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Warum hier und nicht woanders?

Dienstag, 19. November 2013, 00:05 Uhr
Um diese Frage drehte es sich ganz heftig bei der Einwohnerversammlung im Ortsteil Großfurra der Stadt Sondershausen. Streitpunkt der mögliche Bau eines Pumpspeicherwerkes.

Es war keine "normale Einwohnerversammlung", die da gestern ablief. Das Interesse war groß und schon 10 Minuten vor dem eigentlichen Beginn waren alle Plätze besetzt. Klar, Kernpunkt des heutigen Tages waren Informationen und Fragen zum möglichen Bau eines Pumpspeicherwerks auf der Hainleite, dessen Unterbecken zwischen Großfurra und Kleinfurra liegen soll.

Warum hier und nicht woanders? (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Warum hier und nicht woanders? (Foto: Karl-Heinz Herrmann)

Schon in Erwartung einer längeren Diskussion hatte Versammlungsleiterin Cornelia Kraffzick (SPD), 1. Beigeordnete der Stadt Sondershausen, und dem Gast entgegenkommend, auf die sonst übliche Reihefolge der Tagesordnung verzichtet. Zu Gast war Detlef Berger von der PSW Hainleite GmbH, welche die Möglichkeiten des Baus eines Pumpspeicherwerkes prüfen soll und bei Realisierbarkeit auch bauen soll.

Wesentlich neue Informationen gab es nicht, welche nicht schon am 15. Oktober in der großen Bürgerversammlung auf dem Straußberg (Bürgerversammlung) gesagt worden wären. Zusammengefasst, was besonders Großfurra betraf: Unterbecken rund 5 Millionen m3, 40 bis 50 ha Wasserfläche, alle Wasserleitungen unterirdisch und ein Gebäude (eventuell mit Kran) nicht höher als zweistöckig.

Berger sicherte im Namen der Firma zu, wird werden nach Möglichkeit weitgehend vom Ort versuchen abzurücken und es wird keine Geruchsbelästigung geben. Zur Zeit sei man dabei die Antragskonferenz für die Raumordnung vorzubereiten, was ungefähr im Januar / Februar beim Landesverwaltungsamt in Weimar passieren soll. Ehe alle weiteren Fragen geklärt sind, ist mit einem Baubeginn frühestens 2016 zu rechnen.

Dann waren die Bürger mit den Fragen an der Reihe. Los ging es mit
"Was hat Großfurra davon und wie ist die wirtschaftliche Zielstellung". Letzteres konnte Berger klar beantworten, wir wollen Gewinne machen. Wenn das nicht erreichbar ist, machte er deutlich, wird der Bau nicht in Angriff genommen. Er machte noch mal deutlich, es wird keine Fördergelder für das Projekt geben, was an Hand der Fragen einiger Bürger doch angezweifelt wurde.

Aber schon die Aussage von Berger, was die Stadt mit den erhaltenen Steuern macht, wird nicht das PSW Hainleite entscheiden erregte Widerspruch. Der Verlustvortrag sei für die nächsten 50 Jahre so hoch, dass nicht Steuern an die Stadt fließen werden, so der Vorwurf. Und wenn die Steuern wirklich an die Stadt fließen, haben wir in Großfurra nichts davon, so der Vorwurf. Aber wir dürfen den Baulärm, die Belastungen des Fahrzeugverkehrs und eine mögliche Verschandelung der Umgebung ertragen.

Außerdem werden sicher nur Subunternehmer eingesetzt, die so schlecht bezahlt werden, dass sie nicht mal in Großfurra einkaufen könnten. Hier wehrte Berger ab, Hochtief werde viel mit eigenen Kräften bauen.

Und immer wieder der Vorwurf, warum bei uns!!! So kam der Vorwurf, dass Landkreis und Stadt sich um das Projekt reißen würden, um ihr auch mal etwas bauen zu dürfen. Nicht gut an kam der Einwurf von Kraffzick, eigentlich haben wir ja als Stadt und Landkreis gar nicht die große Einflussmöglichkeit, ob gebaut wird oder nicht. Entscheidungsträger sei das Land Thüringen, so Kraffzick. Die Gesetzeslage Thüringens wird entscheiden, ob gebaut werden darf oder nicht. In den entsprechenden Verfahren, werden dann auch die verschiedenen Entscheidungsträger ihren Einfluss geltend machen, wie Firmen der Region GVV oder GSES wegen der möglichen Bergbau- und hydrologischen Probleme.

Breites Thema auch die Geruchsbelästigung. Die Wipper hat jetzt schon oft eine Algenblüte und dann stinkt es gewaltig, was soll dann erst mit den großen Becken werden. Das Problem werden wir beherrschen so Berger (sagte aber dazu die Sache mit den Algen im Auge zu behalten) und zum Thema Verschandelung sagte er:

Es wird keinen Betondamm an den Becken geben, sondern hier werden weitgehend grüne Dämme entstehen. Einem Bürger, der bereits andere Pumpspeicherwerke besucht hatte, war einer der wenigen im Saal, die etwas Unterstützung gaben: Ich habe bei keinem anderen Pumpspeicherwerk Geruchsbelästigung bemerkt.

Die beiden Becken werden das Klima verändern, so ein weiterer Vorwurf, dabei ging es in der Richtung, die beiden Becken werden so viele Gewitter anziehen, dass wir den Versicherungsschutz wegen der viele Unwetter verlieren werden.

Ganz stark war auch der Vorwurf, das bezweifelt wir, dass das Pumpspeicherwerk überhaupt wirtschaftlich betrieben werden könne. Nun ja, in dem Punkt muss man wohl Hochtief bescheinigen, die werden doch nicht so verrückt sein, ohne Fördergelder 500 bis 600 Millionen Euro in den Sand zu setzen zu wolen, obwohl Negativbeispiele wie Stuttgart 21 oder Flughafen Berlin nicht gerade leuchtende Beispiele sind, die aber nicht von Hochtief zu verantworten sind.

Als abschließend eine Bürger mit den Worten:
"Unsere Region ist dagegen" ein Resümee ziehen wollte, gab es dann doch ein kritisches Gemurmel und Stimmen, die das im Saal nicht so sahen, obwohl man sich nicht zu Wort gemeldet hatte.

Eines kann man aus dem gestrigen Abend mitnehmen. Es wird nicht nur technisches Know how gebraucht, um die Bürger von Großfurra zu überzeugen, der Bau des PSW Hainleite sei eine sinnvolle Angelegenheit.

Hinweis:
Die PSW Hainleite GmbH ist ein 2013 durch den Hauptgesellschafter HOCHTIEF Solutions AG gegründetes Unternehmen mit Sitz in Sondershausen. Aktuell steuert und verwaltet die PSW Hainleite GmbH die Entwicklung des Pumpspeicherwerks. Zukünftig wird sie ihre administrativen Aufgaben auch in der Bau- und Betriebsphase des Pumpspeicherwerks wahrnehmen. Infos unter www.psw-hainleite.de
Autor: khh

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