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Partizipation im Verein

Montag, 21. Oktober 2013, 13:25 Uhr
Eine Studie für den Kyffhäuserkreis. Das kündigt zumindest "Lernen vor Ort" in einer Meldung an. Um was es geht hat kn erfahren

Im Zeitraum vom Februar 2013 bis Mai 2013 führte der Kreisjugendring Kyffhäuserkreis e. V. mit der Staatlichen Studienakademie Thüringen – Berufsakademie Gera eine wissenschaftliche Umfrage zum Thema „Partizipation in Vereinen“ durch. Die Studie wurde im Rahmen des Projekts „Teil haben – Teil werden – aktiv gestalten“ durchgeführt, welches durch das Bundesministerium des Innern im Rahmen des Bundesprogramms „Zusammenhalt durch Teilhabe“ gefördert wurde.

Ziel des Projekts war es, Teilhabemöglichkeiten von Menschen in Vereinen zu fördern. Dadurch sollte ein selbstbewusstes, lebendiges und vor allem demokratisches Gemeinwesen im Landkreis unterstützt werden. Dahinter stand und steht die Erkenntnis, dass ein Vereinsleben, das demokratisch und lebendig ist, das soziale und demokratische Miteinander im Gemeinwesen stärkt. Dies setzte zunächst eine „Situations- und Problemanalyse unter aktiver Beteiligung der Vereinsmitglieder“ voraus. Durch eine Befragung von Vereinsmitgliedern im Kyffhäuserkreis sollte herausgefunden werden sollte, wie es um die Beteiligungsmöglichkeiten für Mitglieder in Vereinen des Kyffhäuserkreises steht und welche Möglichkeiten es gibt, um Kinder und Jugendliche noch aktiver im Verein zu beteiligen.

Von den Wissenschaftlern Prof. Dr. Thomas Weil und Dr. Dr. Holger Koch der BA Gera wurden zwei Fragebögen verfasst. Einer der Fragebögen richtete sich an alle erwachsenen Mitglieder von Vereinen des Kyffhäuserkreises, ein zweiter wurde für Kinder und Jugendliche in Vereinen des Kyffhäuserkreises entwickelt.

Aufgrund eines kurzen, weil projektgebundenen, Erhebungszeitraums können die Ergebnisse der im Juni 2013 veröffentlichten Studie nicht immer als repräsentativ bezeichnet werden. Insgesamt wurden 88 Fragebögen ausgefüllt, davon 76 Fragebögen von erwachsenen Vereinsmitglieder. Die Ergebnisse der Befragung der Kinder und Jugendlichen können wegen des geringen Rücklaufs an ausgefüllten Fragebögen hier nicht weiter beachtet werden. Zudem heben die Wissenschaftler hervor, dass ein großer Anteil der Fragebögen von Mandatsträger in Vereinen ausgefüllt wurden. Fast zwei Drittel gaben an, dass sie derzeit eine Funktion, wie etwa Vorstand oder Kassenwart, im Verein ausübten. Bei den hier aufgeführten Ergebnissen muss berücksichtigt werden, dass die Antworten zu einem erheblichen Teil von Funktionären in Vereinen geprägt sind. Dennoch gibt die Studie einige interessante Einblicke in das Vereinsleben des Kyffhäuserkreises:

Zunächst lässt sich sagen, dass eine hohe Anzahl der Fragebögen äußerst sorgfältig und intensiv von den Befragten ausgefüllt wurden. An dieser Stelle könne man den Eindruck gewinnen, dass diese Befragung auf reges Interesse gestoßen und die Bereitschaft sich intensiv mit dem Anliegen der Studie zu beschäftigen, groß gewesen sei. Dahinter verberge sich mögliches Potenzial für weitere Befragungen in Vereinen, schreiben die Wissenschaftler Koch und Weil in der Studie.

Monatlich engagiert sich fast jeder Zweite der Befragten zwischen elf und vierzig Stunden. Davon sind 17,8% sogar über zwanzig bis vierzig Stunden monatlich im Verein aktiv. Dies sei als ein besonderes Engagement hervorzuheben. Die große Mehrheit der Befragten gab zudem an, dass ihr Verein mindestens durchschnittlich bis sehr stark mit der Region oder der Gemeinde im Kyffhäuserkreis verbunden sei. Diese hohe Identifikation mit der Region sei ein Pfund, das für eine lebendige Bürgergesellschaft im Kyffhäuserkreis sprechen könne, schlussfolgern die Wissenschaftler.
Bei der Arbeit im Verein geht es den Befragten mehrheitlich um Spaß und eine sinnvolle Gestaltung ihrer Freizeit. Gut zwei Drittel der Befragten verbinden mit ihrer Vereinsmitgliedschaft die Erfahrung der sozialen Einbindung und Unterstützung. Das Klima im Verein wird von der überwiegenden Mehrheit der Befragten als sehr offen und demokratisch und von einem sozialem Miteinander geprägt, empfunden.

Die Wissenschaftler stellen in der Studie fest, dass bewährte Regularien bei Entscheidungen und Mitsprache in den Vereinen zu existieren scheinen. Die Mehrheit gehe offenkundig davon aus, dass mit aktivem und passivem Wahlrecht sowie mit Mitgliedersammlungen demokratische Kontrolle möglich sei.

Die Untersuchungsergebnisse belegen auch, dass das Thema Partizipation in den meisten Vereinen angekommen sei und bereits in Mitgliederversammlungen oder Vorstandssitzungen thematisiert und diskutiert wurde. Die Studie deute u.a. deswegen einen Bedarf für tiefer gehende Diskussionen zum Vereinsleben an. Die Ergebnisse könnten als Anregung für Projekte mit ähnlicher Ausrichtung wie „Teil haben. – Teil werden – aktiv gestalten“ sein. Das nicht ausgeschöpfte Potenzial der Befragung liegt vor allem bei Kindern und Jugendlichen in Vereinen, die mit ähnlichen Fragebögen z. B. zu ihren Partizipationswünschen intensiver befragt werden könnten.

Sabine Lucks
Lernen vor Ort
Autor: khh

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