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Thema Hochspannungsleitungen

Freitag, 29. November 2013, 23:34 Uhr
Carius für Dialog mit Netzagentur. Grundsatzkritik an geplanten Trassenkorridoren erneuert. Wo der Kyffhäuserkreis eingeordnet ist, erfahren Sie hier...

"Die Energiewende ist ein bundesweites Projekt, das von vielen Schultern getragen werden muss. Ich werbe deshalb bei allen am Stromnetzausbau Beteiligten für eine sachgerechte und faire Lösung. Noch in diesem Jahr werde ich mich dazu an die Verantwortlichen in der Bundesnetzagentur und an die Übertragungsnetzbetreiber wenden." Das erklärte heute ( Freitag) Landesentwicklungsminister Christian Carius zur öffentlichen Diskussion um den Bau von zusätzlichen Hochspannungsleitungen. Thüringen ist in ersten Planungen der Übertragungsnetzbetreiber von zwei neuen Trassen betroffen. Der Minister lehnt diese weiteren Trassenkorridore im Freistaat jedoch ab.

"Noch ist nichts unverrückbar entschieden. Der konkrete Verlauf der zusätzlichen Strombrücken von Nord- nach Süddeutschland ist völlig offen ", so Carius weiter. Er bekräftigte seine Auffassung, dass die Thüringer Raumordnungspräferenzen in den Regionalplänen und im neuen Landesentwicklungsprogramm 2025 unzureichend berücksichtigt wurden. "Wir wollen keine weitere Stromquerung über den Thüringer Wald" , betonte Carius erneut.

Der zusätzliche Übertragungsbedarf ist im Bundesbedarfsplangesetz geregelt. "Thüringen erkennt die Notwendigkeit zum Bau von weiteren Übertragungswegen an. Aber genauso gilt laut Netzausbaubeschleunigungsgesetz (NABEG) die Einbeziehung unserer Landes- und Regionalpläne. Das ist bisher aber nicht annähernd zufriedenstellend geschehen. Auch steht in der Gesetzgebung des Bundes an keiner Stelle, dass gleich zwei neue Trassen über Thüringen verlaufen müssen. Wir erwarten deshalb von der zuständigen Bundesnetzagentur, auch Korridore über Sachsen oder Hessen als ernsthafte Alternative zu prüfen." “

Die Thüringer Landesregierung hat am vergangenen Dienstag in einem Kabinettsbeschluss eine weitere Trassenführung über den Thüringer Wald abgelehnt.

Hintergrund

Im Rahmen der Bundesfachplanung werden Trassenkorridore bestimmt, die eine Breite von 500 bis 1.000 Metern haben sollen. Nach Abschluss des Verfahrens werden diese Korridore in den Bundesnetzplan aufgenommen. Gegenwärtig befinden sich die Übertragungsnetzbetreiber in der Phase der Vorauswahl der zu untersuchenden Trassenkorridore..

Thüringen ist bei der aktuellen Planung potenziell durch zwei Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungen (HGÜ) betroffen. Das sind der HGÜ-Korridor D (Lauchstädt bei Halle – Meitingen bei Augsburg) sowie der HGÜ-Korridor C (Wilster bei Itzehoe in Schleswig-Holstein – Grafenrheinfeld). Es handelt sich somit - neben der bereits gesetzlich gesicherten und planerisch weit fortgeschrittenen 380-kV-Südwestkuppelleitung („Thüringer Strombrücke“) über den Thüringer Wald, um zwei weitere mögliche Hochspannungsübertragungsleitungen durch den Freistaat.

Nach den aktuellen Planungen der Übertragungsnetzbetreiber wären folgende Landesteile potenziell durch den Bau weiterer Höchstspannungsleitungen betroffen:

HGÜ-Korridor C („SUED.LINK“): Die Landkreise Eichsfeld, Unstrut-Hainich-Kreis, Kyffhäuserkreis, Sömmerda, Gotha, Wartburgkreis, Schmalkalden-Meiningen und Hildburghausen sowie die kreisfreie Stadt Eisenach.

HGÜ-Korridor D („Gleichstrompassage Süd-Ost“): Die Landkreise Sömmerda, Weimarer Land, Ilm-Kreis, Hildburghausen, Sonneberg, Saalfeld-Rudolstadt, Saale-Holzland-Kreis, Saale-Orla-Kreis und Greiz sowie die kreisfreien Städte Erfurt, Weimar, Jena und Gera.

Vorhabenträger für die Gleichstromverbindung im Korridor C mit der Projektbezeichnung „SUED.LINK“ sind die Übertragungsnetzbetreiber TenneT (Bayreuth) und TransnetBW (Stuttgart). Vorhabenträger für die Gleichstromverbindung im Korridor D mit der Projektbezeichnung „Gleichstrompassage Süd-Ost“ sind die Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz (Berlin) und Amprion (Dortmund).

Der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz hatte in einer öffentlichen Informationsveranstaltung am 26. November 2013 in Weimar mögliche Trassenkorridore vorgestellt. Nach derzeitigem Planungsstand würde sich ein Leitungsneubau entlang der Bundesautobahn A 9 als Vorzugsvariante abzeichnen, so Vertreter von 50Hertz.

Die finale Verantwortung für den Verlauf der zukünftigen Höchstspannungsleitungen liegt bei der Bundesnetzagentur.
Autor: khh

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