kyffhaeuser-nachrichten.de

Lichtblick: Erfahrungen

Freitag, 07. Februar 2014, 07:00 Uhr
Auf einer Postkarte hat Reinhard Süpke aus Oldisleben wieder mal einen Spruch gefunden, der nur zu wahr ist. Der Philosoph Friedrich Nietzsche schreibt: „Das Tragisch an jeder Erfahrung ist, dass man sie erst macht, nachdem man sie gebraucht hätte.“ Dazu unser heutiger "Lichtblick"...


Wir schauen uns heute eine der großartigsten Erzählungen der Bibel an. „Vom Gefängnis zum Palast – oder wie Gott für sein Volk sorgte.“ Im Mittelpunkt dieser Geschichte steht Joseph, der Lieblingssohn seines greisen Vaters Jakob. Jakob hatte insgesamt zwölf Söhne und eine Tochter. Die wurden ihm von seinen beiden Hauptfrauen und den beiden Nebenfrauen geboren. Joseph war der Sohn seiner Lieblingsfrau Rahel.

Unter anderem darum mochte ihn Joseph besonders – und das ließ er die anderen Söhne alle spüren. Und die Brüder ließen Joseph spüren, dass ihnen das gar nicht gefiel. Bis auf Benjamin muss Joseph, ob er wollte oder nicht, musste seine Brüder bis aufs Blut gereizt haben.
Einen Teil der Schuld trug Vater Jakob. Weil er ihn vorgezogen hatte. Er ließ ihm sogar ein besonderes Gewand schneidern. So was trugen nur Prinzen oder die Ratgeber eines Herrschers. Die Brüder bekamen bloß Latzhosen zum Arbeiten. Kein Wunder, dass sie neidisch waren.

Und irgendwie brachte Joseph sie auch noch unter Druck. Joseph und sein Vater hatten ein großes Vertrauen zueinander – darum hat Joseph ihm weiter erzählt, was er über die Brüder erfahren hat. Was auch immer es war: Joseph hat es nicht erfunden. Jakob hätte es wahrscheinlich doch irgendwann erfahren. Aber dass es ausgerechnet der „feine Herr Bruder“ petzt! Das macht den großen Brüdern sicher auch Angst.

Und dann bringt Joseph das Fass zum Überlaufen! Er lässt die Bombe platzen, als er seine Träume erzählt.
Im ersten Traum sieht er, wie er und seine Brüder Garben binden. Und seine Garbe richtet sich auf, die Garben seiner Brüder verneigen sich vor seiner Garbe. Ganz klar, was das bedeutet: Meine Lebensernte wird bedeutender sein als Eure! Und ihr werdet das anerkennen! Klar, dass das den Brüdern überhaupt nicht gefällt.

Der zweite Traum gefällt auch dem Vater nicht: Sonne, Mond und elf Sterne verneigen sich vor Joseph! Na, wo kommen wir denn da hin! Wir kommen mitten in eine Katastrophe hinein! Aber diese von allen gemeinsam ausgelöste, menschliche Katastrophe mündet in die eine Erfahrung hinein. In die Erfahrung des großen „ABER Gottes.“ Als alles überstanden ist sagt Joseph über alle schmerzlichen Erfahrungen diesen Satz:

„Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, Gott aber gedachte es gut zu machen.“ Die Katastrophe in aller Kürze geschieht so: Die Brüder fangen an, vor Wut zu kochen. Zunächst können sie kein gutes Wort mehr mit Joseph reden. Bei der nächsten Gelegenheit kocht der Zorn über und sie wollen ihn umbringen. Als der Vater Joseph losschickt, um nach dem Brüdern und den Herden zu sehen, fallen sie über ihn her und werfen ihn in eine Zisterne. Die waren so gekalkt von innen, dass man nicht raus klettern konnte. Einer der Brüder hatte das vorgeschlagen, der wollte Joseph nachts heimlich rausholen. Die anderen wollten ihn dort verrecken lassen. Sie hörten ihn schreien und jammern vor Angst. Aber sie saßen daneben und hielten Brotzeit.

Als eine Karawane kam, verkauften sie Joseph als Sklaven nach Ägypten. Joseph war damals 17 Jahre alt. In den nächsten dreizehn Jahren geht es bergauf und bergab mit ihm. Im Haus des Potiphar, der ihn gekauft hat, mach er erst „Karriere“. Er stellt sich als tüchtig und zuverlässig heraus. Was er macht gelingt. Und Potiphar macht ihn zu seinem Verwalter. Joseph regelt alles im Haus. Angefangen vom Kühlschrank bis hin zu den Ernten und den Ställen und macht die Überweisungen für seinen Chef.

