit im Lager und während der Nazi Zeit direkt aus erster Hand. Insgesamt seien von den 60 Tausend Häftlingen etwa 20 Tausend direkt im Lager umgekommen und weitere überlebten die Todesmärsche kurz vor der Befreiung des Lagers nicht. Sehr anschaulich konnte er uns im Lager und im Stollen das unsagbare Leid, die katastrophalen Zustände des Lebens (oder eher des Vegetierens) und der Zwangsarbeit der Gefangenen darlegen.

Ich muss sagen, dass meine inneren Gefühle, Empfindungen und Gedanken bei diesen Berichten während der Führung direkt im Stollensystem keinem Vergleich zu entsprechenden Filmen, Dokumentationen standhalten konnten. Mit einer Schweigeminute gedachten auch wir im Stollen der vielen Opfer des Nazi Regimes und in diesem Lager.

Zum Abschluss bedankten wir uns als Gruppe bei Herrn Holter sehr herzlich für diese besondere Führung. Aber auch hier fehlten mir eigentlich die passenden Worte, zu sehr hatte man mit dem gerade Gesehenen und Erzählten zu kämpfen und dieses auch erst einmal zu verarbeiten. Es ist sehr schwer diese Grausamkeit und das unsagbare Leid in Worte zu fassen.

Deshalb ist es gut, dass es solche Gedenkstätten zu diesem dunkelsten Kapitel Deutscher Geschichte gibt. Das war danach auch die einhellige Meinung unserer Senioren. Wider das Vergessen und auch unseren nachfolgenden Generationen als Mahnung.
Immer wieder die Frage, wie konnte man Menschen solches Leid antun?! Tief bewegt drehten sich auch beim anschließenden Kaffeetrinken im Eiscafe Baumann in Niedersachswerfen unsere Gespräche um diesen Lagerbesuch. Kaffee, Kuchen und Eisbecher dort waren sehr lecker. Gerne werden wir bei Fahrten in diese Gegend wieder im Eiscafe einkehren und lecker schlemmen. Wir bedanken uns bei allen Organisatoren und Helfern für die Gestaltung dieses Nachmittages.
T. Leipold
Autor: khh

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