Lichtblick: Für Ohren unsichtbar?
Freitag, 28. Februar 2014, 07:00 Uhr
Unlängst hörte ich auf dem von mir bevorzugten Radiosender ein Interview mit einem Satiriker, der, nach seinem Lebensmotto gefragt, antwortete: Man sieht nur mit den Augen gut, das Wesentliche ist für die Ohren unsichtbar...
Müssen Sie auch über diesen Satz lachen, der ein Zitat von Antoine de Saint-Exupéry adaptiert? Wir könnten es mit dem Lachen bewenden lassen und zum Tagwerk übergehen, doch bin ich als jemand, der täglich mit Worten umgeht, nicht so leicht in der Lage dazu. Mir hängen solche Sätze oft noch an. Sie beschäftigen mich. Leere Worte sind Zeitverschwendung. Deshalb gärt dieser Satz in mir. Er ist nicht leer … vielleicht lehrreich?
Ich denke nach. Verfahren wir nicht oft in umgekehrter Weise? Da hören wir dies und das und halten es nicht nur für bare Münze, sondern für die Wahrheit. Die Medien brachten es schon, der Nachbar hörte es in der Stadt... Legionen von Quellen dieses dunklen und kriechenden Nasses, das unser Leben beschmutzt, gibt es.
Wie viele Menschen betreiben die Nachrede, sie muss nicht einmal übel sein, mit Leidenschaft, (un)wohl wissend, dass sie oft Leiden schafft. Sie sind nur dann dagegen und zutiefst betroffen, wenn Sie selbst Gegenstand des Geredes sind. Mancher merkt erst dann, dass nicht nur Blicke töten können.
Das Wesentliche ist für die Ohren unsichtbar. Das stimmt. Dafür haben wir die Augen. Wohl dem, dessen Augen in Ordnung sind und er sieht, was Not tut. Mehr brauchen wir nicht sehen, schon gar nicht, was Not (er)schafft.
Von Sokrates, einem wichtigen Philosophen der Antike, wird folgendes berichtet: Eines Tages kam einer zu Sokrates und war voller Aufregung. "He, Sokrates, hast du das gehört, was dein Freund getan hat? Das muss ich dir gleich erzählen."
"Moment mal.", unterbrach ihn der Weise. "Hast du das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe gesiebt?"
"Drei Siebe?" fragte der Andere voller Verwunderung.
"Ja, mein Lieber, drei Siebe. Lass sehen, ob das, was du mir zu sagen hast, durch die drei Siebe hindurchgeht. Das erste Sieb ist die Wahrheit. Hast du alles, was du mir erzählen willst, geprüft, ob es wahr ist?"
"Nein, ich hörte es irgendwo und . . ."
"So, so! Aber sicher hast du es mit dem zweiten Sieb geprüft. Es ist das Sieb der Güte. Ist das, was du mir erzählen willst - wenn es schon nicht als wahr erwiesen ist -, so doch wenigstens gut?"
Zögernd sagte der andere: "Nein, das nicht, im Gegenteil . . ."
"Aha!" unterbrach Sokrates. "So lass uns auch das dritte Sieb noch anwenden und lass uns fragen, ob es notwendig ist, mir das zu erzählen, was dich erregt?"
"Notwendig nun gerade nicht . . ."
"Also", lächelte der Weise, "wenn das, was du mir das erzählen willst, weder erwiesenermaßen wahr, noch gut, noch notwendig ist, so lass es begraben sein und belaste dich und mich nicht damit!"
Dieser scheinbar lapidare Satz Man sieht nur mit den Augen gut, das Wesentliche ist für die Ohren unsichtbar! erschließt uns nun seine Tiefe. Genau hinschauen, genau hinhören, genau prüfen, genau denken. Wenn wir das tun, können wir zumindest von uns sagen, dass wir das Leid nicht gemehrt haben, dass wir rechtschaffen, weil Recht (und Gerechtigkeit) schaffend, sind.
Dass das nicht bis zur vollen Gerechtigkeit möglich ist, ist uns klar, wir sind letztendlich immer erlösungsbedürftig, auf einen anderen angewiesen. Von IHM wird uns gesagt: Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit, denn sie sollen satt werden. (Mt 5,6)
Dann werden wir uns satt sehen und satt hören an Gerechtigkeit, dann werden wir das Wesentliche hören und sehen, dann werden wir heil.
