Erhalt der Bahnhöfe gefordert
Mittwoch, 29. Januar 2014, 18:32 Uhr
Bürgerinitiative zum Erhalt der Grundschule Hohenebra fordert in einem offenen Brief die DB Regio und die Nahverkehrsservicegesellschaft Thüringen mbH auf, die Schließabsichten der Haltepunkte Hohenebra Ort und Niederspier an der Bahnstrecke Nordhausen - Erfurt zu überdenken.
Kritik an der geplanten Schließung der Haltpunkte Hohenebra Ort und Niederspier
- Offener Brief-
Sehr geehrte Damen und Herren der DB Regio und der Nahverkehrsservicegesellschaft Thüringen mbH,
aufgrund einiger kürzlich erschienenen Presseberichte zu geplanten Vorhaben Ihres Unternehmens sehen wir uns als Bürgerinitiative veranlasst, Ihnen zu schreiben. Mit Bedauern und Entsetzen nahmen wir die Information auf, dass die DB Regio erhebliche Änderungen zum Nachteil der Bürgerinnen und Bürger unserer Region plant. So sollen nach diesen Medienangaben an der Bahnstrecke Nordhausen-Sondershausen–Erfurt u.a. die Haltepunkte Niederspier und Hohenebra Ort ersatzlos gestrichen werden. Begründet würde diese Maßnahme mit Zeitersparnis auf dieser Bahnstrecke. Derartige Pläne können nicht akzeptiert werden.
Wir als Bürgerinitiative haben durch hohes Engagement bereits erfolgreich dazu beigetragen, dass die Grundschule in Hohenebra vorerst erhalten bleibt. Nunmehr richten wir unsere Arbeit auf den mittel- bis langfristigen Erhalt dieses Grundschulstandortes. Dazu gehört auch, Initiativen zu ergreifen, wenn wichtige Begleitfaktoren wegzubrechen drohen.
Mit der geplanten Schließung der Haltepunkte Hohenebra Ort und Niederspier der DB Regio würden unweigerlich weitere Einschränkungen der Flexibilität und Mobilität der Menschen unserer ländlichen Region erfolgen. Die Planungen lediglich an den ökonomischen Kennziffern ausrichten zu wollen, ist u.E. der falsche Ansatz. Auch scheint diese Begründung nur für unsere und andere Haltepunkte an dieser Strecke ausschlaggebend zu sein, da es in Thüringen rund 35 andere Haltepunkte mit einer ähnlichen Passagierfrequenz geben soll, die allerdings nicht geschlossen werden. Eine solche einseitige Ausrichtung zu Lasten unserer Bürger und Familien, aber auch der Schülerinnen und Schüler unserer Dörfer ist hochgradig inakzeptabel. Die Bahn stellt ein wesentliches infrastrukturelles Element dar. Die Haltepunkte Niederspier und Hohenebra Ort müssen erhalten werden. Die beabsichtigte Optimierung der Betriebsleistung v.a. im Hinblick auf die angestrebte Reisezeitverkürzung auf der Strecke Erfurt-Sondershausen-Nordhausen darf nicht mit Einschränkungen der Verkehrsanbindung unserer Orte einhergehen. Andere Konzepte müssen erstellt werden.
Das politische Ziel ist durch das Thüringer Ministerium für Bau, Landesentwicklung und Verkehr klar vorgegeben: Grundsätzlich soll für die Bevölkerung in allen Landesteilen erreicht werden, dass jeder die wichtigen Ziele seiner täglichen Lebensgestaltung unter zumutbaren Bedingungen mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen kann. Gemäß § 5 Absatz 1 de Thüringer Gesetzes über den öffentlichen Nahverkehr (ThürÖPNVG) sind bei der Aufstellung der Nahverkehrspläne u.a. die Mobilitätsbedürfnisse der Bevölkerung zu berücksichtigen. So wird im Nahverkehrsplan für den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) im Freistaat Thüringen, 2. Fortschreibung 2008 – 2012, SPNV-Konzept richtige formuliert: Obwohl die Bevölkerung in Thüringen in den nächsten Jahren weiter abnehmen und sich die Altersstruktur in Richtung eines höheren Anteils älterer Bewohner verändern wird, werden die Mobilitätsbedürfnisse und der Qualitätsanspruch an öffentliche Verkehrsmittel zunehmen. Generelle Zielstellung ist es, die Attraktivität des SPNV-Angebotes weiter zu erhöhen und die Konkurrenzfähigkeit gegenüber dem MIV und damit die Kundenakzeptanz zu verbessern.
