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Schwere Geburt

Donnerstag, 06. Februar 2014, 23:50 Uhr
Wer den Live-Ticker über die Stadtratsitzung in Sondershausen verfolgt hat, wird es schon gemerkt haben, einige Stadträte hatten offensichtlich den Ernst der Lage um die Touristinformation nicht so recht begriffen. Linke nahm sogar Anlauf, die Touristinformation zu kippen. Hier der Versuch einer Zusammenfassung.

Auf dem Tisch des Hauses lagen drei Beschlussanträge die nacheinanderumgesetzt nicht nur die drei Arbeitsplätze der Mitarbeiter der Tourisinformation sichern sollten, sondern auch die das Tourismusmarketing für die Stadt Sondershausen übernehmen sollenl.

1. Beschluss über die Aufhebung des Beschlusses Nr.: SR 369-30/2013 vom 29. November 2013 über den Verkauf von Geschäftsanteilen der Stadtmarketing Sondershausen GmbH.
SR 369-30/2013: Verkauf der Stadtmarketing GmbH an die Wippertal und Auflösung.
2. Beschluss über die Neufassung des Gesellschaftsvertrages der Stadtmarketing Sondershausen GmbH.
Mit der Insolvenz des Tourismusverbandes Kyffhäuser (TVK) musste auch über die Weiterbetreibung der Tourismusinformation entschieden werden. Die Betreibung der Touristinformation (mit ihren drei Mitarbeiterinnen - Hinweis Redaktion) soll Gegenstand der Stadtmarketing Sondershausen GmbH.sein, mit Vorbehalt Zustimmung der Kommunalaufsicht.
3. Beschluss über die 1. Änderung des Wirtschaftsplanes 2014 des Versorgungsbetriebes der Stadt Sondershausen (VBS)
Der musste geändert werden, weil die Touristinformation in die Stadtmarketing GmbH integriert werden muss.

Bürgermeister Joachim Kreyer (CDU) erläutert recht ausführlich zu Beginn, dass bei der Touristinformation nicht bloß ab und zu einige Tickets verkauft werden. Er verlas fast eine ganze Din A4 Seite an Aufgaben, die realisiert werden müssen.

Kreyer:
Die Organisation der Sondershausen-Information in einer rechtlich selbstständigen GmbH ermöglicht die Beibehaltung der bisherigen Tarife, eine flexible Arbeitsweise und die überregionale Zusammenarbeit mit anderen Tourismusorganisationen bis hin zur Verschmelzung. Am bisherigen Gesellschaftsvertrag wurden insbesondere der Gesellschaftszweck „Gegenstand ist die Durchführung des Thüringentages 2013 in Sondershausen und die Darstellung, Entwicklung und Vermarktung aller Ressourcen der Stadt Sondershausen, insbesondere des Fremdenverkehrs, des Veranstaltungs- und Marktwesens sowie der Betrieb kultureller Einrichtungen“, die Kompetenzverteilung zwischen Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung sowie Fristen von der Kommunalaufsicht beanstandet.

Der Thüringentag 2013 ist als Zweck erledigt und bei den o g. weiteren Geschäftsfeldern sollten nur die Punkte aufgenommen werden, die die GmbH dann auch betreibt. Die dezidierte Übernahme der Stadtwerbung in den Gesellschaftszweck bedingt die kurzfristige
Aufgabe des BgA Stadtwerbung im Versorgungsbetrieb der Stadt Sondershausen. Der vorgelegte Gesellschaftsvertrag ist mit der
Kommunalaufsicht abgestimmt, eine Genehmigung wurde in Aussicht gestellt.
Entwurf der Neufassung des Gesellschaftsvertrages Stadtmarketing



Wenn Stadträtin Bärbel Thormann (Volkssolidarität) einfach eine zeitlich Verschiebung haben wollte, um besser überlegen zu können (Sie scheiterte mit ihrem Antrag denn er bekam nur 6 Ja Stimmen) dann muss man auch klarstellen, sich einfach Zeit lassen ist im Tourismus nicht.

Jetzt muss das Marketing auf Hochtouren arbeiten, jetzt müssen Angebot verschickt werden, denn jetzt wird schon für den Urlaub im Sommer geplant. In vielen Firmen werden schon die Urlaubspläne erarbeitet. Wenn dann aus Sondershausen nichts kommt, fahren wir halt woanders hin.

Noch einen Schritt weiter ging ging Frank Schmitz (Die Linke). Im Auftrag der Fraktion sagte er, die Linksfraktion lehnt die vorgesehenen Beschlüsse ab. In der Begründung der Fraktion hieß es, wir hatten keine Zeit, die Stadtmarketing GmbH würde nie eine gewinnbringende GmbH und die Stadt müsste doch nur Geld zu schießen.

