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Sonderbares aus Sondershausen (16)

Donnerstag, 14. November 2013, 00:57 Uhr
Heute: Das besondere Konzert. Mit spitzer Feder nimmt Eric Sommer ein Konzert in Sondershausen unter die Lupe!


“Die Musik ist undefinierbar, das Image fraglich. Das Publikum wird beschimpft und genötigt. Die Kostüme liegen zielsicher und verlässlich im Bereich des Geschmacklosen und die Maske kann auch nichts mehr retten. Dennoch sind ihre Konzerte überall ausverkauft.“ So kündigte der Jazz-Club eine Dresdner Combo namens “DEKAdance“ an und es klang eigentlich wie ein Scherz, machte aber neugierig.

Doch wer die Veranstaltung besuchte, konnte schnell feststellen: Die Musik war undefinierbar, das Image fraglich. Das Publikum wurde beschimpft und genötigt. Die Kostüme lagen zielsicher und verlässlich im Bereich des Geschmacklosen und die Maske konnte auch nichts mehr retten. Dennoch war das Konzert nicht ganz ausverkauft, was der Stimmung im Sechseckhaus, wie das geometrisch wohl nicht sonderlich begabte Bandoberhaupt den Jazzkeller nannte, keinesfalls Abbruch tat.

“Unsere Lieder sind so gemacht, dass sie auch eine BWL Studentin aus Niedersachswerfen verstehen kann.“ verkündete der Sänger, Trompeter und Erklärer der Gruppe, Bert Stephan gleich zu Beginn und spielte damit wohl auf die Dominanz von Nordhäuser Menschen im Sondershäuser Publikum an. Die Ursachenforschung steht hinsichtlich dieses Phänomens übrigens noch ganz am Anfang. Es ist zu vermuten, dass der Namenszusatz “Musikstadt“ sich nicht zwangsläufig, kausal und unmittelbar auf eine gesteigerte Affinität der Stadtmenschen hinsichtlich musikalischer Darbietungen auswirkt. Freilich steht der diesbezügliche Beweis noch aus und diese These sollte keinesfalls dazu verleiten, die angedeutete Argumentationskette sinngemäß auf die spezifischen Umstände der nördlichen Nachbarstadt zu übertragen.

Kurzum, wenn es den schlecht ausgeleuchteten Instrumenten denn einmal gelang, die humoristischen Kaskaden teils unvollendeter, die niedersten Instinkte ansprechender Witze zu durchdringen, musste man neidvolle erkennen, dass die dekadent maskierten Bühnenclowns zweifelsfrei in der Lage waren, einen erstklassigen, hervorragenden und mitreißenden Sound zu produzieren. Leider wurden diese, eigentlich zum Bierholen gedachten Phasen immer wieder von zerstörerischen Redebeiträgen unterbrochen, sodass die Stimmung letztlich den ganzen Abend auf einem bestimmten, für jeden Einzelnen individuell recht unterschiedlichen Niveau verblieb.

Schlussendlich hatte Bert Stephan am Ende Recht, wenn er abschließend behauptete, die Band hätte auch ohne das Publikum ihren Spaß gehabt, während die zahlende Herde den ganzen Abend nur dumpf die Wand des Sechseckhauses angestarrt hätte, eine Wand, in die man aus Umweltschutzgründen nicht einmal einen Nagen schlagen dürfe.

Eric Sommer
Autor: khh

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