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Wenig Perspektive

Mittwoch, 23. Oktober 2013, 11:11 Uhr
Im Werben um die akademischen Fachkräfte von morgen scheint Thüringen keine guten Karten zu haben. Laut einer aktuellen Erhebung will jeder zweite Studierende das Bundesland nach dem akademischen Abschluss verlassen. Noch drastischer fällt das Votum der Hochschülerinnen und Hochschüler ...


... mit Blick auf den perspektivisch besonders relevanten MINT-Bereich aus. Die Situation geht nicht nur zu Lasten ansässiger Arbeitgeber, auch der Bildungshaushalt ist betroffen.

Per Saldo sind es 50 Prozent der Studierenden, die Thüringen am Übergang von Studium zu Beruf den Rücken kehren wollen. Im so genannten MINT-Bereich sprechen sich sogar 63 Prozent dafür aus, den Einstieg in die Erwerbsbiografie in einem anderen Bundesland angehen zu wollen. Zu diesem Ergebnis kommt die Studienreihe „Fachkraft 2020“ , die von STUDITEMPS in wissenschaftlicher Kooperation mit der Maastricht University zweimal pro Jahr veröffentlicht wird. An der neuerlichen Erhebung im September 2013 haben bundesweit rund 19.000 Studierende teilgenommen.

„Wenn de facto jeder zweite Absolvent abwandern will, kann das perspektivisch nur zu Lasten ansässiger Unternehmen gehen. Die Zahlen sind alarmierend“, fasst Benjamin Roos, Gründer und Geschäftsführer von STUDITEMPS, den Sachverhalt zusammen. Doch es trifft beileibe nicht nur Thüringen, denn laut der Erhebung haben die meisten Regionen in Deutschland mit einer mehr oder minder starken Abwanderung von Absolventen zu kämpfen. Im diesbezüglichen Ländervergleich belegt Thüringen angesichts des sich abzeichnenden Verlustes von 50 Prozent Rang 13. Die Aufteilung auf einzelne Abschlussarten lautet dabei wie folgt: Bachelor (-42 %), Master (-53 %), Promotion (-49 %).

Daneben konnten im Rahmen der Untersuchung zur Studie Fachkraft 2020 auch die monetären Effekte akademischer Binnenmigration für die jeweiligen Landeshaushalte bemessen werden. Zur Veranschaulichung: Thüringen investiert laut dem Statistischen Bundesamt (2010) pro Kopf rund 8.100 Euro in die Ausbildung seiner Studierenden – bundesweit der zweite Platz. Legt man diesem Betrag die für Thüringen errechnete Absolventen-Abwanderung zugrunde, ergibt sich ein jährlicher Verlust in Höhe von rund 260 Millionen Euro, was im abermaligen Vergleich der Länder Rang 12 gleichkommt.

Roos dazu: „Letztlich ist die Situation auch in Thüringen paradox: Man investiert nach Kräften in die akademische Ausbildung junger Menschen, um das daraus resultierende Potenzial an Erwerbspersonen in drastischem Maße an andere Länder zu verlieren.“ Die bundesweite Situation: Mit Migrationsgewinn von Absolventen können hierzulande lediglich Hamburg (+216 %), Berlin (+54 %), Bayern (+23 %) und Baden-Württemberg (+20 %) rechnen. Dagegen hat den höchsten Verlust mit einem Minus von 66 Prozent Brandenburg zu verzeichnen.

Wer sich hingegen als Absolvent für einen Verbleib oder beruflich bedingten Zuzug nach Thüringen entscheidet, favorisiert als Arbeitsort in der Regel Erfurt. Rund 45 Prozent aller sich abzeichnenden Jobeinsteiger des Landes gaben an, die Hauptstadt ansteuern zu wollen. Die komplette Städteliste ist unter www.fachkraft2020.de/themen/studentenmigration einsehbar.
Autor: red

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