Ein gesegnetes Wochenende wünsche ich Ihnen, mit offenen Augen und Ohren, das Gute und Heile sehend und hörend und sagend.
Kristóf Bálint, Superintendent
Autor: redMüssen Sie auch über diesen Satz lachen, der ein Zitat von Antoine de Saint-Exupéry adaptiert? Wir könnten es mit dem Lachen bewenden lassen und zum Tagwerk übergehen, doch bin ich als jemand, der täglich mit Worten umgeht, nicht so leicht in der Lage dazu. Mir hängen solche Sätze oft noch an. Sie beschäftigen mich. Leere Worte sind Zeitverschwendung. Deshalb gärt dieser Satz in mir. Er ist nicht leer … vielleicht lehrreich?
Ich denke nach. Verfahren wir nicht oft in umgekehrter Weise? Da hören wir dies und das und halten es nicht nur für bare Münze, sondern für die Wahrheit. Die Medien brachten es schon, der Nachbar hörte es in der Stadt... Legionen von Quellen dieses dunklen und kriechenden Nasses, das unser Leben beschmutzt, gibt es.
Wie viele Menschen betreiben die Nachrede, sie muss nicht einmal übel sein, mit Leidenschaft, (un)wohl wissend, dass sie oft Leiden schafft. Sie sind nur dann dagegen und zutiefst betroffen, wenn Sie selbst Gegenstand des Geredes sind. Mancher merkt erst dann, dass nicht nur Blicke töten können.
Das Wesentliche ist für die Ohren unsichtbar. Das stimmt. Dafür haben wir die Augen. Wohl dem, dessen Augen in Ordnung sind und er sieht, was Not tut. Mehr brauchen wir nicht sehen, schon gar nicht, was Not (er)schafft.
Von Sokrates, einem wichtigen Philosophen der Antike, wird folgendes berichtet: Eines Tages kam einer zu Sokrates und war voller Aufregung. "He, Sokrates, hast du das gehört, was dein Freund getan hat? Das muss ich dir gleich erzählen."
"Moment mal.", unterbrach ihn der Weise. "Hast du das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe gesiebt?"
"Drei Siebe?" fragte der Andere voller Verwunderung.
"Ja, mein Lieber, drei Siebe. Lass sehen, ob das, was du mir zu sagen hast, durch die drei Siebe hindurchgeht. Das erste Sieb ist die Wahrheit. Hast du alles, was du mir erzählen willst, geprüft, ob es wahr ist?"
"Nein, ich hörte es irgendwo und . . ."
"So, so! Aber sicher hast du es mit dem zweiten Sieb geprüft. Es ist das Sieb der Güte. Ist das, was du mir erzählen willst - wenn es schon nicht als wahr erwiesen ist -, so doch wenigstens gut?"
Zögernd sagte der andere: "Nein, das nicht, im Gegenteil . . ."
"Aha!" unterbrach Sokrates. "So lass uns auch das dritte Sieb noch anwenden und lass uns fragen, ob es notwendig ist, mir das zu erzählen, was dich erregt?"
"Notwendig nun gerade nicht . . ."
"Also", lächelte der Weise, "wenn das, was du mir das erzählen willst, weder erwiesenermaßen wahr, noch gut, noch notwendig ist, so lass es begraben sein und belaste dich und mich nicht damit!"
Dieser scheinbar lapidare Satz Man sieht nur mit den Augen gut, das Wesentliche ist für die Ohren unsichtbar! erschließt uns nun seine Tiefe. Genau hinschauen, genau hinhören, genau prüfen, genau denken. Wenn wir das tun, können wir zumindest von uns sagen, dass wir das Leid nicht gemehrt haben, dass wir rechtschaffen, weil Recht (und Gerechtigkeit) schaffend, sind.
Dass das nicht bis zur vollen Gerechtigkeit möglich ist, ist uns klar, wir sind letztendlich immer erlösungsbedürftig, auf einen anderen angewiesen. Von IHM wird uns gesagt: Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit, denn sie sollen satt werden. (Mt 5,6)
Dann werden wir uns satt sehen und satt hören an Gerechtigkeit, dann werden wir das Wesentliche hören und sehen, dann werden wir heil.
Ein gesegnetes Wochenende wünsche ich Ihnen, mit offenen Augen und Ohren, das Gute und Heile sehend und hörend und sagend.
Kristóf Bálint, Superintendent