Sigrid Rößner (Die Linke) verstieg sich dann gar in die Forderung und es klang sehr abwertend, dass bisschen Touristinformation kann das Kulturamt mitmachen und man sollte sich nur runter in die Alte Wache setzen.

Den Linken sei gesagt, Tourismus ist ein ernsthaftes Geschäft, man muss es gelernt haben und es geht nicht so mal schnell nebenbei. Und wie Tourismusmanagement funktioniert, sollte man sich bei den Linken auch mal schlau machen. Dann werden sie feststellen, ohne Werbung und Geld geht im Tourismus nicht viel. Der Spruch "Werbung kostet Geld. Keine Werbung kostet Kunden.", trifft erst recht auf den Tourismus zu.

Auch wenn Sigrid Rößner gleich mehrfach zurückruderte, man will die Sondershausen-Information nicht zerschlagen (selbst im Punkt Sonstiges griff sie das abgeschlossene Thema wieder auf) so richtig glaubhaft kam das nicht rüber.

Die 1. Beigeordnete Cornelia Kraffzick (SPD) verwies auf das schon erheblich geschrumpfte Kulturamt mit nur noch drei Mitarbeitern und ohne einem extra Leiter, da sie als Beigeordnete diese Tätigkeit mit ausübt.

Gerhard Axt (Nubi) machte zwar klar, die Sondershausen-Information stehe nicht zur Disposition, aber er wollte gleich in einem weiteren Schritt die Stadtmarketing GmbH um drei Arbeitskräfte erweitern und damit die Bebraer Teiche als Naturbad betreiben. Auch hier wurde sein Antrag mehrheitlich gestoppt.

Auch der Vorschlag von Helmut Nüchter (Frei Wähler) Kulturamt und Stadtmarketing später mal zu verschmelzen hat einen Haken, wie Kreyer einwarf. Der vom Land Thüringen zugesagte Kulturzuschuss muss über den Haushalt der Stadt abgewickelt werden und damit nicht über eine Stadtmarketing GmbH.

Mit Hartmut Thiele (CDU) und Sabine Bräunicke (SPD) sprachen sich die beiden Fraktionsvorsitzenden klar für die vorgeschlagenen Beschlüsse aus, auch wenn für später mehr Kontrollen verlangt werden.
Jürgen Rauschenbach (Grüne) stimmte unter Vorbehalt zu, wenn der Aufsichtsrat der GmbH zustimmt. Seine Kritik, der Aufsichtsrat sei zu spät informiert worden und hätte vor der Sitzung zustimmen müssen. Diese Kritik akzeptierte Kreyer, auch wenn er einräumte, die Einladung für den Aufsichtsrat sei schon raus.

Fazit:
- Beschluss über die Aufhebung des Beschlusses Nr.: SR 369-30/2013 vom 29. November 2013 über den Verkauf von Geschäftsanteilen der Stadtmarketing Sondershausen GmbH.
Der Beschluss wurde bestätigt, es gab aber fünf Gegenstimmen.

- Beschluss über die Neufassung des Gesellschaftsvertrages der Stadtmarketing Sondershausen GmbH.
Bei 6 Gegenstimmen gab es Zustimmung für die Änderung des Gesellschaftervertrages.

- Beschluss über die 1. Änderung des Wirtschaftsplanes 2014 des Versorgungsbetriebes der Stadt Sondershausen (VBS)
Der Beschluss erfolgte bei 4 Gegenstimmen und einer Enthaltungen.

Wenn jetzt das noch da mit dem Notar klappt und die Kommunalaufsicht ihr ja gibt, kann ab 1. März die Sondershausen-Information im Rahmen der Stadtmarketing GmbH arbeiten.

Damit übrigens keine falsche Gedanken aufkommen, die Sondershausen - Information hatte ihre Arbeit nicht eingestellt, denn die Touristinformation war auch zu Zeiten des existierenden Tourismusverbandes von der Stadt Sondershausen bezahlt worden.

Ende Gut alles Gut?
Es bleibt ein schaler Nachgeschmack. Auch wenn mancher das nicht so sehen wollte und noch will der Tourismusverband Kyffhäuser (TVK) hatte beim Marketing nach außen den Kyffhäuserkreis recht gut vertreten. Wenn jetzt alle Städte einzeln ihr Marketing betreiben, wird es nicht so effektiv und es wird einzeln teurer. Vielleicht treffen sich bald Sondershäuser und Frankenhäuser bei gemeinsamen Messebesuchen. Wen dann noch ein dritter Partner aus dem Kreis kommt, kann man wenigstens Skat zusammen spielen.
Autor: khh

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