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Forum: NSA Bespitzelung

Donnerstag, 06. Februar 2014, 15:08 Uhr
Ich verstehe die ganze Aufregung darüber eigentlich nicht wirklich, so ein Leser gegenüber kn. Hier seine Meinung...


Schon im alten Ägypten wurden Nachrichten verschlüsselt um sie vor unberechtigtem Lesen zu schützen. Der Nachrichtenempfänger hatte dann entsprechende Mittel um die verschlüsselte Nachricht wieder in Klartext zu übersetzen. In allen Gesellschaftsformen, Staaten und Gemeinschaften gab es aus bekannten Gründen immer dieses Bestreben bestimmte Infos zu schützen.

Das hat sich bis in die heutige Zeit fortgesetzt und wird es auch immer geben und geben müssen. Seit langem, auch schon zur Zeit mechanischer Verschlüsselungseinrichtungen, wurden die Texte mehrfach verschlüsselt, um auch so die Sicherheit zu erhöhen. Grundlage solcher Verschlüsselungssysteme sind Algorithmen und Mathematische Verfahren auf der Grundlage von Primzahlen. Auch in der älteren Geschichte war nicht immer ganz klar, wer ist Freund, wer ist Feind. Gab es doch auch z. B. in Kriegen Fronten- und Seitenwechsel. Schon bestand die Gefahr, dass die Sicherheit der Nachrichten durch Kompromittierung aufgehoben war und man sofort den Schlüssel/Code ändern musste, damit der „Feind“ nicht mitlesen konnte.

Im 2. Weltkrieg war das Erbeuten bzw. Knacken der Chiffrierung (3fach Verschlüsselung) der „Enigma“ Chiffriermaschine und anderer Codes der Nazis für die Alliierten wie wir wissen entscheidend für die Wende und letztendlich den Sieg über den Faschismus. In der Phase des Kalten Krieges wurde das Erhaschen von Informationen der Gegenseite dann auf eine exzessive Spitze getrieben. Auf der einen Seite unter anderem der Horchposten der Stasi und der Russen auf dem Brocken, auf der anderen Seite der NATO Horchposten auf dem Wurmberg.

Bespitzelungstechnik, die die damalige DDR nicht besaß oder nachbauen konnte wurde über den „Großen Bruder“ UdSSR beschafft oder über Umwege aus dem Nichtsozialistischen Wirtschaftsgebiet (NSW). So muss kann man eventuell davon ausgehen, dass sich Kapitalismus und Sozialismus vermutlich mit den „selben“ technischen Anlagen und Verfahren abgehört und bespitzelt haben.

Schaut man sich zeitgeschichtliche Dokumentationen an, so erfährt man auch, dass auch Willi Brandt, Horst Sindermann, Erich Honnecker und Helmut Kohl abgehört wurden. Seit Tagen wissen wir auch, dass auch Gerhard Schröder abgehört wurde. Es bestand also immer ein gewisses Interesse zu wissen, was der andere denkt, sagt und tut. Egal ob Krieg oder Frieden, immer war ein gewisser Vorsprung an Know How, Wissen oder Technologie entscheidend für einen Vorsprung für eigene Aktivitäten oder Handlungen oder Reaktionen und so genannte „Antworten“. Eine theoretische und praktisch auch realisierbare Antwortmöglichkeit in der Zeit des „Kalten Krieges“ war die Option des Einsatzes von Kernwaffen. Zum Glück ist es nicht wirklich dazu gekommen, aber schlimme Drohgebärden gab es natürlich, denken Sie doch mal zurück an die „Kuba-Krise“. Auch hier galt für jede Seite Wissen ist Macht.
Was für die Politik gilt, gilt natürlich auch für die Wirtschaft, auch hier ist Spionage Gang und Gebe und wird es auch sicher immer geben.

Mit dem Beitritt der ehemaligen DDR zur Bundesrepublik Deutschland wurde u. a. auch das Zentrale Chiffrierorgan der DDR (ZCO) in die „Dienste“ der Nachrichten- und Geheimdienste der BRD übernommen. Spätestens da sollte man wissen müssen, mit welchen Mitteln und welchen Erfolgen Infos erhascht wurden.

Dass das Handy der Bundeskanzlerin abgehört wurde, verwundert mich persönlich also eigentlich gar nicht. Mich verwundert eher die Tatsache, dass BND, Staatsschutz und wie die Geheimdienste usw. alle heißen auch mit aufschreien und Empörung heucheln. Die machen doch im Verborgenen das Gleiche gegenüber anderen. Als technisch und naturwissenschaftlich interessierter Mensch frage ich mich in der Konsequenz aber eher, was haben die zuständigen Dienste und Behörden die ganze Zeit über getan um zu überprüfen, ob die zu schützenden Nachrichten in Deutschland denn überhaupt noch sicher und geschützt sind? Wofür hat man denn da hochdotierte Mathematiker usw. sitzen?! Hat man etwa in gewisser Selbstherrlichkeit auf die absolute Sicherheit vertraut? Schon immer wurden Verschlüsselungen und Kryptografien in bestimmten Abständen und Interwallen geändert um die Sicherheit zu erhöhen bzw. weiter zu sichern.

Das traf auch für Dreifachverschlüsselungen zu, wie bei der oben bereits erwähnten Enigma der Nazis. Zu DDR Zeiten sagte man, dass mit der damals verfügbaren Computer- und Rechentechnik eine geheime Nachricht spätestens in 200 Jahren entschlüsselt sei. Sicher ist der Inhalt dann meist wertlos, aber eine absolute Sicherheit hat es nie gegeben. Mit der Revolution der Rechentechnik ab den 90er Jahren haben sich auch die technischen Möglichkeiten explosionsartig geändert um auch zu schützende Informationen offen zu legen. Mit moderner Scann- und Verarbeitungstechnik lassen sich selbst die von der Stasi auf 1mm x 1cm klein gehäckselten Aktenschnipselchen wieder zusammenfügen und die Seite und Akte wird wieder offen lesbar.

Aus meiner persönlichen und technischen Sicht ist es also egal ob NSA, Freund, Feind, Konkurrent, Marktwettbewerber, immer wird es Sachen geben, die man vor fremdem Zugriff schützen muss. Wichtig und vordergründig steht immer die Frage mit welchen Mitteln, Methoden und Verfahren, Techniken, Systemen man das macht. Auch hier wird es immer Aktivitäten geben um in Erfahrung zu bringen, konnte der andere die Information trotz Verschlüsselung und Geheimhaltungsmechanismen doch offen legen und verwerten?! Also letztendlich immer wieder zurück zu dem Spruch Wissen ist Macht.

T. Leipold
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
Autor: khh

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