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Forum: Reinholz und sein Elefantenjäger

Mittwoch, 05. Februar 2014, 06:28 Uhr
„Der Held hat ein Gesicht, der Feigling zwei“, fand ein Leser der Nordtüringer Online-Zeitungen in einer Aphorismensammlung aus dem Kaukasus. Und vielleicht war ja sogar ein rechtschaffender Jäger Urheber des Satzes. Einer, der einem Kollegen beispielsweise wegen eines gewilderten Bären sein Missfallen zum Ausdruck bringen wollte...


Als ein Held des 21. Jahrhunderts hatte sich wohl auch Udo W. gefühlt, als er, nur die Kraft des Zeigefingers seiner rechten Hand benötigend, einen afrikanischen Elefanten zur Strecke brachte. Sicher, liebe Leser, die Kraft des Fingers allein reichte nicht. Mehrere Zehntausend Euro wird der Spitzenbeamte für seinen Abschuss wohl berappt haben.

Vielleicht nach dem Vorbild des spanischen Königs, der sich seinen Elefanten-Kick wenige Monate zuvor 44.000 Euro kosten ließ und hernach folgerichtig vom WWF als dessen Präsident "abgeschossen" wurde. Man kann sich darüber streiten, ob es angesichts dieses königlichen Eklats für den Thüringer Spitzenartenschützer Udo W. nicht besser gewesen wäre, ein stiller Held zu bleiben, statt sich mit dem von ihm erzeugten armseeligen Kadaver zu brüsten.

Wenn ich schon zwei oder drei meiner Monatsgehälter für einen einzigen Elefanten hinblättern musste, wird er sich gesagt haben, dann sollen doch wenigstens andere etwas von seinem Heldenmut erfahren. Beamtengesetze, die guten Sitten und der internationaler Artenschutz müssen da einfach mal zurückstehen.

Zurückstehen muss vor so viel Heldentum auch das Wissen um das fürchterliche Gemetzel, das alljährlich noch immer eine Blutspur durch den afrikanischen Busch zieht: 38.000 Dickhäuter sollen es allein 2009 gewesen sein, die dem illegalen Elfenbeinhandel zum Opfer fielen – als Ausdruck für eine Marktwirtschaft ohne Scheuklappen: Vielleicht wird Udo W. jetzt argumentieren, er habe ja den Elefanten gewissermaßen gekauft. Was daran sei denn Illegal?

Damit aber hätte der Spitzenartenschützer eindeutig zu kurz gedacht: Mit der armseeligen Versendung seines Heldenfotos hat er für den Abschuss von Exemplaren einer unter dem Washingtoner Artenschutzabkommen stehenden Tierart geworben. „Auch Du kannst dieses unbeschreibliche Gefühl erleben. Nur zu mein Freund. Hab Mut.“ lautet die Botschaft, die sich bei anderen Möchtegernhelden unserer Tage breitmachen könnte.

Udo W. hat das unsägliche Töten unter dem Deckmantel des Offiziellen angeheizt, denn auch ein offiziell geschossener Elefant ist einer weniger auf dem schwarzen Kontinent, ist ein toter Elefant.
20 Schüsse soll Udo W. auf das Tier laut einem Zeitungsbericht abgefeuert haben. Ich bin kein Jäger. Aber ich weiß, dass 20 auf ein Tier abgegebene Schüsse mit fachgerechter Jagd nichts gemein haben. Die Knallsucht eines Buffalo Bill, jenes schießwütigen Bisonmörders aus dem Wilden Westen des 19. Jahrhunderts kommt dem in Botswana Geschehenen schon näher.

Ein Feigling hat zwei Gesichter, steht in dem eingangs genannten Spruch: Hier ein Spitzenbeamter im Bereich Artenschutz und dort der 20-Schuss-Elefantenjäger, der in Afrika über das tägliche Einerlei seines Schreibtisches hinauswachsen konnte, bezahlt letztlich vom deutschen Steuerzahler.

Vor diesem Hintergrund reicht eine Versetzung in eine andere Schreibstube keinesfalls aus. Ein solcher Beamter gehört aus dem Staatsdienst entlassen und darf keinerlei Pensionsansprüche behalten. Entlässt der Umweltminister ihn nicht aus dem Beamtenstatus oder strengt ein entsprechendes Verfahren an, dann ist ihm selbst der Rücktritt nahe zu legen, zumal er in einer ersten Reaktion ja fast ein wenig Verständnis für seinen Mitarbeiter gezeigt hat.

Als aktiver Artenschützer frage ich mich da schon, wie wir die Thüringer Biodiversitätsstrategie mit einem Umweltminister umsetzen wollen, der den Elefantenabschuss eines Udo W. nicht mit Nachdruck und ohne Wenn und Aber verurteilt, sondern ihn nach Zeitungsberichten nur als „moralisch bedenklich“ bezeichnet. Das Verhalten des ehemaligen Wirtschaftsministers und noch mehr das des Spitzenbeamten im Artenschutzministerium Udo W. zeigen, welchen Stellenwert der Artenschutz in Thüringen tatsächlich hat.
Bodo Schwarzberg

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Autor: red

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