Es geht wieder bergab, als die Ehefrau vom Chef mit Joseph eine Affäre anfangen will. Aber Joseph widersteht ihr. Das bringt sie irgendwann so in Rage, dass sie behauptet, der Sklave hätte wollte sie vergewaltigen. Daraufhin kam Joseph ins Gefängnis. Ich glaube, gegen die damaligen Gefängnisse sind unsere in Deutschland kleine Hotels. Aber auch dort wird irgendwann etwas besonderes an ihm deutlich – und er wird der zweite Chef des Gefängnisses.

Schließlich wird Joseph der zweitmächtigste Mann von Ägypten. Weil er dem Pharao diese beiden Träume von den fetten Kühen und den mageren Kühen, von den fetten und den mageren Ähren gedeutet hat. Weil der Pharao erkennt: Joseph kann nicht nur die Träume deuten, der hat auch die Weisheit, was zu tun ist, um mein Land in der kommenden Zeit vor dem Ruin zu bewahren.

Am Ende sieht Joseph die Brüder wieder – es geht noch dramatisch zu zwischen ihnen. Als sie am Ende der Geschichte ängstlich vor ihm auf dem Boden knien, weil sie denken: „Er könnte sich an uns rächen!“, da fasst Joseph seine Erfahrungen zusammen:
„Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, Gott aber gedachte es gut zu machen.“

Aus dieser Erfahrung heraus hatte er auch die Kraft, seine tiefen Wunden in der Seele zu überwinden und seinen Brüdern zu vergeben. Seine bitteren Erfahrungen – und wie er sie überwunden hat, können uns helfen, mit unseren Erfahrungen, mit unserem Frust über andere Menschen, mit verfahrenen Situationen, fertig zu werden – und zu reifen.

Wie erfahren wir die Hilfe solcher Geschichten aus der Bibel? Dazu habe ich was interessantes über Biathlon erfahren. Es gib nämlich Biathlon für sehbehinderte Menschen und für Blinde! Die Frage, wie sie wohl auf die Scheiben schießen hat ist schnell erklärt. Ein Infrarotstrahl wird vom Gewehr in Richtung der Zielscheiben gesendet. Über Kopfhörer ertönt ein akustisches Signal. Die Tonfolge verrät dem Sportler, wie nahe er der Mitte der Zielscheibe ist.

Aber wie bewältigen sie die Strecke? Sie vertrauen buchstäblich blind einem anderen Skifahrer, der vor ihnen herfährt. Dieser Begleitläufer, Guide genannt, fährt im Abstand von ungefähr 3 Metern vor dem Wettkämpfer. Er hat die Aufgabe, durch möglichst genaue Beschreibung der Strecke dem Läufer "das Auge zu ersetzen". Mit ein paar Worten gibt der Begleitläufer eine Beschreibung der Strecke an seinen Wettkämpfer weiter, vor dem er herfährt.

Bodenwellen, Anstiege und Abfahrten, auch Kurven müssen genau angesagt werden. Der sehbehinderte oder der blinde Wettkämpfer ist also auf sein Gehör angewiesen. Und er muss ein gewisses Vertrauen in seinen Guide haben.

Ich versuche mir vorzustellen, wie der blinde Wettkämpfer sich „einhört“ auf die Stimme seines Guides, wie er Vertrauen in ihn lernt. Und dann Schritt für Schritt lernt, dieses Vertrauen beim Skilaufen umzusetzen. Je öfter die beiden miteinander reden, aufeinander hören, umso tiefer wird das Vertrauen, umso besser wird die Strecke bewältigt.

Von Mose, dem Mann, der Israel aus der Sklaverei in Ägypten führte, wird uns verraten, woher er seinen Mut nahm: „Durch den Glauben verließ er Ägypten und fürchtete nicht den Zorn des Königs; denn er hielt sich an den, den er nicht sah, als sähe er ihn.“

Diese altmodische Übersetzung macht klar, worum es im Glauben an Gott geht: Wir sehen ihn zwar nicht. Aber wir können durch das Vertrauen in den unsichtbaren Gott Mut und Stärke für schwierige Zeiten finden. Es geht so ähnlich wie beim Biathlon für blinde Wettkämpfer: Wir hören uns auf die Stimme des Guides ein. Durch Lesen der Bibel. Durch Gebet, durch die Gemeinschaft mit andern Christen.

