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Werner Tübke – Gen Narragonien

Dienstag, 12. November 2013, 00:05 Uhr
Das lithografische Werk. Eine gelungene Vernissage feierte das Panorama Museum Bad Frankenhausen am Samstag, dem 09. November 20130.

Neben Herrn Matthias Strejc, Bürgermeister der Kurstadt, freuten sich Gerd Lindner, Direktor des Museums, und Herr Peter Hengstermann, Vorsitzender des Trägervereins Panorama Museum e.V. auch Herrn Dr. Karl-Heinz Hänel, ehemaliger Ministerialrat des Thüringer Ministeriums für Wissenschaft, Bildung und Kultur, und viele Jahre Wegbegleiter und Mentor des Panorama Museums, willkommen heißen zu dürfen. Ebenso auch zahlreiche Gäste aus Bad Frankenhausen und der unmittelbaren Umgebung, die schon seit etlichen Jahren zu den Stammbesuchern der Ausstellungseröffnungen im Panorama zählen sowie Kunstliebhaber bspw. aus Erfurt, Leipzig, Gotha, Zwickau, Halle, Göttingen und gar Essen, die extra zur Vernissage anreisten.

Werner Tübke – Gen Narragonien (Foto: Panoramamuseum Bad Frankenhausen) Werner Tübke – Gen Narragonien (Foto: Panoramamuseum Bad Frankenhausen)


116 Lithografien und Zinkdrucke aus annähernd einem halben Jahrhundert sind aus dem Fundus des Panorama Museums für diese Ausstellung ausgewählt worden. Dank der Reichhaltigkeit der Sammlung bietet sich so ein repräsentativer Überblick über Tübkes lithografisches Schaffen, zu dem 189 Einzelblätter gehören. Der Bogen spannt sich dabei von frühen zeitgeschichtlichen Interventionen zum Ungarn-Aufstand von 1956 über historische Reflexionen der Bauernkriegsereignisse und – gleichsam als Kontrapunkt dazu – höchst intimen, halluzinativen Phantasmagorien, Wahrnehmungen und Erinnerungen aus der Fülle der Reifezeit bis zu metaphysisch entrückten Visionen einer tief aus dem Innern geschöpften Transzendenz im Alterswerk des vergeistigten Meisters, der an Reinkarnation glaubte und sich früh schon als Werkzeug eines Höheren sah.

Vergleicht man signifikante Arbeiten aus den einzelnen Schaffensphasen, so wird stilistisch zwar eine Genesis offenbar, die der allgemeinen Entwicklung seines Werkes folgt, die künstlerische wie geistige Grundhaltung erscheint jedoch von den ersten Anfängen bis zum Schluss organisch gewachsen und ohne Bruch. Dabei wirken die Blätter gerade aus der hohen Phase seines lithografischen Schaffens vom Ende der 70er bis zum Ausgang der 80er Jahre, aber auch das nachklingende Spätwerk der 90er bisweilen überaus hermetisch, fremd und rätselhaft, ja kryptisch, gelegentlich gar schemenhaft zerfasert, dann wieder strukturell komprimiert und geistig absolut verdichtet.

Werner Tübke – Gen Narragonien (Foto: Panoramamuseum Bad Frankenhausen) Werner Tübke – Gen Narragonien (Foto: Panoramamuseum Bad Frankenhausen)

Werner Tübke - Zeus und Prometheus, 1982 - Kreidelithografie, 46,0 x 60,0 cm
Sammlung Panorama Museum, Bad Frankenhausen - © VG Bild-Kunst Bonn, 2013


In der Tat, das Wesen dieser Kunst ist nicht leicht zu fassen. Zu vielschichtig und komplex, aber auch fremdartig, verschlüsselt und entlegen scheint der Bedeutungsgehalt dieser Bilder, zu rückwärtsgewandt und elitär ihr ästhetischer Wert. Ein wirkliches Verständnis dieser feinnervigen, manierierten Altmeisterlichkeit setzt Kenntnisse, auch kunsthistorisches Wissen, doch mehr noch Kunsterfahrung, dass heißt ein geschultes Auge, optische Sensibilität und das Vermögen zu abstrakt-gleichnishaftem Denken in Sinnbildern und Widersprüchen voraus.


Die Ausstellung ist noch bis zum 09. Februar 2014 im Panorama Museum zu sehen.

Gerd Lindner und Silke Krage
Panorama Museum Bad Frankenhausen
Autor: khh

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