Auf ein Wort
Freitag, 08. November 2013, 08:17 Uhr
Morgen, vor 75 Jahren, wurden in diesem Deutschland Synagogen angezündet, Geschäfte geplündert, jüdische Mitbürger erschlagen, eingesperrt, deportiert. Es war der Beginn dessen, was in den Geschichtsbüchern Holocaust genannt wird. Dazu Anmerkungen von Superintendent Kristóf Bálint aus Bad Frankenhausen...
Holocaust (dt. alles brennt), dieser fremde Begriff ist verbunden mit dem 9. November, dem morgigen Sonnabend. Es ist ein Gedenktag, ein stiller Tag.
An diesem Tag wurden vor 75 Jahren in Deutschland viele Synagogen angezündet, oder, wenn Sie in Wohngebieten lagen, geschändet, stark beschädigt bis zerstört. Es war der Beginn einer Verfolgung, wie es sie seit den Pogromen des Mittelalters nicht mehr gab. Deutsche Juden, die anerkannte Bürger, große Wissenschaftler und Wohltäter des öffentlichen Lebens waren, wurden plötzlich wie Rechtlose behandelt und hart bedrängt - auch in unserem Landkreis.
Sie verstanden oft nicht, dass Sie, deren Familien seit Jahrhunderten in Deutschland lebten, plötzlich nicht mehr Deutsche, ja mehr noch, nur noch Untermenschen sein sollten. Die Nachbarn, die bisher die Milch, den Stoff u.a. bei Ihnen kauften, spuckten sie nun an.
Und das war nur der Anfang einer gottlosen Zeit, in der selbst Christen einem anderen Heiland folgten als dem, den die Bibel bezeugt. Eine schlimme Zeit. Heute vor 75 Jahren. Dieser Gedenktag ist nicht überholt, er ist, Gott sei es geklagt, ein sehr aktueller Tag. Der Prozess in München und mancher ausländerfeindliche Witz zeigt: der Schoß ist fruchtbar noch.
Das Zeigen auf andere ist immer noch en Vogue. Wer auf andere weist, will immer auch von sich selbst ablenken und vergisst, dass er zwar mit einem Finger auf einen anderen, mit drei seiner Hand aber auf sich selbst weist. Wir können viele Dinge kritisieren, auch Menschen, doch glaubwürdiger wäre es, wir fingen bei uns damit an, ehe wir aufschäumen, was die Tebartze und Machnigse dieser Zeit so alles verzapfen.
Dieser Tag mahnt uns zu Klarheit, warnt vor Maßlosigkeit in der Kritik. Weder können wir Worte zurückholen noch verhindern, dass wir an unseren gemessen werden. Hält jeder dann stand, wenn die Elle an ihn gelegt wird? Deshalb tut die Stille gut, sie verschafft uns Raum zum Nachdenken. Das tut Not und ermöglicht Neubeginn.
Kristóf Bálint, Superintendent
Autor: redHolocaust (dt. alles brennt), dieser fremde Begriff ist verbunden mit dem 9. November, dem morgigen Sonnabend. Es ist ein Gedenktag, ein stiller Tag.
An diesem Tag wurden vor 75 Jahren in Deutschland viele Synagogen angezündet, oder, wenn Sie in Wohngebieten lagen, geschändet, stark beschädigt bis zerstört. Es war der Beginn einer Verfolgung, wie es sie seit den Pogromen des Mittelalters nicht mehr gab. Deutsche Juden, die anerkannte Bürger, große Wissenschaftler und Wohltäter des öffentlichen Lebens waren, wurden plötzlich wie Rechtlose behandelt und hart bedrängt - auch in unserem Landkreis.
Sie verstanden oft nicht, dass Sie, deren Familien seit Jahrhunderten in Deutschland lebten, plötzlich nicht mehr Deutsche, ja mehr noch, nur noch Untermenschen sein sollten. Die Nachbarn, die bisher die Milch, den Stoff u.a. bei Ihnen kauften, spuckten sie nun an.
Und das war nur der Anfang einer gottlosen Zeit, in der selbst Christen einem anderen Heiland folgten als dem, den die Bibel bezeugt. Eine schlimme Zeit. Heute vor 75 Jahren. Dieser Gedenktag ist nicht überholt, er ist, Gott sei es geklagt, ein sehr aktueller Tag. Der Prozess in München und mancher ausländerfeindliche Witz zeigt: der Schoß ist fruchtbar noch.
Das Zeigen auf andere ist immer noch en Vogue. Wer auf andere weist, will immer auch von sich selbst ablenken und vergisst, dass er zwar mit einem Finger auf einen anderen, mit drei seiner Hand aber auf sich selbst weist. Wir können viele Dinge kritisieren, auch Menschen, doch glaubwürdiger wäre es, wir fingen bei uns damit an, ehe wir aufschäumen, was die Tebartze und Machnigse dieser Zeit so alles verzapfen.
Dieser Tag mahnt uns zu Klarheit, warnt vor Maßlosigkeit in der Kritik. Weder können wir Worte zurückholen noch verhindern, dass wir an unseren gemessen werden. Hält jeder dann stand, wenn die Elle an ihn gelegt wird? Deshalb tut die Stille gut, sie verschafft uns Raum zum Nachdenken. Das tut Not und ermöglicht Neubeginn.
Kristóf Bálint, Superintendent