Ich habe mich ganz neu gefragt, wie ist Joseph nur so einem Menschen geworden? Nun, Joseph war einfach ein ganz normaler 17-jähriger Junge. Er war kein Heiliger. Sein Vater war stolz auf ihn. Die Brüder waren neidisch auf ihn. Sein Vater nannte ihn: „Zuverlässig“, seine Brüder nannten ihn „Petze“. Und dann hat er auch noch diese Träume und erzählt sie! Hätte er nur die Klappe gehalten, wäre alles nicht so schlimm gekommen!

War er überheblich und eine Petze? War er blauäugig? Oder war er einer, der sich seiner Sendung bewusst war und deshalb redete? So ganz ist das nicht klar. Wir finden einfach einen Jungen vor, der nicht den Mund halten kann und deshalb bittere Erfahrungen machen muss. Aber die Erfahrungen lassen ihn reifen und zu einem Mann von großer Bedeutung werden. Und wenn wir uns in diese Geschichte wieder und wieder rein hören, dann entdecken wir diesen Satz, der zweimal kommt: „Und der HERR war mit Josef“ – das lesen wir, als Joseph Sklave bei Potiphar ist. Als Joseph im Gefängnis war, kommt dann wieder das große „ABER Gottes“: „Aber der HERR war mit ihm…“- auch im Gefängnis!
Joseph war von Gott gehalten und gesegnet, so dass es sein Chef zu spüren bekam. Und Joseph hielt sich an Gott fest.

Von den äußeren Umständen her hätten viele Menschen in ihrem Leid aufgegeben. Sie hätten gesagt: „Wenn Gott da ist, dann dürfte er das nicht zugelassen haben. Ich kann ihn nicht sehen oder spüren!“

Aber für Joseph war es irgendwie so wie beim Biathlon für Blinde. Er hat sich auf diesen unsichtbaren Gott irgendwie eingehört und auf ihn eingelassen. Darum hat er sich nicht gehen lassen. Er hätte ja auch sagen können: „Jetzt ist alles egal, warum soll ich mir noch irgendein Bein ausreißen. Ich mache nur Dienst nach Vorschrift. Hauptsache ich kriege die Peitsche nicht zu spüren und bekomme zu Essen und zu Trinken.“

Als die Frau von Potiphar mit ihm die Ehe brechen will, hätte Joseph ja auch Kompromisse machen können: „Soll sie doch ihren Spaß haben. Ich habe dann gute Beziehungen zur Frau des Chefs. Vielleicht verhilft die mir zur Flucht…“

Aber er widersteht ihr im Namen seines Gottes! Er sagt zu ihr: „Wie könnte ich so etwas tun? Es wäre eine große Sünde gegen Gott“ Ich habe vor kurzem eine bewegende Geschichte von einem ehrlichen Bettler gelesen. Er heißt Billy Ray Harris und war Obdachloser in Kansas City. Er saß wie immer am Straßenrand und bettelte. Die Leute warfen Münzen in den Becher, den er ihnen hinhielt. Auch eine Frau namens Sarah Darling wollte ihm Anfang Februar mit etwas Kleingeld helfen. Als Billy Harris in seinen Becher sieht, entdeckt er einen Platinring mit einem echten Diamanten. Vom Juwelier um die Ecke bekommt er 4.000,00 Dollar geboten! Aber Harris bleibt ehrlich, er gibt der Frau am nächsten Tag den Ring zurück. Es war ihr Verlobungsring. Der Verlobte wiederum war so dankbar, dass er einen Spendenaufruf für den 55 – jährigen Obdachlosen startete. Mittlerweile hat er nicht nur genug Geld für eine Wohnung und eine Arbeit.

Er hat auch seine Familie – Schwestern und Brüder – wieder gefunden, die ihn seit den 90-er Jahren nicht mehr gesehen haben. Sie hielten ihn für tot. In dem Bericht heißt es am Ende: „Billy Ray arbeitete früher als Maler – dann verlor er alles: Seine Ehe ging in die Brüche, er wurde gefeuert und endete auf der Strasse. "Ich sorgte mich sehr um meine Familie", sagte Billy Ray auf NBC. "Ich war am Boden und stand kurz davor, aufzugeben."