Dazu gehört u. E. eben auch der Erhalt der Zugänge zum Schienenpersonennahverkehr. Bei schwach nachgefragten Zugangsstellen sollen unter Berücksichtigung der Siedlungsentwicklung und der infrastrukturellen und verkehrlichen Rahmenbedingungen unter Einbeziehung der jeweiligen Gebietskörperschaften Möglichkeiten zur Nachfragesteigerung geprüft werden. So jedenfalls sieht es der Nahverkehrsplan für den Schienenpersonennahverkehr im Freistaat Thüringen, 2. Fortschreibung 2008 – 2012 vor.
Dabei liegen der Haltepunkt Niederspier mit 13 Ein- und Aussteiger je Wochentag im Mittelfeld und der Haltepunkt Hohenebra Ort mit 18 Ein- und Aussteiger je Wochentag im obersten Bereich der in der Anlage 10 des Nahverkehrsplans für den Schienenpersonennahverkehr im Freistaat Thüringen aufgeführten Haltepunkte mit weniger als 20 Personen je Wochentag (Datengrundlage 2006). Hier sind innovative, infrastrukturerhaltende Konzepte unter Berücksichtigung der Siedlungsstruktur des Kyffhäuserkreises gefragt. Dabei muss auch das Ziel sein, für unsere Schülerinnen und Schüler v.a. für den Besuch der weiterführenden Schulen eine gute Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel auch über den SPNV zu gewährleisten.
Darüber hinaus würde die Schließung der Haltestellen unseres Einzugsbereiches einen zusätzlichen Nachteil erzeugen. Das günstige Hopper-Ticket der DB zur Anbindung an die Landeshauptstadt Erfurt wäre von diesen Stellen aus nicht mehr nutzbar (Hopper-Ticket ist als Einzelfahrt für 4,50 Euro mit max. 50 Kilometer im Nahverkehr um über 50% günstiger gegenüber dem regulären Fahrpreis Hohenebra Ort - Erfurt von 9,70 €). Die Qualität des SPNV erhielte dadurch einen nicht erwünschten, weiteren hochgradig negativen Einschnitt. Dies ist ebenso wenig vertretbar.
Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie mit uns in einen konstruktiven Dialog treten. In diesem Sinne sehen wir gern in Kürze einer Antwort auf unser heutiges Schreiben entgegen. Auch werden wir nicht versäumen, v. g. Problem an wichtige politische Entscheidungsträger des Kyffhäuserkreises und des Freistaates Thüringen zu transportieren.
Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag der Bürgerinitiative
gez. Bianka Kunz und Carsten Weiß
Autor: khhKritik an der geplanten Schließung der Haltpunkte Hohenebra Ort und Niederspier
- Offener Brief-
Sehr geehrte Damen und Herren der DB Regio und der Nahverkehrsservicegesellschaft Thüringen mbH,
aufgrund einiger kürzlich erschienenen Presseberichte zu geplanten Vorhaben Ihres Unternehmens sehen wir uns als Bürgerinitiative veranlasst, Ihnen zu schreiben. Mit Bedauern und Entsetzen nahmen wir die Information auf, dass die DB Regio erhebliche Änderungen zum Nachteil der Bürgerinnen und Bürger unserer Region plant. So sollen nach diesen Medienangaben an der Bahnstrecke Nordhausen-Sondershausen–Erfurt u.a. die Haltepunkte Niederspier und Hohenebra Ort ersatzlos gestrichen werden. Begründet würde diese Maßnahme mit Zeitersparnis auf dieser Bahnstrecke. Derartige Pläne können nicht akzeptiert werden.
Wir als Bürgerinitiative haben durch hohes Engagement bereits erfolgreich dazu beigetragen, dass die Grundschule in Hohenebra vorerst erhalten bleibt. Nunmehr richten wir unsere Arbeit auf den mittel- bis langfristigen Erhalt dieses Grundschulstandortes. Dazu gehört auch, Initiativen zu ergreifen, wenn wichtige Begleitfaktoren wegzubrechen drohen.
