nnz-Bücherkiste: Nightmare aus Wien
Montag, 17. März 2014, 09:17 Uhr
Was die Wiener Künstlerin Edie Calie in ihrem Erstlingswerk 3 a.m thematisiert, ist nicht so leicht in dürre Worte zu fassen. Die Handlung sind eher Handlungen und wahrscheinlich mehr als Handlungsanleitungen gedacht. Dem kleinen Verlag edition Roter Drache ist es zu verdanken, dass dieser Roman gedruckt wurde.
Was die Wiener Künstlerin Edie Calie in ihrem Erstlingswerk 3 a.m thematisiert, ist nicht so leicht in dürre Worte zu fassen. Die Handlung sind eher Handlungen und wahrscheinlich mehr als Handlungsanleitungen gedacht. Dem kleinen Verlag edition Roter Drache ist es zu verdanken, dass dieser Roman geruckt wurde, denn der etablierte Verlagsbetrieb und die Größen der Branche würden ein solches Buch wohl nicht herausbringen. Es ist einfach nicht in verkaufsfördernde Schubladen einzuordnen. Das ist keine Fantasy, das ist kein Krimi, das ist keine Dokumentation. Edie Calie spielt mit unserer Realität und den ausgeflipptesten Erscheinungen selbiger. Und Hand aufs Herz: Ist ihr Einfall, dass ein selbsternannter Jesus vor laufender Kamera live ans Kreuz genagelt wird wirklich so utopisch? Trauen wir das unseren sensationsgierigen Medien etwa nicht zu? Und dass eine Modefirma für viele Millionen Dollars das Anrecht erwirbt, den Delinquenten für seinen letzten Auftritt einzukleiden, ist heute auch nicht wirklich abwegig.
Das Handlungs-Puzzle zeigt uns Versatzstücke in Wien, Indien, Amerika und der Jahrhunderte zurückliegenden Vergangenheit eines englischen Mystikers namens John Dee. Es geht um Baphomet, die Zahl 23, Alister Crowley, um Roswell und die Aliens, Hexen und Sex, die Geschichten des H.P. Lovecraft und um das schöne Zitat aus einem Film der Coen-Brüder: Es gibt Tage, an denen verspeist du den Bären und Tage, an denen der Bär dich verspeist!
3 a.m ist ein Denkansatz, ein Aufreihen von Varianten, was alles geträumt werden oder auch real passieren könnte. Es wirft Schlaglichter auf die Verrücktheit unserer Welt. Ist es ein verrücktes Buch? Vielleicht. Wenn man verrücken als ein Stück abweichen von unserer täglichen Wahrnehmung begreift, dann ist es wohl verrückt. Aber es ist in seiner Ungeschliffenheit, seiner rauen Dynamik, der Unangepasstheit und dem liebevoll ausgebreiteten Chaos auch hoch spannend und voller Selbstironie. So erzählt die Calie flott und frech und spricht auch hin und wieder mit ihren Romanfiguren, wenn diese unzufrieden mit ihrer Rolle sind.
Mit Sarkasmus, Ironie und bitterem Spott wird auch nicht gespart: In Zeiten wie diesen ging Protest sowieso nie darüber hinaus, irgendwo online auf einen Knopf zu drücken. resümiert sie süffisant und trifft mit diesem und ähnlichen Sprüchen ganz beiläufig den Nerv unserer Zeit.
Ein schrilles, überraschendes und bereicherndes Buch fernab vom Mainstream des Buchbetriebs, das neben den oktarinen Farben des Lebens auch viel dunkelgrauen Humor und morbiden Charme verströmt, wie ihn wohl nur die Wiener hinbekommen.
OLAF SCHULZE
Autor: nnzWas die Wiener Künstlerin Edie Calie in ihrem Erstlingswerk 3 a.m thematisiert, ist nicht so leicht in dürre Worte zu fassen. Die Handlung sind eher Handlungen und wahrscheinlich mehr als Handlungsanleitungen gedacht. Dem kleinen Verlag edition Roter Drache ist es zu verdanken, dass dieser Roman geruckt wurde, denn der etablierte Verlagsbetrieb und die Größen der Branche würden ein solches Buch wohl nicht herausbringen. Es ist einfach nicht in verkaufsfördernde Schubladen einzuordnen. Das ist keine Fantasy, das ist kein Krimi, das ist keine Dokumentation. Edie Calie spielt mit unserer Realität und den ausgeflipptesten Erscheinungen selbiger. Und Hand aufs Herz: Ist ihr Einfall, dass ein selbsternannter Jesus vor laufender Kamera live ans Kreuz genagelt wird wirklich so utopisch? Trauen wir das unseren sensationsgierigen Medien etwa nicht zu? Und dass eine Modefirma für viele Millionen Dollars das Anrecht erwirbt, den Delinquenten für seinen letzten Auftritt einzukleiden, ist heute auch nicht wirklich abwegig.
Das Handlungs-Puzzle zeigt uns Versatzstücke in Wien, Indien, Amerika und der Jahrhunderte zurückliegenden Vergangenheit eines englischen Mystikers namens John Dee. Es geht um Baphomet, die Zahl 23, Alister Crowley, um Roswell und die Aliens, Hexen und Sex, die Geschichten des H.P. Lovecraft und um das schöne Zitat aus einem Film der Coen-Brüder: Es gibt Tage, an denen verspeist du den Bären und Tage, an denen der Bär dich verspeist!
3 a.m ist ein Denkansatz, ein Aufreihen von Varianten, was alles geträumt werden oder auch real passieren könnte. Es wirft Schlaglichter auf die Verrücktheit unserer Welt. Ist es ein verrücktes Buch? Vielleicht. Wenn man verrücken als ein Stück abweichen von unserer täglichen Wahrnehmung begreift, dann ist es wohl verrückt. Aber es ist in seiner Ungeschliffenheit, seiner rauen Dynamik, der Unangepasstheit und dem liebevoll ausgebreiteten Chaos auch hoch spannend und voller Selbstironie. So erzählt die Calie flott und frech und spricht auch hin und wieder mit ihren Romanfiguren, wenn diese unzufrieden mit ihrer Rolle sind.
Mit Sarkasmus, Ironie und bitterem Spott wird auch nicht gespart: In Zeiten wie diesen ging Protest sowieso nie darüber hinaus, irgendwo online auf einen Knopf zu drücken. resümiert sie süffisant und trifft mit diesem und ähnlichen Sprüchen ganz beiläufig den Nerv unserer Zeit.
Ein schrilles, überraschendes und bereicherndes Buch fernab vom Mainstream des Buchbetriebs, das neben den oktarinen Farben des Lebens auch viel dunkelgrauen Humor und morbiden Charme verströmt, wie ihn wohl nur die Wiener hinbekommen.
OLAF SCHULZE