Dann traf er die richtige Entscheidung. Und hat etwas bekommen, wovon die meisten Bettler auch im Land der unbegrenzten Möglichkeiten nur träumen können: Eine Chance, dass sich alles zum Guten wendet.“ Bei Joseph geht es nicht so filmreif aus. Aber er hat viel mit diesem Bettler gemeinsam. Der Bettler hätte ja sagen können: „4000,00 Dollar – großartig, warum ist diese Frau auch so dumm! Die nehme ich!“ Aber irgendwie und warum auch immer wollte er ehrlich bleiben.

Wie gesagt, Joseph hätte auch schlechte Gründe gehabt, mit Frau Potiphar fremd zu gehen. Aber er hatte den einen guten Grund, es nicht zu tun. Und dieser gute Grund war Gott. So behielt Joseph den Grund unter den Füßen, als er ins nächste Loch fiel. Ins Loch des Gefängnisses!

In der Bibel liest es sich sehr schnell. Aber es waren dreizehn Jahre als Sklave und als Gefangener und unschuldig verurteilter!

Wie gehen wir in schweren Zeiten mit unserem Glauben um? Suchen wir faule Kompromisse?
Lassen wir uns total gehen? Oder halten wir an Gott fest und tun, was wir können? Joseph tut was er kann – damit meine ich auch folgendes: Als er dem Pharao die Träume gedeutet hat, hätte er ja auch sagen können: „Ach, noch was: Bin ich jetzt frei? Ich würde gerne nach Hause ins Land Kanaan. Ich will meinem Vater und vor allem meinen Brüdern einen Überraschungsbesuch machen! (Mal sehen, wer mehr überrascht ist!)“

Nein, er setzte noch eins drauf! Er erklärt dem Pharao, was zu tun ist, um das Land für die Krisenzeit zu rüsten. Joseph schlägt ungefragt einen sehr weisen Rettungsplan vor. Der Pharao und seine Berater sind so erstaunt, dass sie merken: Dafür kommt nur einer in Frage: Dieser Mann hier, der eben noch im Knast war! Und so muss der Überraschungsbesuch bei der Familie warten! Weil Joseph sich einbringt und so einem ganzen Volk zum Segen wird. Er fragt nicht, wie viele oft: Was habe ich davon? Sondern er bringt sich ein.

Nicht jeder von uns ist so ein Traumdeuter und ein weiser Mann wie Joseph – aber jeder hat etwas von Gott empfangen, das er weiter geben kann. Als wir mit unseren Kindern noch öfter als jetzt im Auto unterwegs waren, haben wir immer voller Begeisterung Kassetten gehört. Eine der Lieblingsgeschichten war „Freddy, der Esel.“ Freddy haut eines Tages ab und sucht eine Aufgabe. Er denkt, er kann nichts, was anderen imponiert. Am Ende erkennt er: Er hat seinen Freund, einen kleinen Jungen zu Hause einfach sitzen gelassen. Zu ihm kehrt er zurück. Er merkt: Ich bin zwar nur ein Esel, aber ich kann ein Freund sein.

Vielleicht kann mancher von uns einfach nur zuhören?
Jemandem ein Lächeln schenken. Sagen: Ich werde für dich beten? Ich bin für dich da, wenn du mich brauchst! Kann ich dir den Nagel gerade in die Wand schlagen? Und schließlich: Joseph hat bittere Erfahrungen gemacht. Das muss man sich mal richtig zu Gemüte führen! Von den eigenen Brüdern mit dem Tode bedroht, aber dann verkauft für zwanzig Silberstücke. Mindestens zwei Jahrzehnte lang den Vater, den er so geliebt hat, nicht zu sehen! Wie hat er das verarbeitet?

Es hat sicher seine Zeit gebraucht. Es hat ihm Tränen in die Augen getrieben. Und selbst am Ende scheinen noch nicht alle Tränen geweint zu sein.

Aber Joseph hat es mit Gott getragen und überwunden. Er bekommt ja dann vom Pharao eine Frau an die Seite. Mit ihr zusammen hat er zwei Kinder: Ephraim und Manasse! Wir lesen im 1. Buch Mose: „Und er nannte den ersten Manasse; denn Gott, sprach er, hat mich vergessen lassen all mein Unglück und mein ganzes Vaterhaus.“

Natürlich hat Joseph nie seinen Vater vergessen und die ganze Verwandtschaft – aber diese tiefsitzende Wunde fing an zu heilen! Nicht die Zeit hat die Wunden geheilt – das kann die Zeit nicht, denn die hat kein liebevolles Interesse an uns! Gott hat ihm gezeigt: Ich lasse Dich nicht allein, auch wenn Du mich nicht verstehst! Joseph war gehalten, weil Gott mit ihm war und er sich an Gott hielt – wie der blinde Biathlon – Läufer an seinen Guide.

