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Terje Nordgarden im Panorama

Mittwoch, 05. Februar 2014, 11:15 Uhr
Am letzten Wochenende war der norwegische Songschreiber, Gitarrist und Sänger im Fyer des Panoramammuseums Bad Frankenhausen zusehen und noch besser zu hören. Wie es Fred Böhme erlebt hat, erfahren Sie hier...

Terje Nordgarden, der norwegische Songschreiber, Gitarrist und Sänger kam am Freitagnachmittag (31.1) pünktlich mit dem Zug von Holzminden in Heldrungen an. Das war ein Abenteuer mit 6 Mal umsteigen und Autotransfer von dort zum Panorama Museum. So lernt man Deutschland auf ganz besondere Art kennen, wenn man im Nirgendwo auf den nächsten Anschlusszug frierend wartet. Da können einem schon neue Melodien und Songtexte spontan einfallen, die dann nur noch aufgeschrieben werden müssen.

Terje Nordgarden im Panorama (Foto: Olaf Telle) Terje Nordgarden im Panorama (Foto: Olaf Telle)

Nach einem erwartungsgemäß unkomplizierten Soundcheck hatte er erst einmal Pause, die er zum Einspielen nutzte, denn die neu aufgezogenen Saiten auf seiner Gitarre – eine echte Martin, die er erst kürzlich günstig in den USA in einem Geschäft für Gitarren und Waffen erworben hatte – verstimmen sich anfänglich sehr schnell und sollten deshalb etwas eingespielt werden. Derweilen füllte sich die Eingangshalle des Museums zusehens mit Publikum. Trotz des winterlichen Wetters war das Konzert mit etwa 80 Gästen überraschend gut besucht gewesen. Nachdem alle Platz gefunden hatten, betrat Terje Nordgarden die Bühne.

Er stimmte noch einmal die Gitarre und begrüßte sein Publikum und erzählte gleich, dass er seit seinem letzten Auftritt an dieser Stelle vor vier Jahren zwischenzeitlich drei neue Platten aufgenommen habe, zwei in Englisch und eine in Italienisch. Er lebt mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter seit drei Jahren auf Sizilien. Der erste Teil des Konzertes war vor allem neueren Stücken vorbehalten. Anfänglich noch etwas verhalten in bester Folksängermanier mit Gitarrenbegleitung, etwas Mundharmonika und schon hier die dynamischen Steigerungen seines Gesangs.

Der nächste Song mit dem Titel „They´re Building“ wurde inspiriert durch die Skyline von Dublin, die er auf einer Irland-Tournee vom Bus aus bewunderte, wo er die Silhouette der Industriebauten und darüber die Wolken am Himmel ziehen sah. Er demonstrierte darin erstmals seinen äußerst kreativen Umgang mit dem Loopgerät, welches ihm im Overdub-Verfahren eine erstaunliche Verdichtung seiner Begleitung erlaubte. Er legte dabei rhythmische Gitarrenriffs übereinander, färbte sie mit unterschiedlichen Effekten und improvisierte auf diese Endlosschleifensounds virtuose Soli. Einige der anwesenden Besucher begriffen anfangs nicht sofort, woher auf einmal die zweite Gitarre kam und schauten irritiert suchend auf die Bühne.

Schon dieser Auftakt bewies, welches Format dieser Musiker hat. Das folgende „Keep It Shining On The Inside“ – vor zwei Jahren in Berlin geschrieben, als es dort gerade mal sehr düster war und der Himmel sehr tief hing, geradeso wie in seiner Heimat Norwegen – war eine lustvolle Ermunterung und Ausdruck der Hoffnung auf den nächsten Sonnenschein und klang auch genauso. In bester Storyteller-Manier ging es dann weiter mit seinem „These Lovesick Blues“, einer Hommage auf Hank Williams, die durchaus an Dylan-Songs erinnerte. Hier forderte er sein Publikum auf, in den Refrain einzustimmen, was es nach etwas Zögern dann auch tat.

Insgesamt wurzeln seine Stücke stilistisch tief in der amerikanischen Folk-Tradition, sind eine organische Melange aus Folk, Country, etwas Jazz und einer Prise Blues und dazu gesanglich ein erstaunliches Quantum an Deep Soul und Jazz. Seine Musik zeugt insgesamt von erstaunlichem Traditionsbewusstsein, ist dennoch nicht einfach nur retro, sondern ganz im Dienst des Songs und er nutzt ganz selbstverständlich auch alle modernen Möglichkeiten der Technik.

Höhepunkt des ersten Konzertteiles war sein „All Your Notes“. Es zeigte ihn ganz auf der Höhe des kreativen Soundtüftlers, denn dem eigentlichen überaus jazzigen Song mit gekonnten Vocalisen ging ein instrumentaler Geniestreich aus perkussiven Elementen und verschiedensten Gitarrenparts voraus. Mit dem an Van Morrison „Moondance“ erinnerndem „Good Things Die“ schloss er furios den ersten Konzertteil. Seltsamer Weise zündete diese geballte Kraft, die von der Bühne kam, anfänglich nicht so richtig beim Publikum. Es schien erst im zweiten Teil, als er seine älteren Stücke präsentierte, aufzutauen und sich auf seine Darbietung eingestellt zu haben.

Und da waren es vor allem diese wunderbare Gospelnummer „2nd Flight“, bei der er gänzlich auf die Gitarrenbegleitung verzichtete und mittels des Loopers perkussive Momente und verschiedenste Gesangsparts aufnahm und dazu stimmlich improvisierte und sein mitreißender „Tinitus Blues“, die nun endlich das Publikum begeistert jubeln ließen. Mit drei Songs als Zugabe, darunter auch ein weiteres Coverstück eines italienischen Sängers, beendete er seinen sehr eindrucksvollen Auftritt auf der kleinen Bühne des Panorama Museums.

Fred Böhme
Panorama Museum

Fotos: „Nordgarden 3, Olaf Telle“, „Nordgarden 4, Olaf Telle“, „Nordgarden 5, Olaf Telle“ und „Nordgarden 7, Olaf Telle“; Rechteinhaber: Olaf Telle
Autor: khh

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