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Pop aus New York

Dienstag, 25. Februar 2014, 22:32 Uhr
Am vergangenen Freitagabend gastierte auf der Bühne in der Eingangshalle des Panorama Museums Bad Frankenhausen Joy Askew aus New York mit ihrer Tourband. Auch Fred Böhme war dabei. Hier sein Bericht...

Vorab sei angemerkt, dieses sehr schöne und abwechslungsreiche Konzert hatte auch seinen Tribut an die Faschingshochzeit zu entrichten, denn letztlich fanden sich lediglich knapp 60 Besucher ein, die der Auftritt der hierzulande noch gänzlich unbekannten Musikerin angelockt hatte.

Doch der Abend begann erst einmal äußerst turbulent. Die Musiker waren pünktlich für Aufbau und Soundcheck angelangt, alles war auch bestens vorbereitet und verkabelt. Es mussten nur noch die Instrumente eingestöpselt und der Soundmix erstellt werden und da zeigte sich, dass einige Kanäle am Mischpult stumm blieben. Erste Ursachenforschung - der Austausch von Kabeln - blieb ergebnislos. Liegt es am Mischpult, ist das Multicorekabel defekt? Also mussten die Instrumente auf funktionierende Kanäle umgesteckt werden, die dann mitunter auch nicht gänzlich funktionierten. Letztlich wurde dieser Abend für die Akteure auf der Bühne wie auch den zuständigen Beschallungstechniker eine besondere Herausforderung und es war vor allem der Professionalität der Musiker zu danken, dass es ein Konzert ohne größere Abstriche wurde.

Pop aus New York (Foto: Olaf Telle) Pop aus New York (Foto: Olaf Telle)

„Joy Askew, Olaf Telle“; Rechteinhaber: Olaf Telle

Den Auftakt machte Misty Boyce, eine junge Sängerin, Keyboarderin und Gitarristin, die in derselben Straße wie die Hauptkünstlerin des Abends in Brooklyn, New York wohnt und auch Lieder schreibt. Man kennt sich, schätzt sich als Kollegen, steht auch mal zusammen auf der Bühne und hilft sich gegenseitig im Studio. Eine hingeworfene kleine Melodie beflügelt die Kollegin und umgekehrt, eine Textzeile wird durch den kollegialen Einwurf durch eine andere ergänzt und so lag es nahe, die junge Kollegin mit auf Tournee zu nehmen und dieser auch eine Gelegenheit zur Präsentation eigener Stücke einzuräumen.

Misty spielte einen halbstündigen Support erst solo und dann zusammen mit Mark Beumer am Bass und Elmar Lappe an den Drums, zwei gute alte Bekannte, die auch schon beim Casey-Shea-Konzert an dieser Stelle mit überaus sensiblem Begleitspiel und erstaunlichem Einfühlungsvermögen überzeugen konnten. Misty gelang es sehr schnell nicht nur mit ihren Liedern sondern auch mit ihrem besonderen Charme, das Publikum zu gewinnen.

Nach einer kleinen Pause begann der Auftritt von Joy Askew. Das Auftaktstück war „Had A Bad Day“, welches sie solo am Klavier begann und erst im Refrain stiegen die restlichen Bandmitglieder mit ein. Stilistisch erinnerte es sehr an Stücke von Steve Waitt, der auch schon an dieser Stelle zweimal zu erleben war. Das Piano war unverkennbar ihr Hauptinstrument und an diesem werden ihre kleinen Alltagsgeschichten und Atmosphären erfunden wie „All the little Birds“, Walk the Dog“ oder „Walk under Waterfall“. Ihr Gesang ist jazzy und beweglich.

Stimmlich vermochte sie vor allem in den leisen Passagen zu überzeugen. Wenn sie aber gegen den von ihr solcherart arrangierten Lärm einiger Songs ansang, klang ihre helle, leicht heisere Stimme mitunter etwas unangenehm schrill. War dies den technischen Problemen an diesem Abend geschuldet, denn auf ihrer CD „Drunk On You“ war davon nichts zu spüren gewesen? Temperamentvoll folgte „Torment“ und mancher im Publikum bedauerte bereits, des Englischen nicht so mächtig zu sein, um alle Feinheiten der Texte verstehen zu können. Musikalisch war dieses Stück abwechslungsreicher mit starken Dynamiksprüngen, eine typische New Yorker Popnummer mit einer Prise Jazz, Funk und kleineren Musical-Anleihen, wie man sie öfter bei Künstlern dieser Metropole nicht zuletzt auch bei Joe Jackson findet, in dessen Band sie bereits als Keyboarderin Mitglied war und dessen stilistischer Einfluss ebenfalls unüberhörbar war. Bei „My Life“, ein Song, der auf dem Flug nach Buenos Aires entstanden ist, nun instrumental auf ein Minimum, allein auf die Piano-Begleitung reduziert, verschlangen sich Joys und Mistys Stimme aufs Wunderbarste.

Das Typische für viele Musiker aus New York ist – und das trifft auch für Joy Askews Musik zu –, dass sie eine Vielzahl musikalischer Einflüsse aufnehmen und jenseits aller Schubladen diese unverkennbar urbane Musik kreieren, die darüber hinaus eine Vielzahl technischer Möglichkeiten ganz selbstverständlich nutzt. Ob nun Loops, vorproduzierte Samples oder die konventionellen Möglichkeiten einer Rockband, alle stehen sie im Dienst des Songs. Und so wechselten die Besetzungen an diesem Abend auf der Bühne je nach dem Willen und den Arrangements der Songs.

Sie präsentierte neben Stücke ihrer aktuellen CD auch Songs, die sie mit Forge The Bell, ihrer New Yorker Stammband eingespielt hatte, präsentierte den erst auf der Tour entstandenen „Misty/Joy Song“ oder hüllte Dylans „Time They are A Changing“ in ein ziemlich ungewohntes musikalisches Gewand, um diesem Evergreen der Folktradition neue Nuancen zu entlocken.

Das Publikum mochte diese unprätentiöse Darbietung, die weniger Show als konzentrierter Liedvortrag war und dankte zum Konzertende mit anhaltendem Beifall den Musikern. Reichlich verkaufte CDs waren wohl ebenfalls ein Beleg dafür, dass es den Anwesenden gefallen haben muss.
Fred Böhme
Panoramamuseum Bad Frankenhausen
Autor: khh

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