„Den andern nannte er Ephraim; denn Gott, sprach er, hat mich wachsen lassen in dem Lande meines Elends.“ Es wird uns nicht berichtet, ob Joseph sich manchmal gefragt hat in alle den Jahren seiner Gefangenschaft: „Warum konnte ich nur nicht die Klappe halten!“ Wie gesagt, wir wissen weder, ob er ein eingebildeter Prinz war, der zu Petze wurde oder ob er blauäugig war. Oder von allem was… Wir wissen auch nicht, wie oft er wohl gegrübelt hat – so wie wir es von uns kennen, wenn wir nachts wach liegen und uns Vorwürfe machen: „Hätte ich nur… nicht… oder doch …“

Aber hier erfahren wir: Joseph merkt – oder ahnt? – er ist durch das Schwere gereift. Manche Kenner der Geschichte sagen uns: Wäre Joseph nicht so sehr in die Tiefe geführt worden, dann hätte er nicht diese verantwortungsvolle Aufgabe übernehmen können, ein ganzes Volk zu retten in der Zeit der Hungersnot.
Dietrich Bonhoeffer, der zur Zeit der Nazi – Diktatur wegen seiner Überzeugungen ins Gefängnis kam, hat seine Zeit dort auch im Glauben verarbeitet.

Er sagt: "Es gibt durch jedes Ereignis, und sei es noch so ungöttlich, hindurch einen Zugang zu Gott." Und wir alle kennen diesen Satz des Apostels Paulus, der seit vielen Generationen Menschen zum Trost und zur Hilfe wurde, wenn sie bittere Erfahrungen gemacht haben:  
„Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind.“ Wer ist nach seinem Ratschluss berufen? Wenn es einer war, dann war es Jesus von Nazareth. Und in was für Tiefen musste er gehen! Er wurde von einem Freund für dreißig Silberstücke verkauft. Von seinen Landsleuten wurde er an die Römer ausgeliefert. Von den Römern verurteilt, gefoltert und ans Kreuz geschlagen.

Von denen, die seine Wunder erlebt hatten, wurde er am Kreuz verlacht, verhöhnt und verspottet. Und am Ende starb ER von Gott und von Menschen verlassen am Kreuz. Nicht einmal die Sonne schenkte ihm noch Licht, denn sie verfinsterte sich. Aber mitten in dieser Dunkelheit seines Weges griff Gottes Ratschluss noch tiefer als bei Joseph. Durch den Leidensweg Josephs wurden seine Familie und das ägyptische Volk vor dem Hungertod gerettet.

Durch das Leiden Jesu werden wir gerettet vor dem Zorn Gottes, der sich gegen die Sünde wendet. Durch seinen Tod dürfen wir wissen: Gott liebt uns grenzenlos, Gott liebt uns trotzdem. Trotz unserer faulen Kompromisse, trotz unserer Wege, die wir ohne ihn um im Trotz gegen ihn gegangen sind. Wer Jesus, dem auferstandenen sein Vertrauen schenkt, wird diese Liebe erfahren. Er wird aber auch erfahren, dass der Auferstandene mitgeht durch alle Zeiten des Lebens. Auch wenn wir IHN nicht sehen.

Aber wir können es machen wie der blinde Biathlet:
Auf ihn einhören, indem wir die Bibel lesen.
ZU IHM beten im Vertrauen, dass ER uns hört.
Und mit anderen Christen gemeinsam unterwegs sein.

Dann werden die Erfahrungen nicht unbedingt leichtere sein. Aber so wie Joseph am Ende alles zusammengefasst hat: „Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, Gott aber gedachte es gut zu machen.“8 – so werden auch wir immer das große und hilfreiche „ABER Gottes“ kennenlernen.

(Und hier gehört das Lied hin, was leider immer nur zu Festen wie goldene Hochzeit oder goldene Konfirmation gesungen wird: „Jesu geh voran!“) Amen.
Pfarrer Reinhard Süpke, Oldisleben
Autor: red

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 kyffhaeuser-nachrichten.de