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In der Hölle gefangen

Mittwoch, 26. Juni 2013, 14:05 Uhr
Cannabis, Speed, Kokain, Crystal, Heroin – auch die Konsumenten sehen die Gefahren von illegalen Drogen, doch meistens haben die Drogen das Leben der Betroffenen fest im Griff. Erste Therapieversuche scheitern oftmals. eine Betrachtung zum heutigen Weltdrogentag...


Viele Drogenkonsumenten verlieren ihre Arbeit, ihren Partner und ihre Freunde durch die Abhängigkeit. Der Weg bis zum Wendepunkt ihres Lebens und zum Absprung aus der Sucht ist eine schmerzliche Erfahrung.

Drogenkonsum beginnt früh - viele später Abhängige haben mit 11 Jahren die erste Zigarette geraucht und mit 12 Jahren den ersten Alkohol getrunken. Alkohol ist die Einstiegsdroge für illegale Substanzen und die Spirale dreht sich immer schneller. Ein ehemaliger Drogenabhängiger berichtet: „Den ganzen Tag war ich damit beschäftigt, irgendwie Geld zu besorgen, um dann Stoff zu haben. Das war für mich ein Fulltime-Job. Ich hab Drogen gekauft, ich hab Drogen verkauft und bin mit dem Gesetz in Konflikt geraten.

Da auszusteigen ist schwer. Wieder eine Wohnung zu haben, eine Arbeit zu haben, wieder sozial integriert zu sein bleibt oft ein Traum.“ Mit bitteren Konsequenzen: Im Jahr 2011 gab es 15 Drogentote in Thüringen, elf Männer und vier Frauen mussten in Folge ihrer Drogenabhängigkeit ihr Leben lassen. Aber jeder Todesfall durch Drogen ist nicht nur ein schmerzlicher Verlust, sondern auch ein Zeichen unterlassener Hilfeleistung durch die Gesellschaft. Wer hat die Verantwortung? Wer erkennt das Problem? Wer hilft?

Der jährlich stattfindende Weltdrogentag am 26. Juni soll auf das Thema aufmerksam machen. Er informiert über Auswirkungen und Begleiterscheinungen von Drogenkonsum und möchte für einen verantwortungsvollen Umgang mit der eigenen Gesundheit sensibilisieren. Dieser Aktionstag wurde im Dezember 1987 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen festgelegt und ist gegen den Missbrauch von Drogen gerichtet.

Aber Aufmerksamkeit allein reicht nicht. Bevor Abhängigkeit entsteht gibt es viele Möglichkeiten der Vorbeugung, die konsequent genutzt werden müssen. Suchtprävention ist ein gesellschaftlicher Auftrag, der in Bund und Ländern konsequent umgesetzt werden muss. Gerade in unserer modernen, leistungsorientierten Gesellschaft ist es wichtig, wach und konzentriert zu sein, um immer hohe Leistungen zu bringen. Und das am besten in immer kürzerer Zeit. Medikamente und illegal hergestellte Chemikalien scheinen dabei zu helfen. Momentan wird die „neue“ Droge „Crystal Meth“ viel diskutiert.

Das ist ein „Methamphetamin“, das als Aufputschmittel bereits im Zweiten Weltkrieg als Pervitin auf den Markt kam. Ein wahres Wundermittel, das müde Piloten munter und ein ganzes Heer euphorisch machen konnte. Bald wurde es von den Soldaten „Fliegerschokolade“ getauft. Doch so harmlos das klingt, so schädlich war seine Wirkung auf Körper und Psyche. Auf lange Wachphasen folgten nur kurze Erholungszeiten. Die Soldaten wurden schnell abhängig. Die Folgen waren Depressionen und Wahnvorstellungen.

Nicht die Drogen allein, sondern die Beziehungen zwischen Menschen, Substanzen und ihrer Umwelt können zum Problem werden. Die Thüringer Fachstelle Suchtprävention setzt sich am 16. Oktober 2013 mit der Fachtagung „Umwelt – Droge – Mensch. Kontrollverlust im Zeitalter der Beschleunigung“ im Haus der Sozialen Dienste in Erfurt mit diesem Thema auseinander. Wir diskutieren mit Fachkräften über die gesellschaftlichen Anforderungen der heutigen Zeit und in diesem Zusammenhang über Konsummotive, neue Drogen und die Konsequenzen für die Suchtprävention.
Kathrin Liesegang
Autor: red

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