Mit der geplanten Schließung der Haltepunkte Hohenebra Ort und Niederspier der DB Regio würden unweigerlich weitere Einschränkungen der Flexibilität und Mobilität der Menschen unserer ländlichen Region erfolgen. Die Planungen lediglich an den ökonomischen Kennziffern ausrichten zu wollen, ist u.E. der falsche Ansatz. Auch scheint diese Begründung nur für unsere und andere Haltepunkte an dieser Strecke ausschlaggebend zu sein, da es in Thüringen rund 35 andere Haltepunkte mit einer ähnlichen Passagierfrequenz geben soll, die allerdings nicht geschlossen werden. Eine solche einseitige Ausrichtung zu Lasten unserer Bürger und Familien, aber auch der Schülerinnen und Schüler unserer Dörfer ist hochgradig inakzeptabel. Die Bahn stellt ein wesentliches infrastrukturelles Element dar. Die Haltepunkte Niederspier und Hohenebra Ort müssen erhalten werden. Die beabsichtigte Optimierung der Betriebsleistung v.a. im Hinblick auf die angestrebte Reisezeitverkürzung auf der Strecke Erfurt-Sondershausen-Nordhausen darf nicht mit Einschränkungen der Verkehrsanbindung unserer Orte einhergehen. Andere Konzepte müssen erstellt werden.
Das politische Ziel ist durch das Thüringer Ministerium für Bau, Landesentwicklung und Verkehr klar vorgegeben: Grundsätzlich soll für die Bevölkerung in allen Landesteilen erreicht werden, dass jeder die wichtigen Ziele seiner täglichen Lebensgestaltung unter zumutbaren Bedingungen mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen kann. Gemäß § 5 Absatz 1 de Thüringer Gesetzes über den öffentlichen Nahverkehr (ThürÖPNVG) sind bei der Aufstellung der Nahverkehrspläne u.a. die Mobilitätsbedürfnisse der Bevölkerung zu berücksichtigen. So wird im Nahverkehrsplan für den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) im Freistaat Thüringen, 2. Fortschreibung 2008 – 2012, SPNV-Konzept richtige formuliert: Obwohl die Bevölkerung in Thüringen in den nächsten Jahren weiter abnehmen und sich die Altersstruktur in Richtung eines höheren Anteils älterer Bewohner verändern wird, werden die Mobilitätsbedürfnisse und der Qualitätsanspruch an öffentliche Verkehrsmittel zunehmen. Generelle Zielstellung ist es, die Attraktivität des SPNV-Angebotes weiter zu erhöhen und die Konkurrenzfähigkeit gegenüber dem MIV und damit die Kundenakzeptanz zu verbessern.
Dazu gehört u. E. eben auch der Erhalt der Zugänge zum Schienenpersonennahverkehr. Bei schwach nachgefragten Zugangsstellen sollen unter Berücksichtigung der Siedlungsentwicklung und der infrastrukturellen und verkehrlichen Rahmenbedingungen unter Einbeziehung der jeweiligen Gebietskörperschaften Möglichkeiten zur Nachfragesteigerung geprüft werden. So jedenfalls sieht es der Nahverkehrsplan für den Schienenpersonennahverkehr im Freistaat Thüringen, 2. Fortschreibung 2008 – 2012 vor.
Dabei liegen der Haltepunkt Niederspier mit 13 Ein- und Aussteiger je Wochentag im Mittelfeld und der Haltepunkt Hohenebra Ort mit 18 Ein- und Aussteiger je Wochentag im obersten Bereich der in der Anlage 10 des Nahverkehrsplans für den Schienenpersonennahverkehr im Freistaat Thüringen aufgeführten Haltepunkte mit weniger als 20 Personen je Wochentag (Datengrundlage 2006). Hier sind innovative, infrastrukturerhaltende Konzepte unter Berücksichtigung der Siedlungsstruktur des Kyffhäuserkreises gefragt. Dabei muss auch das Ziel sein, für unsere Schülerinnen und Schüler v.a. für den Besuch der weiterführenden Schulen eine gute Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel auch über den SPNV zu gewährleisten.
Darüber hinaus würde die Schließung der Haltestellen unseres Einzugsbereiches einen zusätzlichen Nachteil erzeugen. Das günstige Hopper-Ticket der DB zur Anbindung an die Landeshauptstadt Erfurt wäre von diesen Stellen aus nicht mehr nutzbar (Hopper-Ticket ist als Einzelfahrt für 4,50 Euro mit max. 50 Kilometer im Nahverkehr um über 50% günstiger gegenüber dem regulären Fahrpreis Hohenebra Ort - Erfurt von 9,70 €). Die Qualität des SPNV erhielte dadurch einen nicht erwünschten, weiteren hochgradig negativen Einschnitt. Dies ist ebenso wenig vertretbar.
Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie mit uns in einen konstruktiven Dialog treten. In diesem Sinne sehen wir gern in Kürze einer Antwort auf unser heutiges Schreiben entgegen. Auch werden wir nicht versäumen, v. g. Problem an wichtige politische Entscheidungsträger des Kyffhäuserkreises und des Freistaates Thüringen zu transportieren.
Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag der Bürgerinitiative
gez. Bianka Kunz und Carsten Weiß
